Die Beziehungen zwischen der Ukraine und Polen stehen erneut unter Druck. Auslöser ist die Entscheidung des polnischen Präsidenten Karol Nawrocki, dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj den Orden des Weißen Adlers, die höchste staatliche Auszeichnung Polens, abzuerkennen. Als Reaktion kündigten mehrere ukrainische Politiker an, ihre polnischen Auszeichnungen zurückzugeben. Die Entwicklung sorgt sowohl in Warschau und Kiew als auch in Moskau für Aufmerksamkeit. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu zeit.de.
Budanow und Bodnar wollen ihre Auszeichnungen zurückgeben
Nach der Entscheidung des polnischen Präsidenten erklärte der Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Kyrylo Budanow, dass er keine polnischen Auszeichnungen behalten werde. Nach seinen Worten könne die Aberkennung des Ordens des Weißen Adlers für Selenskyj von Russland propagandistisch gegen beide Länder genutzt werden.
Kurz darauf kündigte auch der ukrainische Botschafter in Polen, Wassyl Bodnar, an, seine polnischen Ehrungen zurückzugeben. Er bezeichnete den Schritt Warschaus als Geste gegen die gesamte ukrainische Nation und nicht nur gegen den ukrainischen Präsidenten.
In Russland wurde die Entscheidung begrüßt. Der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew erklärte, die Aberkennung der Auszeichnung für Selenskyj sei ein richtiger Schritt gewesen.
Warum Selenskyj den Orden des Weißen Adlers verlor
Karol Nawrocki begründete seine Entscheidung mit historischen Fragen. Hintergrund ist die Benennung einer ukrainischen Militäreinheit nach der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA), die Ende Mai durch einen Erlass von Präsident Selenskyj erfolgte.
Die Rolle der UPA bleibt in Polen ein äußerst sensibles Thema. Die polnische Seite verweist auf die Ereignisse in Wolhynien zwischen 1943 und 1945, bei denen Zehntausende ethnische Polen getötet wurden. In Polen werden diese Ereignisse offiziell als Völkermord eingestuft.
In der Ukraine hingegen gelten die UPA und die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) für viele als Teil des Kampfes um die Unabhängigkeit des Landes von der Sowjetunion. Die unterschiedliche Bewertung dieser historischen Ereignisse sorgt seit Jahren für Spannungen zwischen beiden Staaten.
Tusk ruft zur Deeskalation auf
Polens Ministerpräsident Donald Tusk forderte beide Seiten auf, eine weitere Eskalation zu vermeiden. Historische Streitfragen dürften die strategische Partnerschaft zwischen Polen und der Ukraine nicht gefährden, erklärte er.
Nach Ansicht Tusks profitiert vor allem Russland von dem Konflikt. Zudem könne die Auseinandersetzung bei den Verbündeten beider Länder Besorgnis auslösen. Der Regierungschef appellierte daher an Warschau und Kiew, die Spannungen zu reduzieren und den Dialog fortzusetzen.
Polen bleibt ein wichtiger Verbündeter der Ukraine
Trotz des aktuellen Streits gehört Polen weiterhin zu den wichtigsten Unterstützern der Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland. Seit Beginn der russischen Invasion hat Warschau umfangreiche militärische, humanitäre und politische Hilfe geleistet.
Darüber hinaus hat Polen Hunderttausende ukrainische Flüchtlinge aufgenommen und unterstützt die Ukraine weiterhin auf internationaler Ebene. Historische Konflikte bleiben jedoch ein Thema, das die Beziehungen zwischen beiden Nachbarstaaten regelmäßig belastet.
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