Startseite FinanzenDeutschland diskutiert über Benzin E20 mit 20 Prozent Bioethanol. Wann kommt der neue Kraftstoff, welche Autos vertragen ihn und was ändert sich gegenüber E10?

Deutschland diskutiert über Benzin E20 mit 20 Prozent Bioethanol. Wann kommt der neue Kraftstoff, welche Autos vertragen ihn und was ändert sich gegenüber E10?

von Johanna Richter
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Deutschland diskutiert über Benzin E20 mit 20 Prozent Bioethanol. Wann kommt der neue Kraftstoff, welche Autos vertragen ihn und was ändert sich gegenüber E10?

In Deutschland wird über die Einführung von Benzin E20 mit einem Bioethanolanteil von bis zu 20 Prozent diskutiert. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger setzt sich für einen stärkeren Einsatz von Biokraftstoffen ein und führt dazu Gespräche mit Frankreich. Bevor der neue Kraftstoff regulär verkauft werden kann, müssen jedoch technische Normen angepasst und Fragen zur Fahrzeugverträglichkeit geklärt werden. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu spiegel.

Deutschland und Frankreich diskutieren über die Einführung von Benzin E20

In Deutschland könnte künftig eine neue Benzinsorte angeboten werden: Super E20 mit einem Bioethanolanteil von bis zu 20 Prozent. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger unterstützt eine Ausweitung des Biokraftstoffeinsatzes und stimmt sich dazu mit der französischen Regierung ab.

Nach Angaben des Ministers wird ein höherer Anteil erneuerbarer Bestandteile im Benzin als eine Möglichkeit betrachtet, die CO₂-Emissionen im Verkehrssektor zu reduzieren. Ein konkreter Schritt könnte darin bestehen, E20 an regulären Tankstellen anzubieten.

Derzeit tanken Autofahrer in Deutschland überwiegend Super E5 oder Super E10. Die Zahlen geben an, wie hoch der maximale Ethanolanteil im jeweiligen Kraftstoff sein darf. Während E5 bis zu fünf Prozent Bioethanol enthält, liegt die Obergrenze bei E10 bei zehn Prozent. Bei E20 würde dieser Anteil auf maximal 20 Prozent steigen.

Die Diskussion über den neuen Kraftstoff findet vor dem Hintergrund deutsch-französischer Gespräche über die Zukunft des Verbrennungsmotors statt. Beide Länder setzen sich für eine Überarbeitung der europäischen Vorgaben ein, die ab 2035 gelten sollen.

Wann kommt Benzin E20 an deutsche Tankstellen?

Trotz der politischen Unterstützung steht ein konkreter Termin für die flächendeckende Einführung von E20 in Deutschland bislang nicht fest. Der Kraftstoff wird bereits erprobt, ist für private Autofahrer jedoch noch nicht regulär erhältlich.

Nach Angaben des ADAC wird Benzin mit einem Bioethanolanteil von bis zu 20 Prozent derzeit ausschließlich im Rahmen geschlossener Flottenversuche getestet. Ein Verkauf an gewöhnlichen Tankstellen ist bisher nicht vorgesehen.

Ein wesentliches Hindernis stellt die geltende europäische Kraftstoffnorm DIN EN 228 dar. Sie erlaubt für handelsübliches Benzin derzeit einen Ethanolanteil von höchstens zehn Prozent.

Damit E20 auf den Massenmarkt kommen kann, müssen zunächst die entsprechenden technischen Anforderungen überarbeitet werden. Anschließend könnten Kraftstoffhersteller und Tankstellenbetreiber die notwendigen Vorbereitungen für den Vertrieb treffen.

Die Initiative des Verkehrsministers bedeutet allerdings noch keine endgültige Entscheidung. Der Zeitpunkt einer möglichen Markteinführung hängt unter anderem von der Anpassung der Normen und weiteren regulatorischen Schritten ab.

Welche Autos dürfen mit E20 betankt werden?

Eine der wichtigsten Fragen betrifft die Verträglichkeit des neuen Kraftstoffs mit bereits zugelassenen Fahrzeugen. Ein höherer Ethanolanteil kann zusätzliche Anforderungen an das Kraftstoffsystem, Dichtungen und weitere Motorkomponenten stellen.

Der Automobilclub von Deutschland (AvD) hält den Einsatz von E20 bei vielen modernen Fahrzeugen grundsätzlich für technisch möglich. Dies gilt insbesondere für Modelle, die vom Hersteller uneingeschränkt für E10 freigegeben wurden und über moderne Kraftstoffsysteme verfügen.

