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Sensation im All: Saturn-großer Einzelgänger-Planet entdeckt

Ein seltener Fund beschäftigt die Astronomie: Ein Planet, so massereich wie der Saturn, zieht ohne Stern einsam durch die Milchstraße. Die Entdeckung liefert neue Hinweise auf die chaotischen Frühphasen von Planetensystemen.

von Wolfgang Baumer
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Sensation im All: Saturn-großer Einzelgänger-Planet entdeckt

Das Universum ist voller Überraschungen, die unsere Vorstellung von planetaren Systemen immer wieder auf die Probe stellen. Nun ist Astronomen ein besonders seltener Fang gelungen: Ein Planet, der ohne einen Heimatstern durch die Dunkelheit des Alls treibt und dabei eine ähnliche Masse wie der Saturn aufweist.

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Lange Zeit galt in der Astronomie die ungeschriebene Regel, dass Planeten zwangsläufig an einen Stern gebunden sind, um den sie kreisen. Doch moderne Beobachtungsmethoden zeichnen ein anderes Bild. Immer häufiger stoßen Forscher auf sogenannte „Rogue Planets“ oder Einzelgänger-Planeten. Diese Himmelskörper wandern losgelöst von jeglicher stellarer Bindung durch die Galaxie. Wie aktuelle Berichte aus der Welt der Wissenschaft und Forschung zeigen, ist die jüngste Entdeckung jedoch besonders bemerkenswert. Es handelt sich nicht um einen gigantischen Gasriesen von der mehrfachen Masse des Jupiters, was häufiger vorkommt, sondern um einen Himmelskörper, der in seiner Masse dem Saturn ähnelt. Diese Zwischengröße ist extrem schwer aufzuspüren und liefert entscheidende Daten für das Verständnis der Planetenentstehung.

Die Kunst, das Unsichtbare zu sehen

Die Entdeckung eines solchen Objekts gleicht der Suche nach einer schwarzen Katze in einem dunklen Raum – mit dem Unterschied, dass die Katze tausende Lichtjahre entfernt ist. Da diese vagabundierenden Planeten kein Licht eines Muttersterns reflektieren und selbst kaum Wärme abstrahlen, bleiben sie für herkömmliche Teleskope praktisch unsichtbar. Um sie dennoch aufzuspüren, nutzen Astronomen eine Technik, die auf Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie basiert: das Gravitations-Mikrolensing (Microlensing).

Bei diesem Verfahren dient der dunkle Planet als eine Art Linse. Zieht er präzise vor einem weit entfernten Hintergrundstern vorbei, krümmt seine Schwerkraft das Licht dieses Sterns. Für den Beobachter auf der Erde erscheint der Hintergrundstern für kurze Zeit heller. Die Dauer und Intensität dieses Aufleuchtens verraten den Wissenschaftlern Details über die Masse des unsichtbaren Objekts. Im aktuellen Fall deutet die Lichtkurve eindeutig auf einen Körper hin, dessen Masse mit der des Saturns vergleichbar ist. Solche Ereignisse sind extrem selten und erfordern die Überwachung von Millionen von Sternen über lange Zeiträume hinweg.

Ausgestoßen aus der kosmischen Heimat

Die Existenz solcher Einzelgänger wirft fundamentale Fragen zur Dynamik von Planetensystemen auf. Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Planeten nicht isoliert im leeren Raum entstanden sind. Vielmehr ist es wahrscheinlich, dass sie in jungen, chaotischen Sonnensystemen geformt wurden. In der Frühphase der Planetenbildung kommt es häufig zu gravitativen Wechselwirkungen zwischen den entstehenden Protoplaneten.

Wenn sich zwei massive Körper zu nahe kommen, kann einer von ihnen durch den sogenannten „Schleuder-Effekt“ aus dem System katapultiert werden. Der jetzt entdeckte saturngroße Planet ist vermutlich ein Opfer dieses kosmischen Billards. Seine Entdeckung stützt die Theorie, dass der interstellare Raum viel bevölkerter sein könnte, als bisher angenommen. Statistische Hochrechnungen legen nahe, dass es in unserer Milchstraße Milliarden solcher heimatlosen Wanderer geben könnte – möglicherweise sogar mehr als Sterne. Die Identifizierung eines Körpers mittlerer Masse ist ein Indiz dafür, dass nicht nur die ganz großen Gasriesen, sondern auch kleinere, vielleicht sogar erdähnliche Welten aus ihren Systemen geworfen werden.

Informationen basieren auf Berichten von Der Standard

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