Startseite AktuellesSpanien bereitet sich auf die Sonnenfinsternis am 12. August vor: Hotels sind voll, Balkonplätze kosten bis zu 700 Euro, Hunderttausende reisen an.

Spanien bereitet sich auf die Sonnenfinsternis am 12. August vor: Hotels sind voll, Balkonplätze kosten bis zu 700 Euro, Hunderttausende reisen an.

von Johanna Richter
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Spanien bereitet sich auf die Sonnenfinsternis am 12. August vor: Hotels sind voll, Balkonplätze kosten bis zu 700 Euro, Hunderttausende reisen an.

Spanien bereitet sich auf eines der größten touristischen Ereignisse des Augusts vor: die totale Sonnenfinsternis, die am Abend des 12. August von Einwohnern und Urlaubern beobachtet werden kann. Hunderttausende zusätzliche Besucher werden in den Regionen erwartet, die innerhalb der Totalitätszone liegen. Spanische Medien sprechen bereits von den „60 goldenen Sekunden“: Die Nachfrage nach Hotels, Restaurants, Campingplätzen und Orten mit freiem Blick auf den Horizont ist so groß, dass einzelne Plätze auf privaten Balkonen für mehrere Hundert Euro angeboten werden. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu n-tv.

Die Zone der totalen Sonnenfinsternis zieht sich über den Norden und Osten des Landes bis zu den Balearen. In einigen Gemeinden und Urlaubsregionen verstärken die Behörden bereits die Sicherheitsmaßnahmen, planen Verkehrsregelungen und richten offizielle Beobachtungszonen ein.

Besonders deutlich zeigt sich der Andrang in kleinen Städten und ländlichen Gebieten, die normalerweise abseits der klassischen Touristenrouten liegen. Dort sind Übernachtungsmöglichkeiten für die Nacht vom 12. auf den 13. August vielerorts kaum noch zu bekommen. Die letzten verfügbaren Zimmer kosten teilweise ein Vielfaches der üblichen Augustpreise.

Gleichzeitig ist ein ungewöhnlicher privater Markt für Beobachtungsplätze entstanden. Hausbesitzer vermieten Terrassen, Dächer, Gärten und Balkone mit freier Sicht auf den westlichen Horizont. Für besonders günstig gelegene Balkonplätze werden spanischen Medien zufolge bis zu 700 Euro verlangt.

Reiseveranstalter vergleichen die Nachfrage mit internationalen Großereignissen wie Fußball-Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen. Der entscheidende Unterschied: Spanien muss die Veranstaltung selbst nicht organisieren. Das eigentliche Spektakel liefert die Natur – und es dauert an jedem einzelnen Standort nur wenige Minuten.

Ökonomen rechnen damit, dass die Sonnenfinsternis dem spanischen Tourismussektor zusätzliche Einnahmen von rund 421 Millionen Euro bringen könnte. Etwa 327.000 Menschen sollen eigens wegen der totalen Phase in die betroffenen Regionen reisen. Rund 80 Prozent davon dürften aus dem Ausland kommen.

Spaniens ländliche Regionen hoffen auf einen seltenen Besucheransturm

Zu den größten Profiteuren des Tourismusbooms gehören Gebiete der sogenannten „España vaciada“, des „entvölkerten Spaniens“. Damit werden dünn besiedelte Regionen im Landesinneren bezeichnet, die seit Jahrzehnten Einwohner verlieren und touristisch deutlich hinter den bekannten Küstenregionen zurückliegen.

Im August hat sich die Lage vielerorts schlagartig verändert. In Dörfern und Kleinstädten, in denen es im Hochsommer normalerweise vergleichsweise ruhig bleibt, werden nun Tausende zusätzliche Gäste erwartet. Viele dieser Regionen gelten wegen ihres trockenen Klimas, der geringen Lichtverschmutzung und des freien Horizonts als besonders geeignet für astronomische Beobachtungen.

Ein Beispiel ist das Dorf Sahechores in der Provinz León, rund 300 Kilometer nordwestlich von Madrid. Das örtliche Restaurant Aitalas ist für den 12. August bereits seit etwa zwei Jahren vollständig ausgebucht.

Nach Angaben der Betreiberin Paula Fernández begann alles mit einer Reservierung für eine Reisegruppe von rund 40 Gästen aus Japan. Damals sprach in dem Dorf kaum jemand über die bevorstehende Sonnenfinsternis.

Fernández betreibt außerdem einen Campingplatz. Dort werden derzeit ungewöhnlich viele ausländische Gäste empfangen. Reisende aus den Niederlanden, Dänemark, Portugal und anderen europäischen Ländern haben ihre Stellplätze bereits lange im Voraus reserviert.

