In der nordirischen Hauptstadt Belfast dauern die schweren Ausschreitungen an, die nach einem aufsehenerregenden Messerangriff ausgebrochen sind. Im Zuge der Unruhen wurden Wohnhäuser, Fahrzeuge und öffentliche Verkehrsmittel in Brand gesetzt. Politiker sprechen von rassistisch motivierter Gewalt gegen Ausländer. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu faz.
Nach Angaben der Belfaster Abgeordneten Claire Hanna zogen Gruppen von Männern durch verschiedene Stadtviertel und suchten gezielt nach Menschen mit Migrationshintergrund. Sie erklärte, dass bei den Angriffen offenbar allein die Hautfarbe der Betroffenen ausschlaggebend gewesen sei.
Auslöser der Eskalation war die Verbreitung eines Videos in sozialen Netzwerken, das einen brutalen Messerangriff zeigt. Darauf ist zu sehen, wie ein Mann auf eine am Boden liegende Person einsticht. Augenzeugen griffen ein und versuchten, den Täter zu stoppen. Das Opfer wurde mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert.
Die Polizei teilte mit, dass es sich bei dem Verdächtigen um einen sudanesischen Staatsbürger handelt, der in Nordirland lebt und einen rechtmäßigen Flüchtlingsstatus besitzt. Gegen ihn wurde Anklage wegen versuchten Mordes erhoben. Das Gerichtsverfahren begann am 10. Juni.
Feuerwehr verzeichnet mehr als 60 Einsätze in einer Nacht
Der nordirische Feuerwehr- und Rettungsdienst erklärte, innerhalb einer Nacht insgesamt 256 Notrufe erhalten zu haben. Einsatzkräfte reagierten auf 62 Vorfälle, die überwiegend im Raum Belfast registriert wurden.
Die Polizei rief die Bevölkerung zur Besonnenheit auf und sprach von mehreren örtlich begrenzten Ausbrüchen von Gewalt. Nordirland-Minister Hilary Benn verurteilte die Ausschreitungen scharf und betonte, dass Zerstörung und Vandalismus nicht zu rechtfertigen seien.
Die ersten Unruhen begannen im Osten Belfasts, wo Demonstranten Müllcontainer und einen Linienbus in Brand setzten. Später griff die Gewalt auf den Norden der Stadt über, wo mehrere Wohnhäuser an der Crumlin Road angezündet wurden.
Ein Geistlicher, der Zeuge eines Brandanschlags wurde, berichtete, dass Menschen allein wegen ihrer Herkunft und ihres Aussehens aus ihren Häusern vertrieben worden seien.
Ausschreitungen breiten sich auf weitere Orte aus
Neben Belfast wurden auch in anderen Teilen Nordirlands Vorfälle gemeldet. In Newtownabbey gingen mehrere Fahrzeuge in Flammen auf, in Portadown wurde ein Polizeiwagen angezündet, und in Ballyclare wurde ein türkischer Friseursalon Ziel eines Brandanschlags.
Gleichzeitig fanden in mehreren Städten Nordirlands sowie in Schottland friedliche Demonstrationen statt, bei denen keine gewaltsamen Zwischenfälle registriert wurden.
Region erlebte bereits vor einem Jahr ähnliche Gewaltwelle
Ähnliche Unruhen erschütterten Nordirland bereits vor einem Jahr. Damals waren Vorwürfe gegen zwei rumänische Jugendliche wegen eines versuchten Sexualdelikts Auslöser der Ausschreitungen in Ballymena.
Die Krawalle dauerten mehrere Nächte an und richteten sich sowohl gegen ethnische Minderheiten als auch gegen Polizeikräfte. Damals wurden 107 Beamte verletzt, zahlreiche Gebäude beschädigt und mehrere Polizeifahrzeuge in Brand gesetzt. Die Gewalt breitete sich auch auf andere Städte aus, darunter die Hafenstadt Larne.
Messerangriff entfacht erneut Debatte über Migrationspolitik
Der aktuelle Vorfall hat eine politische Diskussion über die Auswirkungen der offenen Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland auf die Migration ausgelöst.
Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, ob die bestehende Freizügigkeit zwischen beiden Teilen der Insel die Einreise des Flüchtlings nach Großbritannien erleichtert haben könnte. London und Dublin werfen sich seit Jahren gegenseitig vor, dass irreguläre Migranten die gemeinsame Reisezone nutzen, um unbemerkt die Grenze zu überqueren.
Die Diskussion findet vor dem Hintergrund anhaltender Spannungen in Nordirland statt. Historische politische und religiöse Konflikte prägen die Region weiterhin und führen immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.
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