Startseite WirtschaftZwei deutsche Traditionsbrauereien melden Insolvenz an. Westheimer und Allersheimer bleiben vorerst erhältlich, knapp 70 Arbeitsplätze sind betroffen.

Zwei deutsche Traditionsbrauereien melden Insolvenz an. Westheimer und Allersheimer bleiben vorerst erhältlich, knapp 70 Arbeitsplätze sind betroffen.

von Johanna Richter
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Zwei deutsche Traditionsbrauereien melden Insolvenz an. Westheimer und Allersheimer bleiben vorerst erhältlich, knapp 70 Arbeitsplätze sind betroffen.

In Deutschland haben zwei traditionsreiche Brauereien mit einer Geschichte von jeweils mehr als 160 Jahren Insolvenz angemeldet. Betroffen sind die Gräflich zu Stolberg’sche Brauerei Westheim in Nordrhein-Westfalen und die Brauerei Allersheim bei Holzminden. Zum Markenportfolio gehören Westheimer, Arolser, Allersheimer und Caluna sowie die alkoholfreien Getränke limoNAHde und Nah2O. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu Вild.

Das Amtsgericht Bielefeld ordnete für beide Unternehmen ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an. Trotz der finanziellen Schwierigkeiten wird der Betrieb zunächst fortgeführt. Produktion, Abfüllung und Auslieferung an den Handel sowie an Gastronomiebetriebe laufen weiter.

So viele Arbeitsplätze sind betroffen

Die Brauerei in Westheim wurde 1862 gegründet. Das Unternehmen befindet sich bis heute in Familienbesitz und zählt zu den wichtigen Arbeitgebern der Region. Rund 60 Menschen sind dort beschäftigt.

Die Brauerei Allersheim blickt auf eine noch längere Geschichte zurück. Sie wurde bereits 1854 gegründet. Dort sind acht Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt betrifft das Insolvenzverfahren damit knapp 70 Arbeitsplätze.

Anfang 2024 hatten beide Brauereien ihre operativen Strukturen zusammengelegt. Seitdem wird am historischen Standort in Allersheim nicht mehr gebraut. Das Bier der Marke Allersheimer wird seither ebenfalls in Westheim produziert und abgefüllt.

Warum die Brauereien in die Krise geraten sind

Die Unternehmen begründen ihre finanziellen Probleme mit der schwierigen Lage auf dem deutschen Biermarkt. Der Bierkonsum geht seit Jahren zurück, während die Kosten für die Hersteller weiter steigen.

Besonders belastend sind höhere Ausgaben für Energie, Rohstoffe, Flaschen und andere Verpackungen. Hinzu kommen steigende Kosten für Logistik, Personal und den Betrieb der Produktionsanlagen.

Nach Angaben des Unternehmens wurden bereits Sparmaßnahmen umgesetzt und interne Abläufe optimiert. Dennoch reichten diese Schritte nicht aus, um die wirtschaftliche Lage dauerhaft zu stabilisieren.

Was eine Insolvenz in Eigenverwaltung bedeutet

Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt die bisherige Geschäftsführung im Amt. Statt eines klassischen Insolvenzverwalters überwacht ein vom Gericht bestellter Sachwalter den Sanierungsprozess und achtet auf die Interessen der Gläubiger.

Das Ziel des Verfahrens ist nicht die Schließung der Betriebe, sondern ihre wirtschaftliche Sanierung. Die Geschäftsführung muss einen Restrukturierungsplan erarbeiten, die finanzielle Belastung reduzieren und den Fortbestand der Produktion sichern.

Der geschäftsführende Gesellschafter der Gräflich zu Stolberg’schen Brauerei, Moritz von Twickel, bezeichnete die Eigenverwaltung als Beginn einer umfassenden Neuausrichtung. Als Familienunternehmen denke man nicht in Quartalen, sondern in Generationen.

Diese Veränderungen sind geplant

Im Rahmen der Restrukturierung wurden vier zentrale Ziele festgelegt. Die Wettbewerbsfähigkeit soll verbessert, die Produktion modernisiert, das Sortiment erweitert und die finanzielle Basis der Unternehmen gestärkt werden.

Geplant sind außerdem Investitionen in modernere Anlagen und effizientere Produktionsverfahren. Konkrete Investitionssummen und Zeitpläne wurden bislang nicht veröffentlicht.

Die Belieferung von Supermärkten, Restaurants und Gaststätten läuft derzeit ohne Einschränkungen weiter. Die Marken Westheimer, Arolser, Allersheimer und Caluna bleiben vorerst im Verkauf.

Erst vor wenigen Monaten erhielt die Brauerei eine Auszeichnung

Die finanziellen Schwierigkeiten treten nur kurze Zeit nach einer weiteren Auszeichnung für die Brauerei in Westheim auf. Im Mai 2026 wurde das Unternehmen von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft bereits zum 27. Mal mit dem Preis für langjährige Produktqualität ausgezeichnet.

Wie es mit den beiden Traditionsbetrieben weitergeht, hängt nun vom Verlauf der Restrukturierung, den Verhandlungen mit den Gläubigern und der Fähigkeit der Unternehmen ab, ihre Kosten zu senken, ohne die Produktion einzustellen.

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