Im von Russland besetzten Oleschky in der Region Cherson verschärft sich die humanitäre Lage deutlich. Die Stadt ist weitgehend von einer regelmäßigen Lebensmittelversorgung abgeschnitten. Wegen der Verminung der umliegenden Gebiete ist auch die Flucht für die verbliebenen Einwohner äußerst gefährlich. Berichten von Bewohnern und Helfern zufolge gehen die Vorräte zur Neige, während einige Menschen ihre Mahlzeiten bereits stark reduzieren müssen. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu tagesschau.
Oleschky ist weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten
Oleschky liegt am linken Ufer des Dnipro auf russisch besetztem Gebiet. Die Nähe zur Front und die starke Verminung der Umgebung erschweren sowohl die Evakuierung der Zivilbevölkerung als auch die Lieferung humanitärer Hilfsgüter.
Die aus Oleschky stammende Ksenija Archipowa versucht, die Hilfe für die Bewohner aus dem von der Ukraine kontrollierten Gebiet zu koordinieren. Seit Beginn der russischen Invasion hält sie Kontakt zu Menschen in ihrer Heimatstadt. Die Verbindungen sind jedoch instabil und brechen häufig nach kurzer Zeit wieder ab.
Bewohner bitten um Unterstützung bei der Evakuierung, berichten vom Tod von Angehörigen oder von beschädigten Häusern. Andere versuchen, innerhalb der Stadt einen sichereren Aufenthaltsort zu finden.
Lebensmittelvorräte gehen zur Neige
Zu den größten Problemen gehört inzwischen die Versorgung mit Lebensmitteln. Nach Angaben Archipowas erreichte der letzte Lastwagen mit Lebensmitteln Oleschky am 26. Mai.
Während der Sommermonate konnten sich viele Einwohner zumindest teilweise aus ihren eigenen Gärten versorgen. Angebaut wurden unter anderem Kartoffeln, Karotten und Zucchini.
Mit Beginn des Herbstes verschlechtert sich die Situation jedoch. Die Ernte und die zuvor angelegten Vorräte werden zunehmend aufgebraucht. Eine junge Bewohnerin berichtete, sie esse mittlerweile nur noch einmal am Tag – am Abend.
Nach Einschätzung Archipowas beginnt damit eine besonders kritische Phase. Die Lebensmittel, mit denen sich die Menschen während des Sommers über Wasser halten konnten, reichen nicht mehr lange aus.
Bis zu 2.000 Menschen könnten noch in der Stadt leben
Wie viele Zivilisten sich derzeit noch in Oleschky befinden, ist nicht eindeutig geklärt. Archipowa geht von etwa 1.200 Menschen aus. Ukrainische Vertreter nennen teilweise eine Zahl von rund 2.000 Einwohnern.
Die russische Seite macht die Ukraine für die schwierige Versorgungslage verantwortlich und behauptet, ukrainischer Beschuss verhindere Lieferungen in die Stadt. Die ukrainische Seite widerspricht dieser Darstellung.
Die Journalistin Zarina Zabrisky, die sich seit Monaten mit der Situation in Oleschky beschäftigt, berichtet unter Berufung auf Zeugenaussagen, russische Truppen würden militärische Stellungen in oder unmittelbar neben Wohnhäusern einrichten. Dazu sollen Artilleriestellungen sowie Positionen von Drohnenpiloten gehören.
Zabrisky bezeichnet dieses Vorgehen als Nutzung ukrainischer Zivilisten als menschliche Schutzschilde.
Bewohner berichten von Problemen bei der Bestattung Verstorbener
Ein weiteres Problem betrifft die Bestattung von Toten. Nach Angaben Archipowas dürfen Einwohner ihre verstorbenen Angehörigen seit Monaten nicht regulär beerdigen. Sie macht dafür das russische Militär verantwortlich.
Aufgrund der Isolation der Stadt, der laufenden Kampfhandlungen und des eingeschränkten Zugangs unabhängiger Beobachter lassen sich nicht alle Berichte unmittelbar vor Ort überprüfen.
Parallel dazu gibt es Bemühungen, eine organisierte Evakuierung der Zivilbevölkerung zu ermöglichen. Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez berichtete von Gesprächen über die Einrichtung eines humanitären Korridors.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz soll bereit sein, eine solche Evakuierung zu begleiten. Eine endgültige Vereinbarung über die Öffnung des Korridors gibt es bislang jedoch nicht.
Minen und Kampfhandlungen erschweren die Evakuierung
Eine eigenständige Flucht aus Oleschky ist mit erheblichen Gefahren verbunden. Große Teile der Umgebung gelten als vermint, zugleich befindet sich die Stadt unmittelbar im Frontgebiet.
Viele der verbliebenen Einwohner haben deshalb keine sichere Möglichkeit, das besetzte Gebiet zu verlassen.
Mit Stand vom 24. September bleibt die humanitäre Lage vor allem aufgrund mehrerer gleichzeitig wirkender Faktoren angespannt: Lebensmittel werden knapp, die Stadt ist weitgehend isoliert, die Bewegungsfreiheit ist stark eingeschränkt und ein gesicherter humanitärer Evakuierungskorridor steht weiterhin nicht zur Verfügung.
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