Startseite AktuellesDrohne mit Sprengstoff nahe ukrainischen Flugzeugen am Flughafen Leipzig entdeckt. Die Polizei ermittelt wegen möglicher Sabotage am Frachtzentrum.

Drohne mit Sprengstoff nahe ukrainischen Flugzeugen am Flughafen Leipzig entdeckt. Die Polizei ermittelt wegen möglicher Sabotage am Frachtzentrum.

von Johanna Richter
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Drohne mit Sprengstoff nahe ukrainischen Flugzeugen am Flughafen Leipzig entdeckt. Die Polizei ermittelt wegen möglicher Sabotage am Frachtzentrum.

Am Flughafen Leipzig/Halle im Osten Deutschlands wird ein möglicher Angriff auf eines der wichtigsten Luftfrachtdrehkreuze Europas untersucht. In der Nacht wurde auf dem Flughafengelände eine Drohne mit einem befestigten Sprengsatz und einem Zünder entdeckt. Das Fluggerät befand sich in einem abgesperrten Betriebsbereich unweit ukrainischer Transportflugzeuge von Antonov Airlines. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu Вild.

Wegen des Vorfalls wurden beide Start- und Landebahnen vorübergehend gesperrt. Mehrere Flüge mussten auf andere Flughäfen umgeleitet werden. Deutsche Sicherheitsbehörden prüfen unter anderem den Verdacht auf Sabotage, eine terroristische Straftat und einen Angriff auf kritische Verkehrsinfrastruktur. Wer die Drohne gesteuert hat und woher sie stammte, ist bislang nicht offiziell geklärt.

Drohne in der Nähe ukrainischer Flugzeuge entdeckt

Der Vorfall ereignete sich kurz vor Mitternacht am 4. August. Nach bisherigen Erkenntnissen bemerkte ein Flughafenmitarbeiter eine tief fliegende Drohne im Bereich der südlichen Start- und Landebahn. Später wurde das Fluggerät am Boden in einem Betriebsbereich des Frachtzentrums gefunden.

An der Drohne war ein Paket mit einer zunächst unbekannten Substanz und einem Zünder befestigt. Bundespolizei, Sprengstoffexperten und Fachleute des Landeskriminalamtes Sachsen wurden zum Einsatzort gerufen. Zur Untersuchung des verdächtigen Gegenstands kam ein ferngesteuerter Roboter zum Einsatz.

Die Spezialisten trennten den Zünder von der Sprengvorrichtung. Zu einer Explosion kam es nicht. Mitarbeiter des Flughafens, Passagiere und Besatzungsmitglieder wurden nicht verletzt.

In unmittelbarer Nähe standen Frachtflugzeuge der ukrainischen Fluggesellschaft Antonov Airlines. Seit der Sperrung des ukrainischen Luftraums nutzt das Unternehmen den Flughafen Leipzig/Halle als einen seiner wichtigsten europäischen Standorte.

Einige deutsche Medien berichteten, dass sich zum Zeitpunkt des Alarms vier ukrainische Transportflugzeuge auf dem Flughafengelände befanden. Auch die NATO bestätigte den Vorfall, da Antonov-Flugzeuge im Rahmen logistischer Programme des Bündnisses eingesetzt werden.

Ermittler prüfen Hinweise auf Plastiksprengstoff

Die zuständigen Behörden bezeichneten den Inhalt des an der Drohne befestigten Pakets zunächst als unbekannte Sprengvorrichtung. Die genaue Zusammensetzung der Substanz soll durch kriminaltechnische Untersuchungen geklärt werden.

Die Zeitung BILD berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass es sich um Plastiksprengstoff, möglicherweise Semtex, gehandelt haben könnte. Diese Information war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung weder von der Staatsanwaltschaft noch von der Polizei abschließend bestätigt worden.

Semtex ist ein formbarer Plastiksprengstoff, der in kleinen Behältern untergebracht werden kann. Je nach Zusammensetzung wird er bei industriellen Sprengarbeiten, im militärischen Bereich oder beim Bau improvisierter Sprengvorrichtungen eingesetzt.

Deutsche Medien berichteten außerdem, dass der Zünder möglicherweise defekt gewesen sei. Ein technischer Fehler gilt als eine mögliche Erklärung dafür, dass der Sprengsatz nicht detonierte. Abschließende Ergebnisse werden erst nach Abschluss der Untersuchungen erwartet.

Frachtflugzeug kollidierte mit unbekanntem Objekt

Während der vorübergehenden Sperrung des Flughafens kam es zu einem weiteren Zwischenfall. Ein Frachtflugzeug, das seinen Landeanflug auf Leipzig abbrechen musste, kollidierte beim erneuten Steigflug mit einem bislang unbekannten Objekt.

Die Besatzung setzte den Flug fort und landete in Hannover. Bei einer anschließenden Kontrolle wurden leichte Schäden an der Außenhaut der Maschine festgestellt. Ermittler aus Sachsen und Niedersachsen prüfen nun, ob es sich bei dem Objekt um eine zweite Drohne gehandelt haben könnte und ob ein Zusammenhang mit dem gefundenen Sprengsatz besteht.

