Die Bundesnetzagentur arbeitet an einem besonderen Mechanismus für den Fall eines länger andauernden Strommangels. Dabei handelt es sich um die Plattform zur Sicherheit der Stromversorgung SiPlaS, die seit 2024 entwickelt wird. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu Вild.
Das Projekt ist für außergewöhnliche Situationen vorgesehen, in denen die verfügbaren Stromkapazitäten über mehrere Tage oder sogar Wochen nicht ausreichen könnten. In einem solchen Fall soll der Staat große Verbraucher schnell identifizieren und eine koordinierte Senkung ihres Stromverbrauchs organisieren können.
Bekannt wurden die Pläne durch Recherchen von Apollo News und WELT. Aus Unterlagen zum Projekt geht hervor, dass eine breite Veröffentlichung zunächst nicht vorgesehen war, um mögliche Verunsicherung in der Bevölkerung und in der Wirtschaft zu vermeiden.
Große Stromverbraucher sollen registriert werden
Auf der Plattform sollen Unternehmen erfasst werden, deren jährlicher Stromverbrauch mindestens acht Gigawattstunden beträgt. Betroffen wären vor allem große Betriebe aus der Chemie-, Metall-, Maschinenbau- und Lebensmittelindustrie.
Für die technische Entwicklung des Systems ist Amprion zuständig, einer der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber.
Die Plattform ist nicht für lokale Stromausfälle gedacht, die beispielsweise durch einen Kabelbrand, einen beschädigten Stromanschluss oder Bauarbeiten verursacht werden. Sie soll bei einem systemweiten Versorgungsengpass eingesetzt werden, wenn die vorhandene Stromerzeugung nicht ausreicht, um alle Verbraucher gleichzeitig zu versorgen.
In einer solchen Krisensituation sollen die Behörden aktuelle Daten darüber erhalten, wie viel Strom einzelne Unternehmen verbrauchen, welche Produktionsprozesse vorübergehend gedrosselt werden können und wo Einsparungen möglich sind, ohne die kritische Infrastruktur zu gefährden.
Vorrangig mit Strom versorgt werden sollen weiterhin Krankenhäuser, private Haushalte, Rettungsdienste, Kommunikationssysteme und andere Einrichtungen, die für das Funktionieren des öffentlichen Lebens besonders wichtig sind.
Unternehmen könnten zum Stromsparen verpflichtet werden
Nach dem Start von SiPlaS sollen große Unternehmen im Voraus Informationen über ihren Energieverbrauch, ihre Produktionsabläufe und die möglichen Folgen einer vorübergehenden Leistungsreduzierung übermitteln.
Bei einem Strommangel könnten die Behörden anschließend festlegen, welche Betriebe ihren Verbrauch ohne kritische Folgen senken können. Entsprechende Anordnungen könnten etwa 24 Stunden oder mehrere Tage vor einer geplanten Einschränkung verschickt werden.
Dieses Verfahren soll unkontrollierte Abschaltungen verhindern und die verfügbaren Strommengen gezielter verteilen. Statt ganze Regionen gleichzeitig vom Netz zu nehmen, könnte die Belastung durch punktuelle Einschränkungen bei besonders großen Verbrauchern reduziert werden.
Die Bundesnetzagentur betont, dass es derzeit keinen Strommangel in Deutschland gebe. Die Versorgung sei stabil und zuverlässig.
Deutschlands Stromversorgung gilt weiterhin als zuverlässig
Nach offiziellen Angaben lag die durchschnittliche Unterbrechungsdauer je Stromverbraucher im Jahr 2024 bei 11,7 Minuten. Dieser Wert zeigt, dass das deutsche Stromnetz im internationalen Vergleich weiterhin zu den zuverlässigsten gehört.
Gleichzeitig warnen Netzbetreiber davor, dass Deutschland in den kommenden Jahren zusätzliche steuerbare Kraftwerkskapazitäten benötigen wird. Diese Anlagen sollen Strom liefern können, wenn Windkraft- und Solaranlagen wegen ungünstiger Wetterbedingungen zu wenig Energie erzeugen.
Nach Berechnungen von Amprion könnten bis 2035 fast 40 Gigawatt zusätzliche gesicherte Leistung notwendig sein. Verbindlich geplant seien derzeit jedoch lediglich rund 12,5 Gigawatt.
Die Frage ausreichender Reservekapazitäten gewinnt durch den Umbau des Energiesektors, die Abschaltung konventioneller Kraftwerke und den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien zunehmend an Bedeutung.
Regionale Stromausfälle zeigen mögliche Folgen
Welche Auswirkungen ein großflächiger Stromausfall haben kann, zeigte sich bereits bei regionalen Störungen. Zu Beginn des Jahres waren im Südwesten Berlins nach der Beschädigung einer wichtigen Energieanlage rund 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen ohne Strom.
Die Einschränkungen dauerten mehrere Tage. In einigen Gebieten fielen gleichzeitig die Heizung, das Mobilfunknetz, das Internet und zahlreiche elektrische Geräte aus.
Obwohl dieser Vorfall nicht durch einen allgemeinen Mangel an Stromerzeugung verursacht wurde, zeigte er deutlich, wie abhängig die städtische Infrastruktur von einer stabilen Energieversorgung ist.
Für vergleichbare, aber deutlich größere Krisenszenarien entwickelt die Bundesnetzagentur nun einen zentralen Mechanismus zur Steuerung großer Stromverbraucher. Die Plattform soll den Behörden ermöglichen, schneller Entscheidungen zu treffen und die Versorgung besonders wichtiger Einrichtungen aufrechtzuerhalten.
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