Im Pazifik verstärkt sich ein El-Niño-Ereignis, das in der zweiten Jahreshälfte 2026 zu den stärksten seit Beginn der Messungen gehören könnte. US-Klimaforscher rechnen damit, dass das Phänomen mindestens bis zum Frühjahr 2027 anhält. Gleichzeitig sehen Wissenschaftler bislang keine ausreichende Grundlage, um daraus konkrete Wetterprognosen für Deutschland abzuleiten. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu Мorgenpost.
El Niño hat sich gebildet und verstärkt sich weiter
Im Juli 2026 bestätigte die US-Wetter- und Ozeanbehörde NOAA, dass sich im tropischen Pazifik ein El Niño entwickelt hat. Nach der aktuellen Prognose dürfte sich das Ereignis bis zum Jahresende weiter verstärken. Die Wahrscheinlichkeit, dass El Niño bis zum frühen Frühjahr 2027 bestehen bleibt, wird mit 97 Prozent angegeben.
Fachleute halten es zudem für möglich, dass die Oberflächentemperatur des Meeres in der überwachten Pazifikregion um mehr als zwei Grad über dem langjährigen Mittel liegt. Eine solche Abweichung würde einem sehr starken El-Niño-Ereignis entsprechen.
Experimentelle Modelle des Geophysical Fluid Dynamics Laboratory der NOAA zeigen eine weitere Verstärkung im Herbst. Nach einzelnen Berechnungen könnte der Höhepunkt im Spätherbst oder zu Beginn des Winters 2026/2027 erreicht werden. Die Intensität könnte damit an einige der stärksten Ereignisse des vergangenen Jahrhunderts heranreichen.
Was mit „Super-El-Niño“ gemeint ist
„Super-El-Niño“ ist kein offizieller meteorologischer Fachbegriff. In Medien und teilweise auch unter Forschern wird die Bezeichnung informell für besonders starke El-Niño-Phasen verwendet. Dabei liegen die Wassertemperaturen im zentralen und östlichen äquatorialen Pazifik deutlich über dem Normalwert.
Zu den stärksten bekannten Ereignissen zählen die El-Niño-Phasen von 1982/1983, 1997/1998 und 2015/2016. Sie gingen in verschiedenen Teilen der Welt mit veränderten Niederschlagsmustern, Überschwemmungen, Dürren und neuen Temperaturrekorden einher.
Der Deutsche Wetterdienst hatte bereits im Frühjahr 2026 auf Anzeichen für die Entwicklung eines ungewöhnlich starken El Niño hingewiesen. Zugleich betonten die Experten, dass sich die endgültige Intensität erst im weiteren Verlauf zuverlässig einschätzen lässt.
Wie El Niño entsteht
El Niño ist die warme Phase des natürlichen Klimazyklus ENSO. Dieser beschreibt die Wechselwirkung zwischen Ozean und Atmosphäre im äquatorialen Pazifik. Unter normalen Bedingungen treiben die Passatwinde warmes Oberflächenwasser von der Westküste Südamerikas in Richtung Indonesien und Australien.
Während eines El Niño schwächen sich die Passatwinde ab. Das im westlichen Pazifik angesammelte warme Wasser verlagert sich nach Osten. Dadurch steigen die Oberflächentemperaturen im äquatorialen Pazifik.
Diese Entwicklung verändert die Lage von Wolkenfeldern, Niederschlagszonen und Luftdruckgebieten. Die Folgen reichen weit über die unmittelbare Pazifikregion hinaus.
Die entgegengesetzte Phase des Zyklus wird La Niña genannt. Dabei kühlt sich das Oberflächenwasser im zentralen und östlichen tropischen Pazifik deutlich ab, während sich die Passatwinde verstärken.
Welche globalen Folgen möglich sind
El Niño beeinflusst das Wetter vor allem in tropischen und subtropischen Regionen. An der Westküste Südamerikas bringt das Phänomen häufig besonders starke Niederschläge und erhöht das Risiko von Überschwemmungen.
In Australien, Indonesien und Teilen Südostasiens kann El Niño dagegen Dürren, Hitzewellen und Waldbrände begünstigen. Auch Indien, das südliche Afrika sowie Teile Nord- und Südamerikas können betroffen sein.
Das wärmere Oberflächenwasser verändert zudem die Bedingungen für die Entstehung tropischer Wirbelstürme. Im östlichen und zentralen Pazifik kann die Sturmaktivität zunehmen.
Im Atlantik führt El Niño häufig zu einer stärkeren vertikalen Windscherung. Diese kann die Bildung und Verstärkung von Hurrikans erschweren.
Wie stark beeinflusst El Niño das Wetter in Deutschland?
Ein direkter Zusammenhang zwischen El Niño und konkreten Wetterlagen in Deutschland ist bislang nur schwach ausgeprägt. Europa liegt weit von der tropischen Pazifikregion entfernt, in der das Klimaphänomen entsteht.
Das Wetter in Deutschland wird vor allem durch die Prozesse über dem Nordatlantik bestimmt. Dazu gehören die Lage des Jetstreams, die atmosphärische Zirkulation sowie die Verteilung von Hoch- und Tiefdruckgebieten.
Diese Faktoren können mögliche Fernwirkungen des El Niño verstärken, abschwächen oder vollständig überlagern. Deshalb lässt sich aus einem starken El-Niño-Ereignis nicht automatisch auf einen heißen Sommer, einen milden Winter oder bestimmte Niederschlagsmengen in Deutschland schließen.
Der Deutsche Wetterdienst weist darauf hin, dass der ENSO-Zyklus Europa indirekt über ozeanische und atmosphärische Prozesse beeinflussen kann. Eine verlässliche regionale Wetterprognose lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Die Temperatur des Nordatlantiks könnte wichtiger sein
Für das Wetter in Europa dürfte der Zustand des Nordatlantiks eine größere Rolle spielen. Die Oberflächentemperatur des Meeres beeinflusst den Transport von Wärme und Feuchtigkeit, die Zugbahnen von Tiefdruckgebieten und die Entstehung von Hitzewellen.
Eine Kombination aus ungewöhnlich warmem Atlantikwasser, stabilen Hochdruckgebieten und Veränderungen des Jetstreams kann längere Hitzeperioden in Mitteleuropa begünstigen. Daraus folgt jedoch nicht zwangsläufig, dass Deutschland von einer außergewöhnlich starken Hitzewelle betroffen sein wird.
Genauere saisonale Prognosen hängen davon ab, wie sich die Meerestemperaturen und die atmosphärische Zirkulation in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 entwickeln.
El Niño könnte Deutschland wirtschaftlich treffen
Auch ohne einen klaren direkten Einfluss auf das Wetter in Deutschland kann ein starker El Niño wirtschaftliche Folgen haben. Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfälle in anderen Weltregionen können das Angebot wichtiger Agrarprodukte verringern.
Betroffen sein könnten unter anderem Kaffee, Kakao, Soja, Reis, Palmöl und weitere Rohstoffe. Schäden an Häfen, Straßen oder Produktionsanlagen können zudem internationale Lieferketten belasten.
Für Deutschland gelten solche indirekten wirtschaftlichen Auswirkungen als wahrscheinlicher als eindeutig messbare Veränderungen bei Temperatur oder Niederschlag.
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