Hotelbuchungen in kleinen Städten steigen um fast 400 Prozent

Campingplätze, Pensionen und andere Unterkünfte entlang der Totalitätszone waren teilweise schon Monate vor dem Ereignis nahezu vollständig gebucht. In vielen Regionen gibt es inzwischen kaum noch freie Kapazitäten.

Vom Ansturm profitieren nicht nur Dörfer, sondern auch kleinere Provinzhauptstädte wie León und Burgos. Schätzungen zufolge ist die Zahl internationaler Hotelbuchungen in kleineren Städten entlang der Route der Mondschattenzone im Vergleich zum Vorjahr um rund 383 Prozent gestiegen.

Am Abend des 12. August wird der Mondschatten über Galicien, Kastilien und León, Aragón und Valencia ziehen und anschließend die Balearen erreichen. Auch Mallorca und Ibiza liegen in der Zone der totalen Sonnenfinsternis.

Besonders groß ist die Nachfrage an der Westküste Mallorcas sowie in der Bucht von Palma. Restaurants mit offenen Terrassen und Blick auf den Sonnenuntergang melden bereits außergewöhnlich viele Reservierungen.

Auch Hotels nutzen das seltene Ereignis für spezielle Angebote. Einige Häuser haben Pakete zusammengestellt, die Zugang zu Dachterrassen, Beobachtungsplätze im Freien, Abendessen unter freiem Himmel und teilweise die Begleitung durch Astronomen umfassen.

Für die Tourismusbranche auf den Balearen fällt die Sonnenfinsternis mitten in die ohnehin stärkste Phase der Sommersaison. Mallorca empfängt im August bereits Millionen Urlauber. Nun kommt zusätzlich ein großer Zustrom von Astronomiebegeisterten hinzu.

Spanien verteilt zwei Millionen Schutzbrillen kostenlos

Die staatlichen Behörden bereiten sich seit Wochen auf das Ereignis vor. Ein zentrales Thema ist die sichere Beobachtung der Sonne.

Das spanische Wissenschaftsministerium und die Organisation ONCE stellen rund zwei Millionen zertifizierte Schutzbrillen kostenlos zur Verfügung. Sie sollen unter anderem über Verkaufsstellen der ONCE-Lotterie sowie in Wissenschaftszentren, Museen, Universitäten und anderen öffentlichen Einrichtungen verteilt werden.

Ärzte und Behörden warnen eindringlich davor, ohne geeigneten Filter direkt in die Sonne zu schauen. Normale Sonnenbrillen bieten keinen ausreichenden Schutz. Die intensive Sonnenstrahlung kann schwere und irreversible Schäden an der Netzhaut verursachen.

Zusätzlich organisieren Kommunen und Regionalverwaltungen Informationsveranstaltungen und öffentliche Beobachtungsflächen. Einige dieser Angebote erinnern vom Aufbau her an sogenannte Public-Viewing-Zonen bei großen Fußballturnieren.

Das Interesse ist nicht nur bei Touristen groß. Auch viele Einheimische suchen bereits nach geeigneten Plätzen, denn die ungewöhnliche Uhrzeit der Sonnenfinsternis macht den Standort besonders entscheidend.

Die tief stehende Sonne erschwert die Beobachtung

Die totale Sonnenfinsternis am 12. August findet kurz vor Sonnenuntergang statt. Dadurch steht die Sonne während der totalen Phase sehr tief über dem westlichen beziehungsweise west-nordwestlichen Horizont.

Schon ein kleiner Hügel, ein Baum, ein Haus oder ein anderes Hindernis kann das seltene Ereignis vollständig verdecken. Für Besucher, die teilweise Tausende Kilometer angereist sind, kann die Wahl des Beobachtungsorts deshalb entscheidend sein.

Auf Mallorca soll die totale Phase gegen 20.31 Uhr beginnen. Der Mond wird die Sonne dort etwa eine Minute und 36 Sekunden lang vollständig bedecken. Nur rund 18 Minuten später geht die Sonne unter.

Deshalb gelten Standorte mit völlig freiem Blick auf den westlichen Horizont als besonders wertvoll. Die spanischen autonomen Gemeinschaften und Provinzverwaltungen haben rund 350 offizielle beziehungsweise empfohlene Beobachtungsplätze ausgewiesen.

Einige dieser Flächen sind für mehrere Tausend Besucher und zahlreiche Fahrzeuge ausgelegt. Damit wollen die Behörden nicht nur gute Sichtbedingungen schaffen, sondern zugleich verhindern, dass sich große Menschenmengen unkontrolliert in schwer zugänglichen Naturräumen verteilen.

Hohe Waldbrandgefahr führt zu zusätzlichen Einschränkungen

Eine der größten Herausforderungen im Vorfeld der Sonnenfinsternis ist die Waldbrandgefahr. Trockenheit, hohe Temperaturen und die schweren Brände der vergangenen Wochen haben viele Regionen Spaniens besonders anfällig gemacht.

