Das deutsche Startup Fryzza, das Tiefkühlpizza speziell für Heißluftfritteusen entwickelt hat, konnte bei der TV-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ zwei prominente Investoren gewinnen. Frank Thelen und Ralf Dümmel einigten sich mit den Gründern auf eine Investition von 350.000 Euro und erhielten dafür 28,57 Prozent der Unternehmensanteile. Trotz kritischer Fragen zur Firmenbewertung und zum zeitlichen Engagement der Gründer wurde der Deal auch nach den Dreharbeiten erfolgreich abgeschlossen. Inzwischen baut Fryzza seine Präsenz im deutschen Einzelhandel aus, plant neue Produkte und hat weitere Vertriebspartner gewonnen. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu businessinsider.
Fryzza überzeugt Investoren mit Pizza für die Heißluftfritteuse
Hinter Fryzza stehen Sternekoch Alexander Wulf, Sommelier Ronny Schreiber und Fernsehmoderator Dieter Könnes. Die drei Unternehmer präsentierten bei „Die Höhle der Löwen“ eine Tiefkühlpizza, die speziell für die Zubereitung in einer Heißluftfritteuse entwickelt wurde. Nach Angaben der Gründer flossen rund 100.000 Euro in die Produktentwicklung.
Für die weitere Expansion benötigte das Unternehmen 350.000 Euro. Im Gegenzug bot das Gründerteam zunächst zehn Prozent der Firmenanteile an. Daraus ergab sich eine Unternehmensbewertung von 3,5 Millionen Euro.
Bereits vor dem Auftritt konnte Fryzza erste wirtschaftliche Erfolge vorweisen. Innerhalb von sechs Monaten erzielte das Startup einen Umsatz von rund 500.000 Euro. Zudem war die Pizza bereits in etwa 700 Geschäften erhältlich.
Diese Zahlen weckten das Interesse der Investoren. Allerdings sorgte die hohe Bewertung des Unternehmens für Diskussionen. Mehrere Löwen bezweifelten, dass die bisherigen Umsätze einen Firmenwert von 3,5 Millionen Euro rechtfertigten.
Was unterscheidet Fryzza von herkömmlicher Tiefkühlpizza?
Das Besondere an Fryzza ist die Entwicklung für eine bestimmte Zubereitungsart. Während klassische Tiefkühlpizzen hauptsächlich für den Backofen hergestellt werden, wurde Fryzza von Anfang an für die Heißluftfritteuse konzipiert.
An der Rezeptur war Alexander Wulf beteiligt, der als Sternekoch im Restaurant Troika tätig ist. Bei der Herstellung wird ein Teig mit natürlichem Sauerteig verwendet, der im Steinofen vorgebacken wird. Anschließend wird der Teig von Hand geformt und mit verschiedenen Zutaten belegt.
Auch die Tomatensauce erhält durch eine speziell entwickelte Gewürzmischung ihren eigenen Geschmack.
Ein weiterer Unterschied liegt in der Form. Die Pizza ist rechteckig und passt dadurch besser in den Garkorb einer Heißluftfritteuse. Nach Angaben der Gründer beträgt die Zubereitungszeit etwa fünf bis sechs Minuten.
Zum Zeitpunkt der Präsentation umfasste das Sortiment vier Varianten:
- Thunfisch
- Salami
- Mozzarella
- Vegetarisch
Bei der Verkostung in der Sendung konnte Fryzza geschmacklich überzeugen. Die Investoren zeigten sich von der Qualität der Pizza beeindruckt. Deutlich kritischer bewerteten sie allerdings die Unternehmensstruktur und die Expansionspläne.
Warum die Geschäftsstrategie von Fryzza für Kritik sorgte
Ein zentraler Streitpunkt während der Verhandlungen war die berufliche Situation der Gründer. Keiner der Beteiligten arbeitete ausschließlich für Fryzza. Neben den drei bekannten Gesichtern gehören auch Lars Jansen und Josef Kirisits zum Gründerteam. Sie bringen insbesondere Erfahrung in den Bereichen Einzelhandel, Logistik und Produktion mit.
