Der deutsche Profifußball erlebt einen schwarzen Tag, der weit über das Sportliche hinaus für Diskussionen sorgt. Der Abbruch der Bundesliga-Partie zwischen dem VfL Bochum und Borussia Mönchengladbach kurz vor dem Abpfiff ist nicht nur ein moralischer Tiefpunkt, sondern zieht einen Rattenschwanz an rechtlichen und finanziellen Problemen nach sich. Ein geworfener Bierbecher, der einen Linienrichter traf, offenbart die Fragilität von Sicherheitskonzepten bei Großveranstaltungen.
Es sind Szenen, die jeder Veranstalter und jeder Unternehmer fürchtet: Ein einziger Moment des Kontrollverlusts, ausgelöst durch eine einzelne Person, kann den Erfolg eines ganzen Events zunichtemachen und massive Schäden verursachen. Wir bei das-unternehmer-wissen.de betrachten solche Vorfälle stets auch unter dem Aspekt des Risikomanagements und der Unternehmenshaftung. Denn ein Fußballverein ist längst auch ein Wirtschaftsunternehmen, und ein Spielabbruch ist gleichbedeutend mit einem gravierenden Betriebsunfall, der die Marke beschädigt und empfindliche Strafen nach sich zieht.
Der Vorfall: Ein Sicherheitsrisiko mit Folgen
Das Spiel neigte sich dem Ende zu, die Gäste aus Mönchengladbach führten mit 2:0, als die Situation eskalierte. Ein voller Hartplastikbecher, geworfen von der Haupttribüne, traf den Schiedsrichter-Assistenten Christian Gittelmann am Hinterkopf. Die Konsequenz war unausweichlich: Schiedsrichter Benjamin Cortus unterbrach die Partie zunächst und brach sie – nach Beratung mit den Verantwortlichen – endgültig ab.
Für die betroffenen Vereine beginnt nun die juristische Aufarbeitung. Im Fokus stehen dabei nicht nur die sportrechtlichen Konsequenzen, wie die fast sichere Wertung des Spiels für den Gegner am grünen Tisch. Viel schwerwiegender wiegt die Frage, wie ein solcher Wurf trotz Ordnerpersonal und Videoüberwachung möglich war. Es zeigt sich einmal mehr, dass hundertprozentige Sicherheit bei Massenveranstaltungen eine Illusion bleibt, doch die Anforderungen an die Vereine, ihre „Kunden“ zu kontrollieren, werden nach solchen Vorfällen drastisch steigen.
Finanzielle Schäden und die Frage der Haftung
Aus unternehmerischer Sicht ist der „Becherwurf-Skandal“ ein teures Vergnügen. Der DFB-Kontrollausschuss wird Ermittlungen aufnehmen, und basierend auf früheren Urteilen drohen dem Heimverein empfindliche Geldstrafen im fünf- bis sechsstelligen Bereich. Noch gravierender wäre ein mögliches „Geisterspiel“ oder ein Teilausschluss der Zuschauer bei künftigen Partien. Ein Spiel ohne Zuschauer bedeutet Einnahmeausfälle bei Ticketing und Catering, die schnell in die Millionen gehen können.
Interessant wird die zivilrechtliche Perspektive: Vereine gehen dazu über, die Täter in Regress zu nehmen. Sobald der Werfer identifiziert ist – was dank moderner Kameratechnik im Stadion oft gelingt – können die Clubs versuchen, die verhängten Verbandsstrafen auf den Verursacher umzulegen. Der Bundesgerichtshof hat diese Praxis in der Vergangenheit grundsätzlich gebilligt. Für den Einzeltäter kann ein solcher Moment der Unbeherrschtheit somit den finanziellen Ruin bedeuten.
Image-GAU für den Standort
Neben den direkten Kosten ist der immaterielle Schaden für die Marke des Vereins kaum zu beziffern. Sponsoren und Partner möchten ihr Logo in einem emotionalen, aber sicheren und fairen Umfeld sehen, nicht in Verbindung mit Körperverletzung und Spielabbrüchen. Ein solcher Skandal wirft die betroffene Organisation in ihren Bemühungen um ein familienfreundliches Image um Jahre zurück.
Die Debatte wird sich in den kommenden Tagen auf die Sicherheitsarchitektur in deutschen Stadien verlagern. Forderungen nach personifizierten Tickets, engmaschigeren Netzen oder gar einem Alkoholverbot auf den Rängen werden laut werden. Die Vereine stehen vor der Herausforderung, die Balance zwischen Fankultur und Sicherheit neu zu justieren, ohne dabei die Atmosphäre – ihr eigentliches Produkt – zu zerstören. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes ist nun am Zug, ein Urteil zu fällen, das auch eine Signalwirkung für die gesamte Liga haben dürfte.