Zusätzliche Risiken entstehen, wenn Zehntausende Besucher auf der Suche nach einem perfekten Aussichtspunkt in Wälder, Berge oder abgelegene Landschaften fahren.

Schon kleine Unachtsamkeiten können trockenes Gras oder Buschwerk entzünden. Bei Hitze und Wind können sich solche Feuer innerhalb kurzer Zeit stark ausbreiten.

Auch eine mögliche Evakuierung bereitet den Behörden Sorgen. Viele ausländische Besucher kennen die Umgebung nicht. Nach dem Ende der Sonnenfinsternis wird es zudem rasch dunkel. Bei einem Zwischenfall könnten Tausende Fahrzeuge auf engen Straßen die Arbeit der Rettungskräfte erheblich erschweren.

Deshalb behalten sich Regionalbehörden vor, einzelne Naturschutzgebiete, Waldwege und Wanderstrecken vollständig zu sperren.

Autofahrer werden ausdrücklich davor gewarnt, Fahrzeuge auf trockenem Gras abzustellen. Heiße Teile der Abgasanlage können leicht einen Brand auslösen.

Während der Sommermonate gelten in vielen Waldgebieten strenge Verbote für offenes Feuer, Campingkocher, Grills und Rauchen. Verstöße können mit hohen Geldbußen geahndet werden.

Wer einen Waldbrand verursacht, muss mit deutlich schwerwiegenderen Konsequenzen rechnen. In schweren Fällen kann auch eine strafrechtliche Verfolgung drohen.

Die Sonnenfinsternis fällt mitten in die Hauptreisezeit

Das Ereignis am 12. August findet in einer der verkehrsreichsten Wochen des Jahres statt. Millionen Urlauber halten sich zu diesem Zeitpunkt ohnehin bereits in Spanien auf. Der zusätzliche Zustrom von Sonnenfinsternis-Touristen erhöht den Druck auf Verkehr, Hotels und touristische Infrastruktur weiter.

Für viele dünn besiedelte Regionen ist diese Kombination jedoch eine seltene Chance, internationale Aufmerksamkeit zu gewinnen.

In ländlichen Gebieten hoffen die Anbieter darauf, dass Besucher nicht nur wenige Stunden zur Beobachtung bleiben. Angeboten werden Ausflüge, regionale Küche, Übernachtungen sowie Besuche von Natur- und Kulturdenkmälern.

Besonders aktiv sind kleine Hotels, Restaurants, Campingplätze und familiengeführte Tourismusbetriebe. Für manche könnten die Tage rund um den 12. August zu den umsatzstärksten des gesamten Jahres werden.

Viele Unternehmer setzen zudem darauf, dass ein Teil der Gäste später erneut in die Region zurückkehrt – dann nicht wegen eines astronomischen Ereignisses, sondern für einen regulären Urlaub.

In Spanien beginnt eine seltene Serie von Sonnenfinsternissen

Für europäische Astronomen hat die Sonnenfinsternis vom 12. August 2026 eine besondere Bedeutung. Es ist die erste totale Sonnenfinsternis seit mehr als einem Jahrhundert, die über dem spanischen Festland sichtbar ist. Das vorherige vergleichbare Ereignis war dort im Jahr 1905 zu sehen.

Gleichzeitig bildet die Sonnenfinsternis 2026 nur den Auftakt einer ungewöhnlichen astronomischen Serie auf der Iberischen Halbinsel.

Die nächste totale Sonnenfinsternis folgt bereits am 2. August 2027. Die Totalitätszone wird dann über den Süden Spaniens verlaufen und das Land erneut zu einem der wichtigsten Ziele für astronomischen Tourismus in Europa machen.

Ein weiteres außergewöhnliches Ereignis ist für den 26. Januar 2028 angekündigt. Dann wird Spanien von einer ringförmigen Sonnenfinsternis durchquert.

Bei einer solchen Finsternis zieht der Mond ebenfalls direkt vor der Sonne vorbei, befindet sich jedoch weiter von der Erde entfernt und erscheint deshalb etwas kleiner als die Sonnenscheibe. Dadurch kann er die Sonne nicht vollständig verdecken.

Um die dunkle Mondscheibe bleibt ein heller Sonnenrand sichtbar, der häufig als „Feuerring“ bezeichnet wird. Die Zone dieser ringförmigen Phase soll Spanien von Südwesten nach Nordosten durchqueren.

Damit kann das Land innerhalb von weniger als zwei Jahren gleich drei bedeutende Sonnenfinsternisse erleben. Schon das erste Ereignis hat die Nachfrage nach Hotels, touristischen Angeboten und geeigneten Beobachtungsplätzen massiv steigen lassen – bis hin zu privaten Balkonen, die für mehrere Hundert Euro angeboten werden.

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