Die kältere Jahreszeit bringt verlässlich eine Zunahme von Atemwegserkrankungen mit sich, doch in diesem Jahr mahnen Experten frühzeitig zur Vorsicht. Wir bei das-unternehmer-wissen.de beobachten die gesundheitspolitische Lage genau, da Krankheitswellen auch erhebliche Auswirkungen auf die Arbeitswelt und die Betreuungssituation in Familien haben. Aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) lassen aufhorchen: Die befürchtete RSV-Welle hat begonnen und bedroht insbesondere vulnerable Gruppen.
Steigende Fallzahlen markieren Beginn der Welle
Das RKI verzeichnet einen deutlichen Anstieg akuter Atemwegserkrankungen in der Bevölkerung. Zwar dominieren momentan noch Rhinoviren das Infektionsgeschehen, doch die Zahl der nachgewiesenen RSV-Fälle (Respiratorisches Synzytial-Virus) nimmt signifikant zu. Wie t-online unter Berufung auf die neuesten RKI-Daten berichtet, sind damit die Kriterien für den Beginn einer RSV-Welle erfüllt. Diese Entwicklung kommt nicht unerwartet, trifft das Gesundheitssystem jedoch in einer ohnehin angespannten Phase.
Höchstes Risiko für Säuglinge und Ältere
Für die meisten gesunden Erwachsenen verläuft eine RSV-Infektion wie eine heftige Erkältung mit Husten, Schnupfen und Halsschmerzen. Dramatisch kann der Verlauf jedoch für die schwächsten Glieder der Gesellschaft werden. Bei Säuglingen, insbesondere Frühgeborenen, kann das Virus schnell von den oberen auf die unteren Atemwege übergreifen. Dies führt oft zu einer Bronchiolitis, einer Entzündung der kleinsten bronchiolen Verzweigungen, oder einer Lungenentzündung, die eine intensivmedizinische Behandlung im Krankenhaus notwendig macht.
Ebenso gefährdet sind Senioren. Mit zunehmendem Alter lässt die Immunabwehr nach, was die Anfälligkeit für schwere Verläufe erhöht, die eine Hospitalisierung erfordern können.
Versorgungsengpässe bei neuer Prophylaxe drohen
Um die besonders gefährdeten Neugeborenen zu schützen, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) erstmals eine Prophylaxe mit dem Antikörper Nirsevimab (Handelsname Beyfortus). Alle Kinder, die nach dem 1. April 2024 geboren wurden, sollen diese passiv immunisierende Spritze vor ihrer ersten RSV-Saison erhalten.
Doch die Umsetzung dieser wichtigen Präventionsmaßnahme stockt massiv. Es gibt gravierende Lieferengpässe bei dem Wirkstoff, was Eltern und Kinderärzte vor große Herausforderungen stellt und die Sorge vor überlasteten Kinderkliniken in diesem Winter verstärkt. Für Senioren ab 75 Jahren sowie chronisch Kranke ab 60 Jahren steht hingegen eine reguläre RSV-Impfung zur Verfügung, die laut Experten idealerweise zeitgleich mit der Grippeschutzimpfung verabreicht werden sollte. Angesichts der anrollenden Welle ist eine zeitnahe Konsultation des Haus- oder Kinderarztes für Risikogruppen dringend ratsam.