Der Hersteller der bekannten Rolly-Toys-Trettraktoren schließt endgültig seinen Standort in Neustadt bei Coburg. Die Franz Schneider GmbH & Co. KG konnte nach Beginn des Insolvenzverfahrens weder einen Investor finden noch die geplante Sanierung erfolgreich abschließen. Das Werk stellt seinen Betrieb am 31. Dezember 2026 ein. Mehr als 110 Beschäftigte sind von der Schließung betroffen. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu fr.de.
Die Marke Rolly Toys dürfte allerdings bestehen bleiben. Mehrere Interessenten prüfen derzeit, ob die Produktion der Spielwaren an einem anderen Standort fortgesetzt werden kann.
Das Rolly-Toys-Werk schließt am 31. Dezember 2026
Die Franz Schneider GmbH & Co. KG hat das endgültige Aus für die Produktion in Neustadt bei Coburg bestätigt. Der Betrieb soll am letzten Tag des Jahres 2026 eingestellt werden.
In dem Werk werden Trettraktoren, Kinderfahrzeuge, Go-Karts, Schlitten und weitere Spielwaren unter der Marke Rolly Toys hergestellt. Die Produkte des Unternehmens wurden jahrzehntelang in Deutschland und im Ausland verkauft. Vor allem die Trettraktoren gehören zu den bekanntesten Erzeugnissen des Herstellers.
Mit der Schließung verlieren mehr als 110 Menschen ihren Arbeitsplatz. Die Unternehmensleitung hat die Belegschaft bereits über die Entscheidung informiert.
Das Unternehmen hatte zuvor versucht, die Produktion im Rahmen eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung zu retten. Bei diesem Verfahren bleibt die bisherige Geschäftsführung unter der Aufsicht von Sanierungsexperten und des zuständigen Gerichts im Amt.
Mehrere Monate lang suchten Vertreter von Franz Schneider, Restrukturierungsberater und potenzielle Investoren nach einer Lösung. Ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept zum Erhalt des Standorts in Neustadt konnte jedoch nicht gefunden werden.
Trettraktoren wurden dort rund 60 Jahre lang produziert
Das Unternehmen Franz Schneider wurde 1938 gegründet. Die Produktion von Trettraktoren am Standort Neustadt bei Coburg begann im Jahr 1966.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das Werk zu einem bedeutenden Hersteller von Kinderfahrzeugen. Die Produktions- und Lagerflächen umfassen rund 36.000 Quadratmeter.
Pro Jahr fertigte das Unternehmen etwa 250.000 Produkte. Zum Sortiment gehörten Trettraktoren, Anhänger, Bagger, Lader, Go-Karts, Schlitten und weitere Kinderfahrzeuge.
Ein großer Teil der Spielwaren wurde in Deutschland hergestellt. Das Unternehmen nutzte diesen Umstand als wichtiges Verkaufsargument und warb mit der deutschen Herkunft sowie der Qualität seiner Produkte.
Franz Schneider blieb über Jahrzehnte hinweg ein Familienunternehmen. Bis zum Beginn der finanziellen Schwierigkeiten wurde der Betrieb von Eigentümer Frank Schneider geführt.
Mit der Schließung endet die Produktion von Rolly Toys in Neustadt rund 60 Jahre nach dem Bau der ersten Trettraktoren.
Für das Unternehmen wurde kein Investor gefunden
Nach Angaben von Frank Schneider ist der Produktionsstandort in Neustadt nicht mehr zu retten. Die Gespräche mit potenziellen Käufern und Investoren hätten zu keiner Einigung geführt.
Die Interessenten prüften die finanzielle Lage des Unternehmens, den Zustand der Produktionsanlagen und die Zukunftsaussichten des Geschäfts. Die hohen laufenden Kosten am Standort Deutschland machten eine Übernahme jedoch unattraktiv.
Die Sanierung sollte durch Kostensenkungen, frisches Kapital und eine Stabilisierung der Verkaufszahlen ermöglicht werden. Um den Betrieb fortführen zu können, benötigte das Unternehmen einen Investor, der sowohl die Produktion als auch die Kosten der Übergangsphase finanziert.
Trotz der Verhandlungen ging kein geeignetes Angebot ein. Die Geschäftsleitung und die Insolvenzverantwortlichen kamen deshalb zu dem Ergebnis, dass die Produktion beendet werden muss.
Die Entscheidung über die Schließung gilt als endgültig. Bis zum Jahresende soll das Unternehmen noch bestehende Aufträge erfüllen. Anschließend wird der Betrieb eingestellt.
Warum der Hersteller Rolly Toys in die Krise geriet
Die finanziellen Probleme von Franz Schneider sind auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Als eine der wichtigsten Ursachen nannte das Unternehmen die stark gestiegenen Energiekosten.
Die Herstellung von Kinderfahrzeugen aus Kunststoff erfordert einen hohen Energieeinsatz. Nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine stiegen die Energiepreise in Deutschland deutlich, wodurch sich die Produktionskosten erhöhten.