Einige Quellen bezeichneten die beschädigte Maschine als DHL-Frachtflugzeug. Offiziell bestätigt wurde lediglich, dass es sich um einen Frachtflug handelte, der nach der Sperrung des Flughafens umgeleitet worden war.

Die nördliche Start- und Landebahn wurde nach etwa zwei Stunden wieder freigegeben. Die südliche Bahn blieb gesperrt, wobei dort zuvor bereits technische Arbeiten geplant gewesen waren. Ein Passagierflug und mehrere Frachtmaschinen mussten auf andere Flughäfen ausweichen.

Flughafen Leipzig/Halle besitzt strategische Bedeutung

Leipzig/Halle gehört zu den größten Frachtflughäfen Europas und ist das wichtigste europäische Luftfahrtdrehkreuz von DHL. Über den Flughafen werden rund um die Uhr Postsendungen, Handelswaren, Industrieausrüstung und dringende internationale Lieferungen abgefertigt.

Der Standort wird zudem für Schwerlasttransporte mit ukrainischen Flugzeugen des Typs Antonow An-124 genutzt. Außerdem spielt der Flughafen eine Rolle in Logistikprogrammen Deutschlands und der NATO.

Seine Lage in der Nähe wichtiger Autobahn- und Eisenbahnverbindungen macht den Flughafen zu einem bedeutenden Bestandteil der europäischen Verkehrsinfrastruktur. Das Frachtzentrum befindet sich unweit der Autobahnen A14 und A9. Die Ermittler versuchen festzustellen, welche Route die Drohne genommen hat und von wo aus sie gesteuert worden sein könnte.

Gesicherte Erkenntnisse darüber, dass der Sprengsatz eine unmittelbare Gefahr für die nahe gelegenen Autobahnen dargestellt habe, liegen bislang nicht vor. Nach Angaben der Behörden bestand außerhalb des Flughafengeländes keine Gefahr für die Bevölkerung.

Russische An-124 stehen weiterhin auf dem Flughafengelände

Auf dem Gelände des Flughafens Leipzig/Halle befinden sich außerdem drei Transportflugzeuge des Typs An-124 der russischen Fluggesellschaft Volga-Dnepr. Sie wurden nach der Verhängung von Sanktionen und der Sperrung des europäischen Luftraums für russische Fluggesellschaften in Deutschland festgesetzt.

Die Maschinen stehen im nördlichen Teil des Flughafens zwischen der Autobahn A14 und der Start- und Landebahn. Bislang gibt es keine bestätigten Hinweise darauf, dass die gefundene Drohne auf diese Flugzeuge zusteuerte oder dass die russischen Maschinen mit dem Vorfall in Verbindung stehen.

Die Ermittler untersuchen die Position sämtlicher Flugzeuge, Aufnahmen von Überwachungskameras, Radardaten, mögliche Funksignale zur Steuerung der Drohne und die Aktivitäten von Personen, die sich zum Tatzeitpunkt in der Umgebung des Flughafens aufhielten.

Staatsschutz übernimmt Ermittlungen

Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden, das Landeskriminalamt Sachsen und die Bundespolizei sind an den Ermittlungen beteiligt. Hinzugezogen wurden Fachleute für Terrorismus, Extremismus, Sabotage und den Schutz kritischer Infrastruktur.

Nach Informationen deutscher Medien wurde eine Sonderkommission mit rund 100 Beschäftigten eingerichtet. Die Ermittler suchen nach dem Drohnenpiloten und untersuchen das Modell des Fluggeräts, elektronische Bauteile, Seriennummern und die Herkunft des Sprengstoffs.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt führte Gespräche mit den Leitungen der Sicherheitsbehörden. Der Vorfall wird auch vor dem Hintergrund zunehmender Sichtungen unbekannter Drohnen über Flughäfen, militärischen Einrichtungen und Industrieanlagen in Deutschland untersucht.

Offizielle Beweise für eine Beteiligung Russlands, der Ukraine oder eines anderen Staates liegen bislang nicht vor. Die deutschen Behörden äußern sich wegen der laufenden Ermittlungen nicht zu konkreten Tatversionen.

Möglicher Zusammenhang mit früheren Sabotagefällen wird geprüft

Besondere Aufmerksamkeit gilt Ereignissen aus dem Jahr 2024, als in DHL-Logistikzentren Pakete mit Brandsätzen entdeckt worden waren. Eine solche Sendung entzündete sich in Leipzig, bevor sie in ein Flugzeug verladen werden konnte.

Europäische Ermittlungsbehörden prüften damals den Verdacht, dass ein Sabotagenetzwerk im Auftrag russischer Geheimdienste gehandelt haben könnte. Moskau wies die Vorwürfe zurück. Ein bestätigter Zusammenhang zwischen diesen Fällen und der am 5. August 2026 entdeckten Drohne besteht bislang nicht.

Die Ermittler prüfen auch, ob der Täter allein gehandelt, einen Auftrag über das Internet erhalten oder eine handelsübliche Drohne für den Transport des Sprengsatzes umgebaut haben könnte.

Entscheidende Hinweise könnten aus dem Flugcontroller, dem Speicher der Drohne, Videoaufnahmen, Mobilfunkdaten und Spuren an den Bauteilen der Sprengvorrichtung gewonnen werden.

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