Alexander Wulf erklärte, dass sein Restaurant Troika montags bis mittwochs geschlossen sei. Diese Zeit nutze er gemeinsam mit Ronny Schreiber für die Arbeit am Startup.
Die Gründer sahen ihre weiteren beruflichen Tätigkeiten nicht als Nachteil. Vielmehr argumentierten sie, dass ihre bestehenden Kontakte und Erfahrungen entscheidend dazu beigetragen hätten, Fryzza schnell auf den Markt zu bringen.
Frank Thelen widersprach dieser Einschätzung deutlich. Seiner Ansicht nach benötigt ein erfolgreiches Unternehmen vor allem Gründer, die sich vollständig auf den Aufbau ihres Geschäfts konzentrieren.
Auch Carsten Maschmeyer äußerte Zweifel. Neben der hohen Firmenbewertung kritisierte er, dass sich die Gründer nicht hauptberuflich ihrem Startup widmeten. Schließlich entschied er sich gegen eine Beteiligung.
Judith Williams stieg ebenfalls aus den Verhandlungen aus. Besonders skeptisch betrachtete sie die Pläne, neben der Tiefkühlpizza auch eine gekühlte Produktvariante anzubieten. Ihrer Einschätzung nach sollten sich junge Unternehmen bei der Expansion zunächst auf ein klar definiertes Kernprodukt konzentrieren.
Frank Thelen und Ralf Dümmel bieten gemeinsam 350.000 Euro
Trotz der Kritik erhielt Fryzza mehrere konkrete Investitionsangebote. Janna Ensthaler zeigte sich von den bisherigen Leistungen der Gründer überzeugt. Sie erklärte, dass es durchaus Ausnahmen von klassischen Startup-Regeln geben könne.
Ensthaler bot dem Unternehmen 350.000 Euro für 20 Prozent der Anteile an. Dabei stellte sie insbesondere ihre Kontakte und ihre Unterstützung beim weiteren Unternehmensaufbau in Aussicht.
Doch auch Frank Thelen und Ralf Dümmel wollten bei Fryzza einsteigen. Die beiden Investoren schlossen sich zusammen und unterbreiteten ein gemeinsames Angebot.
Für 350.000 Euro verlangten sie 28,57 Prozent der Unternehmensanteile. Damit lag ihre Bewertung deutlich unter den ursprünglichen Vorstellungen des Gründerteams.
Thelen erklärte, dass ihn sowohl das Produkt als auch die bisherigen Erfolge überzeugt hätten. Obwohl er normalerweise großen Wert darauf legt, dass Gründer ihre gesamte Arbeitszeit in das eigene Unternehmen investieren, war er in diesem Fall bereit, eine Ausnahme zu machen.
Ralf Dümmel brachte vor allem seine langjährige Erfahrung im Vertrieb von Konsumgütern und seine Kontakte zu großen Handelsketten in die Verhandlungen ein.
Nach einer Beratung entschieden sich die Gründer schließlich für das gemeinsame Angebot von Thelen und Dümmel. Dafür mussten sie allerdings einen wesentlich größeren Unternehmensanteil abgeben als ursprünglich geplant.
Wurde der Fryzza-Deal nach „Die Höhle der Löwen“ tatsächlich abgeschlossen?
Nicht jede Investitionszusage aus „Die Höhle der Löwen“ führt nach den Dreharbeiten zu einem endgültigen Vertrag. Bei Fryzza wurde der Deal jedoch tatsächlich umgesetzt.
Informationen aus dem Umfeld der Investoren bestätigten, dass die Vereinbarung auch nach der Sendung Bestand hatte. Nach Angaben des Unternehmens entwickelt sich die Zusammenarbeit in mehreren Bereichen sogar schneller als ursprünglich erwartet.
Nach Abschluss der Verhandlungen trafen sich die fünf Gründer mit Frank Thelen und Ralf Dümmel im Restaurant Troika. Dort besprachen sie die nächsten Schritte für den Ausbau des Geschäfts.