Gleichzeitig verteuerten sich Rohstoffe, Bauteile und zugekaufte Waren. Für den Spielzeughersteller bedeutete dies eine zusätzliche finanzielle Belastung bei sinkenden Gewinnmargen.
Das Unternehmen geriet zudem zunehmend unter Druck durch günstigere Konkurrenzprodukte aus China. Importierte Spielwaren können häufig zu niedrigeren Preisen angeboten werden als Produkte aus deutscher Fertigung.
Weitere Schwierigkeiten entstanden im Exportgeschäft. US-Zölle und veränderte Handelsbedingungen erschwerten den Absatz von Rolly-Toys-Produkten auf dem amerikanischen Markt.
Das Zusammenspiel aus höheren Kosten und sinkenden Einnahmen führte dazu, dass das Unternehmen seine Verluste nicht mehr aus eigener Kraft ausgleichen konnte.
Der Verlust eines Großkunden beschleunigte die Insolvenz
Ein besonders schwerer Rückschlag war das Ende der Zusammenarbeit mit dem zweitgrößten Kunden des Unternehmens im Jahr 2025.
Durch den Wegfall dieses Auftraggebers verlor Franz Schneider einen erheblichen Teil seines Umsatzes. Das geschah zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen bereits mit hohen Energiepreisen, gestiegenen Materialkosten und zunehmendem Wettbewerbsdruck zu kämpfen hatte.
Für einen Produktionsbetrieb mit hohen Fixkosten lässt sich der Verlust eines Großkunden nur schwer kurzfristig ausgleichen. Löhne, Energiekosten, Wartung der Maschinen, Logistik und weitere laufende Ausgaben fallen unabhängig von der Auftragslage an.
Die Geschäftsführung versuchte, neue Kunden zu gewinnen und Investoren zu finden. Das frühere Umsatzniveau konnte jedoch nicht wieder erreicht werden.
Auch die hohen Kosten einer Fortführung der Produktion in Deutschland schreckten mögliche Käufer ab. Die Interessenten waren nicht bereit, die bestehenden Verpflichtungen zu übernehmen und zusätzlich in die Modernisierung des Werks zu investieren.
Der Umsatzrückgang nach dem Verlust des Großkunden wurde damit zu einem der entscheidenden Faktoren, die eine Sanierung unmöglich machten.
Mehr als 110 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz
Mit dem Ende der Produktion werden mehr als 110 Mitarbeiter entlassen. Für Neustadt bei Coburg ist die Werksschließung von besonderer Bedeutung, da Franz Schneider über Jahrzehnte zu den etablierten Arbeitgebern der Region gehörte.
Viele Beschäftigte sind bereits seit zahlreichen Jahren im Unternehmen tätig. Nach Angaben der Geschäftsleitung ist ein großer Teil der Belegschaft zwischen 50 und 62 Jahre alt.
Für ältere Arbeitnehmer könnte die Suche nach einer neuen Stelle schwierig werden, insbesondere wenn ihre berufliche Erfahrung eng mit den speziellen Produktionsabläufen des Unternehmens verbunden ist.
Der Betrieb soll bis zum 31. Dezember 2026 weiterlaufen. Bis dahin müssen laufende Aufträge abgeschlossen und die Stilllegung des Standorts vorbereitet werden.
Das Unternehmen prüft nach eigenen Angaben eine zusätzliche Prämie für Beschäftigte, die bis zum letzten Betriebstag im Unternehmen bleiben. Einzelheiten zur Höhe und zu den Bedingungen wurden bislang nicht veröffentlicht.
Weitere Unterstützungsmaßnahmen für die Mitarbeiter, etwa Hilfen bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz, sind bisher nicht öffentlich bekannt.
Die Marke Rolly Toys könnte erhalten bleiben
Trotz der Schließung des Werks in Neustadt könnte die Marke Rolly Toys weiterbestehen.
Nach Unternehmensangaben gibt es zwei Interessenten, die eine Übernahme der Marke oder einzelner Geschäftsbereiche prüfen. Sie könnten die Produktion der Spielwaren an einem anderen Standort fortsetzen.
Wo die Trettraktoren und übrigen Kinderfahrzeuge künftig hergestellt werden könnten, steht noch nicht fest.
Die Gespräche betreffen die Zukunft der Marke, das Produktsortiment, Produktionsrechte und bestehende Handelsbeziehungen. Eine endgültige Vereinbarung mit einem Käufer wurde bislang nicht bekannt gegeben.
Ein Verkauf der Marke hätte keinen Einfluss auf die Schließung des Werks in Neustadt. Der bisherige Standort wird unabhängig vom Ausgang der Verhandlungen geschlossen, die dort beschäftigten Mitarbeiter verlieren ihre Stellen.
Die Trettraktoren von Rolly Toys könnten damit weiterhin im Handel erhältlich bleiben. Ihre Produktion wäre jedoch nicht mehr mit dem traditionsreichen Standort in Franken verbunden.
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