Es gibt Tage im Sport, an denen Logik und physikalische Gesetze scheinbar nur für die Konkurrenz gelten, nicht aber für den Sieger. Das legendäre Lauberhornrennen in Wengen lieferte heute genau einen solchen Moment. Wir von der Redaktion das-unternehmer-wissen.de haben das Rennen analysiert, das eigentlich ein Hundertstel-Krimi hätte werden müssen, aber zu einer One-Man-Show des Schweizers Marco Odermatt wurde.
Vom Marathon zum Sprint: Lauberhorn drastisch verkürzt
Die Vorzeichen für den Klassiker am Lauberhorn standen zunächst schlecht. Sturmböen im oberen Streckenteil zwangen die Veranstalter zu einer radikalen Maßnahme: Der Start wurde drastisch nach unten verlegt, direkt zum berühmten Hundschopf. Damit fiel nicht nur der ikonische Haneggschuss weg, sondern die längste Abfahrt der Welt wurde zu einem intensiven Sprint von kaum mehr als anderthalb Minuten zusammengestaucht.
Normalerweise führen solche verkürzten Strecken zu extrem engen Zeitabständen. Wenn fast 50 Sekunden Fahrzeit fehlen, rückt das Feld üblicherweise eng zusammen, und oft entscheiden wenige Hundertstel über Sieg oder Niederlage. Doch Marco Odermatt hielt sich nicht an dieses Drehbuch.
Odermatt „verzwergt“ die Konkurrenz
Was der Schweizer Ausnahmekönner auf die Piste zauberte, war nichts weniger als eine Demütigung für die Rivalen. Wie n-tv treffend beschreibt, „verzwergte“ Odermatt seine Gegenspieler förmlich. Im Ziel leuchtete ein Vorsprung auf, der auf einer derart kurzen Strecke fast surreal wirkte: Sagenhafte 0,79 Sekunden nahm er dem zweitplatzierten Österreicher Vincent Kriechmayr ab.
Zum Vergleich: In der Welt des alpinen Skisports ist dies auf einer Sprintstrecke eine Ewigkeit. Der drittplatzierte Überraschungsmann Giovanni Franzoni aus Italien lag bereits 0,90 Sekunden zurück – Welten im modernen Hochleistungssport.
Die Schlüsselstelle: Zauberei im Kernen-S
Der Schlüssel zu diesem Triumph lag in der technischen Perfektion. Während die Konkurrenz auf der verkürzten Strecke Mühe hatte, den Rhythmus zu finden, meisterte Odermatt die entscheidenden Passagen wie auf Schienen. Besonders im technisch anspruchsvollen Kernen-S zeigte der Nidwaldner seine Extraklasse. Er nahm so viel Geschwindigkeit aus der Kurve mit, dass er im folgenden Gleitstück uneinholbar davonzog.
Dieser Sieg untermauert Odermatts Status als derzeit komplettester Skifahrer der Welt. Unabhängig von den äußeren Bedingungen – ob eisige Kälte, schwierige Sicht oder eben eine radikal verkürzte Sprint-Abfahrt – findet er Lösungen, wo andere an ihre Grenzen stoßen. Für die Konkurrenz ist dies eine beängstigende Nachricht im Hinblick auf die kommenden Highlights der Saison, insbesondere die Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel. Odermatt hat in Wengen nicht nur gewonnen, er hat ein Exempel statuiert.