Ralf Dümmel verfolgt mit der Beteiligung ein klares Ziel: Fryzza soll sich zu einer bekannten Tiefkühlpizza-Marke entwickeln und langfristig in möglichst vielen deutschen Haushalten vertreten sein.
Für Frank Thelen ist das Investment eine weitere Beteiligung im Lebensmittelbereich. Zuvor investierte er bereits in Unternehmen wie Y-Food, Ankerkraut und 3Bears.
Der Unternehmer sieht in Fryzza mehr als eine gewöhnliche Tiefkühlpizza. Entscheidend sei, dass das Produkt von Beginn an für eine neue Art der Essenszubereitung entwickelt wurde.
Thelen möchte seine Erfahrung beim Aufbau und bei der Skalierung von Marken einbringen. Dümmel soll insbesondere seine Kenntnisse des Einzelhandels und seine Vertriebskontakte nutzen, um Fryzza schneller bekannt zu machen.
Fryzza kommt zu Lidl und gewinnt Bofrost als Vertriebspartner
Ein erstes konkretes Ergebnis der Zusammenarbeit ist die geplante Ausweitung des Vertriebs. Durch die Kontakte von Ralf Dümmel soll Fryzza bei Lidl im Rahmen einer zeitlich begrenzten Sonderaktion erhältlich sein.
Damit erreicht das Startup potenziell eine deutlich größere Kundengruppe. Während das Produkt zuvor bereits in Hunderten Verkaufsstellen angeboten wurde, eröffnet die Zusammenarbeit mit einer großen Discounterkette zusätzliche Absatzmöglichkeiten.
Darüber hinaus konnte Fryzza nach Angaben von Mitgründer Dieter Könnes auch Bofrost als Partner gewinnen. Das Unternehmen gehört zu den bekannten deutschen Anbietern von Tiefkühlprodukten und liefert seine Waren direkt an private Haushalte.
Für Fryzza sind beide Vertriebskanäle von Bedeutung. Lidl ermöglicht den Zugang zu Kunden im stationären Lebensmitteleinzelhandel, während Bofrost zusätzliche Möglichkeiten im Direktvertrieb von Tiefkühlprodukten bietet.
Die Gründer wollen dabei nicht ausschließlich vom Bekanntheitsschub durch den Fernsehauftritt profitieren. Entscheidend ist für sie, dass Verbraucher die Pizza nach dem ersten Kauf regelmäßig erneut kaufen.
Dazu soll Fryzza langfristig als eigenständige Marke im Tiefkühlsegment etabliert werden.
Neue Fryzza-Sorten geplant: Glutenfrei und proteinreich
Neben dem Ausbau des Vertriebs arbeitet das Unternehmen bereits an weiteren Produkten. Die Gründer möchten das Sortiment vergrößern, ohne das ursprüngliche Konzept einer schnell zubereiteten Pizza für Heißluftfritteusen aufzugeben.
Nach Angaben von Dieter Könnes ist eine neue Variante namens „Speciale“ bereits fertig entwickelt. Zusätzlich beschäftigt sich das Team mit einer glutenfreien Pizza sowie einer Version mit erhöhtem Proteingehalt.
Ob und in welchem Umfang diese Produkte auf den Markt kommen, soll von der Nachfrage abhängen. Die Gründer wollen zunächst prüfen, ob die neuen Varianten genügend Käufer ansprechen und wirtschaftlich erfolgreich sein können.
Dabei steht nicht nur die Erweiterung des Sortiments im Mittelpunkt. Fryzza möchte vor allem die Verkaufszahlen seiner bestehenden Produkte steigern und seine Präsenz im deutschen Lebensmittelhandel ausbauen.
Auch die Frage nach der beruflichen Auslastung der Gründer, die während der Sendung für erhebliche Diskussionen gesorgt hatte, stellt nach Angaben von Dieter Könnes inzwischen kein Hindernis mehr für die Zusammenarbeit mit den Investoren dar.