Startseite AktuellesComedian Aurel Mertz wirft einer Stuttgarter Privatschule nach fremdenfeindlichen Parolen mangelnde Aufarbeitung von Rassismus vor.

Comedian Aurel Mertz wirft einer Stuttgarter Privatschule nach fremdenfeindlichen Parolen mangelnde Aufarbeitung von Rassismus vor.

von Johanna Richter
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Comedian Aurel Mertz wirft einer Stuttgarter Privatschule nach fremdenfeindlichen Parolen mangelnde Aufarbeitung von Rassismus vor.

Der Comedian, Blogger und Podcaster Aurel Mertz hat die Leitung der privaten Merz Schule in Stuttgart nach einem Vorfall mit fremdenfeindlichen Parolen auf einem Sommerfest scharf kritisiert. Nach Ansicht des ehemaligen Schülers verharmlost die Schulleitung das Ausmaß des Problems und stellt den Vorfall als Einzelfall dar, obwohl vergleichbares Verhalten unter Schülern seiner Darstellung zufolge bereits früher vorgekommen sei. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu tagesschau.

Der Eklat ereignete sich während einer Schulveranstaltung. Eine Gruppe junger Menschen skandierte zur Melodie des Songs L’Amour toujours des italienischen Musikers Gigi D’Agostino die Parole „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“. Das Lied wurde in Deutschland in den vergangenen Jahren wiederholt als musikalische Begleitung für rechtsextreme und fremdenfeindliche Parolen missbraucht.

Schulleiter Frederik Merz bestätigte, dass es zu dem Vorfall gekommen war. Gegenüber dem SWR erklärte er, solche Äußerungen seien mit den Werten der Schule nicht vereinbar und weder auf dem Schulgelände noch bei Veranstaltungen der Schule hinnehmbar.

Blogger berichtet von eigenen Diskriminierungserfahrungen

Die Reaktion des Schulleiters stieß bei Aurel Mertz auf deutliche Kritik. Der Comedian hatte die Schule nach eigenen Angaben früher selbst mit einem Stipendium besucht. In einem Beitrag auf Instagram erklärte er, dass sich die Situation aus seiner Sicht auch nach rund 20 Jahren kaum verändert habe.

Besonders problematisch sei der Versuch, den Vorfall als überraschende Ausnahme innerhalb des Schulalltags darzustellen. Nach Angaben des ehemaligen Schülers habe es bereits während seiner Schulzeit rassistische Anfeindungen und abwertendes Verhalten gegeben.

Mertz beschrieb die Einrichtung als Schule, die vor allem von Kindern aus wohlhabenden Familien besucht werde. Er selbst habe wiederholt diskriminierendes Verhalten anderer Schüler erlebt.

„Alle rassistischen Erfahrungen, die ich als Jugendlicher gemacht habe, standen mit Schülern dieser Schule in Verbindung“, erklärte er. Ziel von Spott und Herabwürdigungen seien unter anderem das Aussehen, die Herkunft, der soziale Status und weitere persönliche Merkmale gewesen.

Der Blogger betonte, die Schule könne Rassismus nicht wirksam bekämpfen, wenn sie sich auf allgemeine Erklärungen zur Unzulässigkeit solcher Parolen beschränke. Die Schulleitung müsse mit den Schülern offen über soziale Ungleichheit, Verantwortung und die Privilegien sprechen, die Kinder aus wohlhabenden Familien besäßen.

Mertz fordert eine systematische Aufarbeitung

Nach Ansicht des früheren Schülers muss die Schulleitung nicht nur auf einzelne Verstöße reagieren, sondern auch langfristig gegen Hassrede und Diskriminierung vorgehen. Er warf der Schule vor, über Jahre hinweg zu wenig unternommen und problematisches Verhalten lediglich beobachtet zu haben.

Die Aussage, rassistische Parolen hätten an der Schule keinen Platz, greife aus seiner Sicht zu kurz. Eine solche Reaktion vereinfache die Lage und blende frühere Diskriminierungsfälle aus, von denen Schüler, ehemalige Schüler und möglicherweise auch Mitarbeiter gewusst hätten.

Nach der Veröffentlichung seines Beitrags meldeten sich auch weitere ehemalige Schüler zu Wort. In den Kommentaren unter dem Instagram-Post schilderten sie nach eigenen Angaben ähnliche Erfahrungen wie Aurel Mertz.

Schulleiter reagiert auf die Vorwürfe

Frederik Merz antwortete direkt in den sozialen Netzwerken auf den Beitrag des ehemaligen Schülers. Die geschilderten Erlebnisse hätten ihn tief getroffen, schrieb der Schulleiter.

Er könne zwar nicht persönlich für sämtliche Ereignisse verantwortlich gemacht werden, die vor vielen Jahren an der Schule stattgefunden hätten. Für die künftige Entwicklung der Einrichtung trage er jedoch sehr wohl Verantwortung. Er hoffe, dass aus der öffentlichen Debatte mehr als bloße Empörung entstehe: mehr gegenseitiger Respekt, mehr Verantwortung und mehr Mut, gemeinsam für eine offene und vielfältige Gesellschaft einzutreten.

Die Schulleitung teilte außerdem mit, dass die Ereignisse auf dem Sommerfest intern untersucht worden seien. Videoaufnahmen wurden ausgewertet, zudem führte die Schule Gespräche mit Schülern, die an den Rufen beteiligt gewesen sein könnten.

Nach Angaben des Schulleiters stoppte der DJ den Song unmittelbar, nachdem er die fremdenfeindliche Parole gehört hatte. Einer der Beteiligten, bei dem es sich um einen ehemaligen Schüler gehandelt haben soll, wurde aufgefordert, die Veranstaltung zu verlassen.

Später sei mit ihm ein gesondertes Gespräch geführt worden. Laut Schulleitung habe der junge Mann eingeräumt, dass sein Verhalten nicht akzeptabel gewesen sei, und sein Bedauern über den Vorfall zum Ausdruck gebracht.

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