Startseite WirtschaftDie Bäckereikette Wahl GmbH ist insolvent. Mehr als 400 Beschäftigte sind betroffen, mehrere der insgesamt 54 Filialen wurden bereits geschlossen.

Die Bäckereikette Wahl GmbH ist insolvent. Mehr als 400 Beschäftigte sind betroffen, mehrere der insgesamt 54 Filialen wurden bereits geschlossen.

von Johanna Richter
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Die Bäckereikette Wahl GmbH ist insolvent. Mehr als 400 Beschäftigte sind betroffen, mehrere der insgesamt 54 Filialen wurden bereits geschlossen.

Die Bäckereikette Wahl GmbH aus Bestensee im Bundesland Brandenburg hat ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Das Unternehmen, das seit mehr als fünf Jahrzehnten am Markt tätig ist und 54 Filialen in Berlin und Brandenburg betreibt, will sich finanziell neu aufstellen. Von der Entwicklung sind mehr als 400 Beschäftigte betroffen. Mehrere Verkaufsstellen haben ihren Betrieb bereits eingestellt. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu merkur.

Geschäftsführerin Anett Wahl bestätigte den Beginn des Insolvenzverfahrens. Als wichtigste Ursachen nannte sie deutlich gestiegene Betriebskosten sowie eine spürbare Kaufzurückhaltung der Kundschaft. Gleichzeitig betont die Unternehmensleitung, dass das Kerngeschäft weiterhin stabil sei und die Produktion fortgeführt werde.

Der Betrieb läuft weiter, das Filialnetz wird jedoch verkleinert

Trotz des Insolvenzverfahrens bleibt der Produktionsstandort an der Waldstraße in Bestensee in Betrieb. Nach Angaben des Unternehmens werden bestehende Aufträge weiterhin bearbeitet und die wichtigsten Produktionsabläufe aufrechterhalten.

Gleichzeitig hat die Verkleinerung des Filialnetzes bereits begonnen. Noch ist nicht bekannt, wie viele der insgesamt 54 Standorte nach Abschluss der Restrukturierung dauerhaft weitergeführt werden können.

Diese Filialen wurden bereits geschlossen

Seit dem 1. August haben mehrere Verkaufsstellen ihren Betrieb eingestellt. Betroffen sind unter anderem:

  • die Filiale in der Yorckstraße in Mittenwalde;
  • der Standort im Netto-Markt in Zossen;
  • die Verkaufsstelle im Rewe-Markt in Schmöckwitz;
  • mehrere Filialen in Potsdam.

Bereits zuvor war der Standort im Netto-Markt in Teupitz dauerhaft geschlossen worden.

Beschäftigte der Kette berichten, dass sie etwa zwei Wochen zuvor über die finanziellen Schwierigkeiten informiert worden seien. Nach Aussage einer Mitarbeiterin habe die Geschäftsleitung dem Personal mitgeteilt, dass Beschäftigte das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen könnten. Nicht alle Filialen sind derzeit von Schließungen betroffen.

Sanierungsberater begleitet das Unternehmen

Die Restrukturierung der Wahl GmbH wird von dem Berliner Rechtsanwalt Jörg Franzke begleitet. Er sieht nach Angaben des Unternehmens gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Sanierung. Als entscheidende Faktoren gelten ein funktionierendes Kerngeschäft, eine treue Kundschaft und ein erfahrenes Team.

Das Verfahren in Eigenverwaltung ermöglicht es dem Unternehmen, den Geschäftsbetrieb fortzuführen und gleichzeitig unter gerichtlicher Aufsicht einen Sanierungsplan umzusetzen.

Von der Familienbäckerei zur regionalen Filialkette

Die Geschichte der Wahl GmbH begann im Jahr 1972. Damals pachteten Inge und Karl-Heinz Wahl eine kleine Bäckerei in Volkstedt. Wenige Jahre später zog der Betrieb nach Bestensee um, wo die Familie eine eigene Bäckerei eröffnete.

Zu Beginn beschäftigte das Unternehmen sechs Mitarbeiter. Gebacken wurde nach traditioneller deutscher Handwerksweise in einem gemauerten Ofen. Nach der deutschen Wiedervereinigung begann die Bäckerei, ihr Geschäft kontinuierlich auszubauen.

Im Jahr 2005 eröffnete das Unternehmen einen neuen Produktionskomplex im Gewerbegebiet von Bestensee. 2016 kam ein Café am Bahnhof Bestensee hinzu. Ein Jahr später übernahm Anett Wahl die Geschäftsführung von ihren Eltern.

Im April 2024 setzte das Unternehmen seinen Wachstumskurs fort und übernahm mehrere Filialen der insolventen Kette Lila Bäcker in Potsdam und Potsdam-Mittelmark. Bis zum Sommer 2026 betrieb Wahl insgesamt 54 Standorte. Die meisten lagen in den Landkreisen Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming. Weitere Filialen befanden sich in Berlin, Potsdam, Oder-Spree, Potsdam-Mittelmark und Havelland.

Insolvenzwelle erfasst die deutsche Bäckereibranche

Die Insolvenz der Wahl GmbH ist kein Einzelfall. Im ersten Halbjahr 2026 stellten deutschlandweit bereits 63 Bäckereibetriebe einen Insolvenzantrag. Das entspricht einem Anstieg von rund 40 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Branchenexperten führen diese Entwicklung auf mehrere Faktoren zurück. Dazu gehört vor allem das veränderte Kaufverhalten. Viele Verbraucher kaufen Brot und Backwaren inzwischen gemeinsam mit anderen Lebensmitteln im Supermarkt oder Discounter, anstatt eine klassische Bäckerei aufzusuchen.

Zusätzlichen Druck verursachen hohe Energiepreise, steigende Rohstoffkosten, höhere Personalausgaben und der Mangel an qualifizierten Fachkräften. Aufgrund des starken Wettbewerbs können die Betriebe die gestiegenen Kosten nur teilweise an ihre Kundschaft weitergeben.

Auch andere bekannte Bäckereien geraten unter Druck

In den vergangenen Monaten meldeten weitere bekannte Betriebe finanzielle Schwierigkeiten. Mitte Juni beantragte die thüringische Bäckereikette Lampe Insolvenz. Das Unternehmen betrieb 44 Filialen und beschäftigte rund 280 Mitarbeiter.

Für die bayerische Kette Rackls Backstubn konnte dagegen keine tragfähige Lösung gefunden werden. Zehn Filialen und die zentrale Produktionsbäckerei stellten ihren Betrieb ein.

Auch die mehr als 100 Jahre alte Bäckerei Hansen Mürwik in Schleswig-Holstein wurde verkauft. Die Produktion in Wees bei Flensburg wurde eingestellt. Der Wettbewerber Andresen übernimmt sechs der insgesamt elf Filialen.

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