Das Kreuzfahrtschiff Scarlet Lady der Reederei Virgin Voyages, das eine spezielle Reise für die LGBTQ-Community durchführt, durfte den Hafen von Alexandria nicht anlaufen. Zuvor waren bereits geplante Stopps in der Türkei gestrichen worden. Ägypten sollte als Ausweichziel dienen, doch die Genehmigung zur Einfahrt wurde unmittelbar vor der Ankunft widerrufen. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu washingtonpost.
Über die Entscheidung der ägyptischen Seite informierte Rich Campbell, Geschäftsführer des US-amerikanischen Reiseveranstalters Atlantis Events. Das Unternehmen hatte das Schiff für eine zehntägige Mittelmeerkreuzfahrt gechartert. An Bord befanden sich fast 2.000 Passagiere.
Campbell bezeichnete den Vorfall als beispiellos und erklärte, sein Unternehmen habe bislang keine offizielle Begründung für die Ablehnung erhalten. Vertreter der ägyptischen Regierung und der lokalen Tourismusbranche äußerten sich zunächst nicht öffentlich.
Genehmigung für Alexandria kurzfristig zurückgezogen
Nach Angaben von Rich Campbell hatte die Scarlet Lady im Vorfeld eine Genehmigung zum Anlegen in Alexandria erhalten. Der Veranstalter hatte zudem ein Ausflugsprogramm mit örtlichen Partnern abgestimmt und rund 1.200 Touren an die Passagiere verkauft.
Geplant waren unter anderem Ausflüge nach Kairo sowie Besuche im Ägyptischen Museum. Lokale Reiseunternehmen, Transportunternehmen und weitere Dienstleister seien nach Angaben des Atlantis-Chefs auf die Ankunft der Gäste vorbereitet gewesen.
Beim Herannahen an die ägyptischen Gewässer erhielt das Schiff jedoch keine Erlaubnis, seine Fahrt in Richtung Hafen fortzusetzen.
„Unser Antrag wurde bei der Annäherung nicht angenommen, und dem Schiff wurde die Einfahrt in den Hafen verweigert“, erklärte Campbell gegen 03.30 Uhr Ortszeit.
Daten des Schiffsverfolgungsdienstes CruiseMapper zeigten, dass die Scarlet Lady zunächst Kurs auf Alexandria nahm, anschließend jedoch wendete und ins offene Mittelmeer zurückkehrte.
Der Veranstalter verwies darauf, dass gecharterte Schiffe von Atlantis Events Alexandria in den vergangenen zwei Jahren bereits zweimal ohne vergleichbare Probleme angelaufen hätten. Das Verbot sei sowohl für das Kreuzfahrtunternehmen als auch für die ägyptischen Partner unerwartet gekommen.
Passagiere mitten in der Nacht informiert
Die Passagiere wurden mitten in der Nacht über die Änderung des Reiseplans informiert. In einer Mitteilung an Bord hieß es, dem Schiff sei die Einfahrt in ägyptische Gewässer verweigert worden und der geplante Stopp in Alexandria könne nicht stattfinden.
Die Kreuzfahrtgesellschaft teilte mit, dass nach einem alternativen Hafen gesucht werde. Später bestätigte Virgin Voyages, dass Kotor in Montenegro als Ersatzstopp in die Route aufgenommen werde.
Das Unternehmen erklärte, man sei äußerst enttäuscht über die Entscheidung der ägyptischen Behörden, da das Verbot erst wenige Stunden vor der geplanten Ankunft bekannt geworden sei.
Virgin Voyages wies zudem darauf hin, dass das Schiff im Vorjahr eine ähnliche Route ohne Zwischenfälle absolviert und Ägypten besucht habe.
„Wir werden weiterhin alles daransetzen, unseren Gästen und der Crew ein unvergessliches Reiseerlebnis zu bieten“, erklärte die Reederei.
Alexandria ersetzte zuvor gestrichene Häfen in der Türkei
Alexandria war erst in das Reiseprogramm aufgenommen worden, nachdem türkische Behörden die geplanten Stopps der Scarlet Lady in Istanbul und Kuşadası abgesagt hatten. Das Schiff sollte insgesamt drei Tage in türkischen Häfen verbringen.
Am 28. Juni veröffentlichte die Verwaltung der Provinz Kuşadası eine Mitteilung über die Absage des Besuchs des gecharterten Kreuzfahrtschiffs, das am 7. Juli erwartet worden war.
Darin hieß es, die an Bord befindlichen Gruppen seien für ein Verhalten bekannt, das „mit der gesellschaftlichen Struktur und den moralischen Werten“ nicht vereinbar sei. Diese Formulierung stammte aus der englischen Übersetzung der offiziellen Erklärung.
Weitere ausführliche Begründungen legten die türkischen Behörden nicht vor. Nach der Änderung der Route nahmen die Veranstalter Alexandria in das Programm auf, um zumindest einen Teil des geplanten Ausflugsangebots in der Region zu erhalten.
Die Scarlet Lady legte am Sonntag in Athen ab. Die Kreuzfahrt dauert zehn Tage und umfasst Stopps in Griechenland und Kroatien. Die Reise soll in Italien enden.
Patti LuPone kritisiert Entscheidung der türkischen Behörden
An Bord der Scarlet Lady sollte auch die US-amerikanische Schauspielerin und Broadway-Darstellerin Patti LuPone auftreten. Nach der Absage der Hafenstopps in der Türkei kritisierte sie die Entscheidung der Behörden öffentlich.
In einem Beitrag auf Facebook erklärte die Künstlerin, dem Schiff sei wegen der Zusammensetzung der Passagiere die Einreise verweigert worden.
LuPone bezeichnete die Scarlet Lady als großartiges Schiff und betonte, dass die Reisenden an Bord eine bessere Behandlung verdient hätten.
Ihr Auftritt blieb weiterhin Teil des Unterhaltungsprogramms von Atlantis Events.
Atlantis Events plante die Reise mehr als ein Jahr lang
Rich Campbell erklärte, die Vorbereitung der Kreuzfahrt habe mehr als ein Jahr gedauert. Atlantis Events hat seinen Sitz in Los Angeles und ist auf die Charter großer Passagierschiffe für Reisen spezialisiert, die sich an ein LGBTQ+-Publikum richten.
In mehr als 20 Jahren nahm der Veranstalter türkische Häfen über ein Dutzend Mal in seine Routen auf. Auch im vergangenen Jahr organisierte das Unternehmen vergleichbare Reisen in die Türkei.
Nach Angaben Campbells verliefen frühere Besuche ohne Konflikte und waren von einer positiven Zusammenarbeit mit lokalen Tourismusunternehmen geprägt.
Er betonte, die Passagiere seien als gewöhnliche Touristen in die jeweiligen Städte gereist, hätten Ausflüge gebucht, Geschäfte besucht und Dienstleistungen örtlicher Unternehmen genutzt.
Der Veranstalter erklärte außerdem, dass die Teilnehmer der Reisen die Regeln der Gastgeberländer stets eingehalten und die örtlichen kulturellen Normen respektiert hätten.
Nach der Absage durch Ägypten wurde die Route erneut geändert. Statt Alexandria steuerte das Schiff den nächsten bestätigten Hafen in Kotor, Montenegro, an. Eine offizielle Begründung für die Streichung des ägyptischen Stopps lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht vor.
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