Allerdings bedeutet eine E10-Freigabe nicht automatisch, dass ein Fahrzeug auch offiziell für E20 zugelassen ist. Autofahrer müssten deshalb vor der Verwendung prüfen, ob der jeweilige Hersteller den neuen Kraftstoff ausdrücklich erlaubt.

Besondere Vorsicht ist bei älteren Fahrzeugen erforderlich. Einige Bauteile ihrer Kraftstoffsysteme könnten für eine höhere Ethanolkonzentration ungeeignet sein.

Solange keine entsprechende Herstellerfreigabe vorliegt, sollten Fahrzeughalter ausschließlich die für ihr Modell zugelassenen Kraftstoffsorten verwenden.

E20, E10 und E5: Was sind die Unterschiede?

Der wichtigste Unterschied zwischen den drei Benzinsorten liegt im Bioethanolanteil. Bioethanol wird aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellt und herkömmlichem Ottokraftstoff beigemischt.

BenzinsorteMaximaler EthanolanteilVerfügbarkeit in Deutschland
Super E55 %Regulär erhältlich
Super E1010 %Regulär erhältlich
Super E2020 %Derzeit nur in begrenzten Tests

Ein höherer Ethanolanteil verändert die Eigenschaften des Kraftstoffgemischs. Bioethanol besitzt eine geringere Energiedichte als herkömmliches Benzin. Unter vergleichbaren Bedingungen kann deshalb der Kraftstoffverbrauch steigen.

Wie deutlich sich dieser Unterschied bei E20 bemerkbar machen würde, hängt von der Motorkonstruktion, dem Fahrverhalten und der tatsächlichen Zusammensetzung des Kraftstoffs ab.

Auch über den künftigen Verkaufspreis von E20 liegen bislang keine verbindlichen Angaben vor. Ein wirtschaftlicher Vergleich mit E5 und E10 ist daher derzeit noch nicht möglich.

Warum ist die Klimabilanz von E20 umstritten?

Befürworter des neuen Kraftstoffs verweisen vor allem auf die Möglichkeit, den Verbrauch fossiler Rohstoffe zu verringern. Durch einen höheren Bioethanolanteil könnten erdölbasierte Bestandteile teilweise durch Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen ersetzt werden.

Wie klimafreundlich E20 tatsächlich ist, hängt jedoch nicht allein vom Ethanolanteil ab. Entscheidend ist die gesamte Produktionskette, einschließlich des Anbaus der benötigten Pflanzen, der Verarbeitung, des Transports und des Energieverbrauchs bei der Herstellung.

Hinzu kommt die Frage, welche landwirtschaftlichen Flächen für die Biokraftstoffproduktion genutzt werden. Unter bestimmten Bedingungen kann der Anbau von Energiepflanzen mit der Produktion von Nahrungsmitteln konkurrieren.

Deshalb führt eine Erhöhung des Bioethanolanteils auf 20 Prozent nicht automatisch zu einer entsprechend hohen CO₂-Einsparung. Die tatsächliche Klimawirkung hängt wesentlich von der Herkunft der Rohstoffe und den eingesetzten Herstellungsverfahren ab.

Was hat E20 mit dem Verbrenner-Aus ab 2035 zu tun?

Die Debatte über den neuen Kraftstoff läuft parallel zu den Bemühungen Deutschlands und Frankreichs, die europäischen Vorgaben für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zu verändern.

Nach den bislang vereinbarten EU-Regeln sollen neu zugelassene Pkw ab 2035 die Anforderungen an einen CO₂-emissionsfreien Betrieb erfüllen.

Die Europäische Kommission hat jedoch vorgeschlagen, die bisherige Regelung zu überarbeiten. Mögliche Änderungen könnten weiterhin Spielräume für die Neuzulassung bestimmter Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor und Hybridantrieb nach 2035 schaffen.

Bundeskanzler Friedrich Merz unterstützt eine Lockerung der bisherigen Vorgaben. Berlin und Paris haben eine gemeinsame Position erarbeitet, mit der unterschiedliche Antriebstechnologien auch künftig auf dem europäischen Automarkt ermöglicht werden sollen.

Eine endgültige Entscheidung steht allerdings noch aus. Änderungen der europäischen Gesetzgebung benötigen die Zustimmung des Europäischen Parlaments und der EU-Mitgliedstaaten.

Der Ausbau von Biokraftstoffen wird in diesem Zusammenhang als eine zusätzliche Möglichkeit betrachtet, die Emissionen des Verkehrssektors zu senken. Die mögliche Einführung von E20 an Tankstellen und die Überarbeitung der CO₂-Vorgaben für Neuwagen ab 2035 bleiben jedoch zwei voneinander getrennte regulatorische Vorhaben.

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