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Prime Video setzt „The Runarounds“ nach nur einer Staffel ab: Die Hintergründe des unerwarteten Endes

Das ambitionierte Musikdrama "The Runarounds" von "Outer Banks"-Schöpfer Jonas Pate wird nicht fortgesetzt. Entdecken Sie die Hintergründe der plötzlichen Absetzung.

von Wolfgang Baumer
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Prime Video setzt "The Runarounds" nach nur einer Staffel ab: Die Hintergründe des unerwarteten Endes

Die Dynamik auf dem globalen Streaming-Markt ist gnadenlos, und selbst Erfolg versprechende Projekte renommierter Produzenten sind vor einem vorzeitigen Ende nicht sicher – ein Phänomen, das auch auf das-unternehmer-wissen.de im Kontext unternehmerischer Risiken und Marktbewegungen regelmäßig beleuchtet wird. Nun hat es das ambitionierte Young-Adult-Musikdrama „The Runarounds“ getroffen. Amazon Prime Video hat offiziell bestätigt, dass die Serie nach nur einer einzigen Staffel keine Fortsetzung finden wird. Obwohl die Serie von Kritikern und einem harten Kern von Fans positiv aufgenommen wurde, reichten die Zuschauerzahlen letztendlich nicht aus, um die hohen Erwartungen des Streaming-Giganten zu erfüllen.

Wie Yahoo Entertainment berichtet, wurde die Entscheidung zur Absetzung der Serie hinter den Kulissen bereits vor einigen Monaten stillschweigend getroffen, drang jedoch erst im April 2026 endgültig an die Öffentlichkeit. Die achtteilige erste Staffel, die am 1. September 2025 Premiere feierte, bleibt somit das einzige Kapitel dieser musikalischen Fernsehgeschichte.

Ein ehrgeiziges Projekt von „Outer Banks“-Schöpfer Jonas Pate

„The Runarounds“ war nicht irgendeine weitere Teenager-Serie im umfangreichen Katalog von Prime Video, sondern ein echtes Herzensprojekt der Macher des globalen Netflix-Hits „Outer Banks“. Kreiert wurde das Format von Jonas Pate, während das Drehbuch von David Wilcox stammte. Gemeinsam mit seinem Bruder Josh Pate und Shannon Burke fungierte Jonas Pate zudem als ausführender Produzent. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit namhaften Produktionsfirmen wie Amazon MGM Studios und Skydance Television umgesetzt. Zu den weiteren ausführenden Produzenten zählten Branchengrößen wie David Ellison, Dana Goldberg und Matt Thunell.

Die Grundidee für die Serie keimte bereits einige Jahre zuvor auf. Die Macher wollten die raue, ungeschliffene Energie einer aufstrebenden Highschool-Band einfangen, ohne dabei in die üblichen Klischees von glattgebügelten Hollywood-Produktionen zu verfallen. Die Serie spielte in Wilmington, North Carolina – einer Küstenstadt, die durch „Outer Banks“ bereits eine immense filmische Popularität erlangt hatte und eine authentische Kulisse für die Coming-of-Age-Geschichte bot.

Die Handlung: Coming-of-Age, Träume und die Realität der Musikindustrie

Im Zentrum der Handlung stand eine Gruppe frischgebackener Highschool-Absolventen. Charlie Cooper, ein ambitionierter Teenager, stand kurz vor seinem Schulabschluss und hatte nur ein einziges Ziel vor Augen: Seine neu gegründete Band sollte noch vor dem Ende des Sommers einen echten Plattenvertrag ergattern, um den ansonsten vorhersehbaren und monotonen Zukunftsaussichten zu entkommen.

Die acht Episoden der ersten Staffel begleiteten die Bandmitglieder auf ihrem holprigen Weg zum potenziellen Durchbruch. Die Serie thematisierte die für das Alter typischen Herausforderungen: romantische Verstrickungen, Loyalitätskonflikte, das Aufbrechen alter Geheimnisse und das Eingehen von Risiken. Als ein Video ihres neuesten Songs viral ging und die Aufmerksamkeit eines großen Plattenlabels auf sich zog, stieg der Druck auf die jungen Musiker immens. Die Serie versuchte, den Rausch und die Fallstricke dieses plötzlichen Erfolgs realistisch abzubilden, wobei die Originalmusik stets als treibende Kraft der Erzählung fungierte.

Echte Musiker statt reiner Schauspieler: Das innovative Casting-Konzept

Was „The Runarounds“ maßgeblich von anderen Musikdramen abhob, war der Casting-Prozess. Jonas Pate war sich der Problematik bewusst, dass in den meisten Serien Schauspieler engagiert werden, die das Musizieren lediglich imitieren. Um höchste Authentizität zu gewährleisten, entschied er sich für einen anderen Weg. Im Jahr 2021 rief Pate Tausende von echten, jungen Musikern auf, sich für das Projekt zu bewerben.

Das Ergebnis war die Formation der realen Band „The Runarounds“, bestehend aus William Lipton, Axel Ellis, Jeremy Yun, Zendé Murdock und Jesse Golliher. Diese jungen Männer waren nicht nur die Hauptdarsteller der Serie, sondern traten auch als funktionierende, echte Band auf. Ihr erstes großes Debüt vor der Kamera hatten sie sogar schon vor ihrer eigenen Serie, als sie in der dritten Staffel von „Outer Banks“ einen Gastauftritt absolvierten. Ergänzt wurde der Cast durch Schauspieler wie Lilah Pate, Maximo Salas, Kelley Pereira, Marley Aliah, Mark Wystrach, Brooklyn Decker und Hayes MacArthur.

