Startseite AktuellesEin Polarwirbel-Split könnte Deutschlands milden Winter in eine Phase mit starkem Frost und Schnee verwandeln. So entsteht das mögliche Kälteszenario.

Ein Polarwirbel-Split könnte Deutschlands milden Winter in eine Phase mit starkem Frost und Schnee verwandeln. So entsteht das mögliche Kälteszenario.

von Johanna Richter
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Ein Polarwirbel-Split könnte Deutschlands milden Winter in eine Phase mit starkem Frost und Schnee verwandeln. So entsteht das mögliche Kälteszenario.

Die saisonalen Wettermodelle deuten bislang auf einen überwiegend milden Winter 2026/27 in Deutschland hin. Erwartet werden häufige Atlantiktiefs, stürmischer Wind, anhaltender Regen und Temperaturen über dem langjährigen Durchschnitt. Vorgänge in der Stratosphäre über der Arktis könnten diese Entwicklung jedoch verändern. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu daswetter.

Ein entscheidender Faktor ist der Zustand des Polarwirbels. Eine starke Abschwächung oder Aufspaltung könnte die Luftzirkulation über Europa neu ordnen und kalten Luftmassen aus dem Osten den Weg nach Deutschland öffnen.

Was mit dem Polarwirbel geschieht

Der Polarwirbel ist ein starkes Band westlicher Winde, das sich im Winter in der Stratosphäre über dem Nordpol bildet. Es hält einen großen Teil der arktischen Kaltluft in den hohen nördlichen Breiten fest.

Bleibt der Wirbel stark und stabil, dominiert in Mitteleuropa gewöhnlich eine westliche Strömung. Sie führt milde und feuchte Atlantikluft nach Deutschland und bringt vergleichsweise hohe Temperaturen, Regen sowie zeitweise kräftigen Wind.

Die Struktur des Polarwirbels kann sich allerdings verändern. In manchen Wintern verlagert er sich vom Pol, wird schwächer oder teilt sich in mehrere Teile. Dadurch kann sich die Lage der Hoch- und Tiefdruckgebiete auf der Nordhalbkugel verschieben.

Plötzliche Stratosphärenerwärmung verändert die Zirkulation

Einer möglichen Aufspaltung des Polarwirbels geht häufig eine plötzliche Stratosphärenerwärmung voraus. Dabei kann die Temperatur in etwa 30 Kilometern Höhe innerhalb weniger Tage um mehrere Dutzend Grad steigen.

Diese Erwärmung betrifft nicht die bodennahen Luftschichten. Veränderungen in der oberen Atmosphäre können vielmehr die westlichen Winde abschwächen, den Polarwirbel destabilisieren und anschließend das Winterwetter in Europa beeinflussen.

Die Auswirkungen am Boden treten normalerweise nicht sofort ein. Bis sich die atmosphärische Zirkulation vollständig umgestellt hat, können mehrere Tage oder Wochen vergehen.

Deutschland könnte unter den Einfluss östlicher Kaltluft geraten

Nach einer Abschwächung des Polarwirbels kann sich über Grönland oder Skandinavien ein beständiges Hochdruckgebiet bilden. Dieses blockiert die Zufuhr milder und feuchter Atlantikluft und verändert die Richtung der Luftströmungen.

Unter solchen Bedingungen könnte kalte Kontinentalluft aus Osteuropa und Sibirien nach Deutschland gelangen. Die Temperaturen würden rasch sinken, Regen könnte in Schnee übergehen und die Nachtfröste könnten deutlich stärker werden.

Das größte Risiko entsteht beim Zusammentreffen mehrerer Faktoren:

  • eines blockierenden Hochdruckgebiets über Nordeuropa;
  • einer östlichen oder nordöstlichen Luftströmung;
  • ausreichender Feuchtigkeit;
  • dauerhaft niedriger Temperaturen;
  • langsam ziehender Wettersysteme.

In einem solchen Fall wären starke Schneefälle, Glätte, Einschränkungen im Verkehr und eine länger anhaltende Frostperiode möglich.

Ein ähnliches Szenario erlebte Europa 2018

Ende Februar 2018 begünstigten eine starke Stratosphärenerwärmung und die Schwächung des Polarwirbels den Zustrom kalter Luft in weite Teile Europas. Die Kältewelle wurde als „Beast from the East“ bekannt.

Der Temperatursturz ging mit heftigen Schneefällen, Schneeverwehungen und erheblichen Verkehrsproblemen einher. In mehreren Regionen sank das Thermometer deutlich unter null, während die schwierigen Wetterbedingungen mehrere Tage anhielten.

Eine Aufspaltung des Polarwirbels bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Kälte Deutschland trifft. Je nach Lage der Druckgebiete können die arktischen Luftmassen auch nach Nordamerika, Asien oder in andere Teile Europas strömen.

Ein genauer Winterverlauf lässt sich noch nicht bestimmen

Anfang September lässt sich weder eine mögliche Aufspaltung des Polarwirbels noch die Richtung eines späteren Kaltlufteinbruchs zuverlässig vorhersagen. Saisonprognosen zeigen lediglich allgemeine Tendenzen. Konkrete Schneefälle oder Frostwellen können sie Monate im Voraus nicht präzise bestimmen.

Deutlichere Hinweise auf eine plötzliche Stratosphärenerwärmung treten üblicherweise erst näher am möglichen Ereignis auf. Deshalb sind in Deutschland selbst bei einem insgesamt milden Winter kurze oder länger anhaltende Phasen mit starkem Frost nicht ausgeschlossen.

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