Die harten Zahlen: Warum Prime Video den Stecker zog

Die Absetzung einer Serie im Streaming-Zeitalter ist fast immer das direkte Resultat der Auswertung von Nutzerdaten. Trotz einer soliden Zuschauerbewertung (Audience Score) von 90 Prozent und einer Kritikerwertung von 67 Prozent auf Rotten Tomatoes konnte „The Runarounds“ nicht das breite Massenpublikum erreichen, das für eine Verlängerung notwendig gewesen wäre.

Die Serie schaffte es nicht, sich in den begehrten Top 10 der Nielsen-Streamingcharts zu platzieren. Die Daten von Luminate zeichnen ein genaueres Bild der Einschaltquoten: Am ersten Wochenende verzeichnete die Serie in den USA etwa 1,9 Millionen gestreamte Stunden und landete damit auf Platz 32 der Luminate Top 50. In der zweiten Woche stieg das Interesse leicht auf 2,2 Millionen gestreamte Stunden (Platz 27), bevor die Zahlen in der dritten Woche drastisch auf 1,2 Millionen Stunden (Platz 41) einbrachen. In der hart umkämpften Streaming-Landschaft reichten diese Metriken für Amazon Prime Video nicht aus, um die hohen Produktionskosten für eine zweite Staffel zu rechtfertigen.

Kontroversen hinter den Kulissen: Die Vorwürfe gegen den Showrunner

Neben den unzureichenden Quoten wurde die Produktion auch von negativen Schlagzeilen überschattet. Im Oktober 2025, nur kurz nach der Premiere der Serie, erhob Chase Stokes – der Hauptdarsteller der Erfolgsserie „Outer Banks“ – schwere Vorwürfe gegen Jonas Pate. Stokes beschuldigte den Showrunner, am Set von „The Runarounds“ physisch und verbal aggressiv gegenüber einem Produktionsassistenten geworden zu sein.

Obwohl diese Vorwürfe in der Branche für erhebliches Aufsehen sorgten und Fragen zur Verantwortlichkeit von hochrangigen Produzenten aufwarfen, wurden bislang keine rechtlichen Schritte gegen Pate eingeleitet. Dennoch trug diese Kontroverse zweifellos nicht dazu bei, das interne Standing der Serie bei Amazon MGM Studios zu verbessern.

Ein Fünf-Jahres-Plan, der unvollendet bleibt

Besonders bitter ist die Absetzung für die kreativen Köpfe hinter der Serie, da Jonas und Josh Pate die Geschichte von Anfang an langfristig angelegt hatten. Es existierte ein detaillierter Fünf-Staffel-Plan, der die Entwicklung der Band von kleinen Anfängen bis hin zu weltweitem Ruhm nachzeichnen sollte.

Die nun verworfene zweite Staffel hätte die Band in einem heruntergekommenen Van auf einer regionalen Tournee begleitet, bei der sie in Colleges und kleinen Clubs vor knapp 200 Leuten aufgetreten wären. Das Finale der zweiten Staffel sollte mit einem großen Meilenstein enden: einem Auftritt als Vorband beim berühmten Bonnaroo Music Festival. Für die dritte Staffel war geplant, dass die Band als Support-Act durch Europa tourt. In der vierten Staffel sollten „The Runarounds“ schließlich als Headliner vor 5.000 Zuschauern spielen, während gleichzeitig die enormen psychologischen Belastungen des Ruhms im Fokus gestanden hätten. Die fünfte und letzte Staffel hätte die musikalische Reise mit einer gigantischen Stadiontournee gekrönt. All diese Pläne werden nun niemals das Licht der Streaming-Welt erblicken.

Wie geht es für die Band und die Schauspieler weiter?

Trotz des jähen Endes auf den Bildschirmen geht die musikalische Reise in der realen Welt weiter. Die Mitglieder der Band „The Runarounds“ lassen sich von der Serienabsetzung nicht entmutigen. Da sie eine funktionierende, echte Musikgruppe sind, setzen sie ihre musikalische Karriere fort. Derzeit befindet sich die Band auf einer realen Konzerttournee, die noch bis Juni 2026 andauern wird. Die Fans der Serie haben somit weiterhin die Möglichkeit, die Musik live zu erleben und die Künstler direkt zu unterstützen.

Auch für die weibliche Hauptdarstellerin Lilah Pate (die Tochter von Serienschöpfer Jonas Pate) hat sich bereits eine neue, große Tür in der Branche geöffnet. Es wurde bekannt, dass sie eine feste Serienhauptrolle (Series Regular) im kommenden „Tulsa King“-Spinoff namens „Frisco King“ ergattert hat, das für den Konkurrenz-Streamingdienst Paramount+ von Taylor Sheridan produziert wird. Diese neue vertragliche Bindung hätte die Drehpläne für eine potenzielle zweite Staffel von „The Runarounds“ ohnehin massiv verkompliziert und trug Berichten zufolge mit zur endgültigen Entscheidung von Prime Video bei. Die Absetzung von „The Runarounds“ markiert somit das Ende eines mutigen Fernsehexperiments, ebnet aber gleichzeitig den Weg für die nächsten Karrierekapitel der jungen Talente.

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