Startseite PolitikUS-Zwischenwahlen: Warum deutsche Exporteure weiter mit Zöllen planen sollten

US-Zwischenwahlen: Warum deutsche Exporteure weiter mit Zöllen planen sollten

von Wolfgang Baumer
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Westseite des US-Kapitols in Washington, Sitz von Repräsentantenhaus und Senat

Am 3. November wählen die USA ihren Kongress neu, und deutsche Exporteure sollten aus dem Ergebnis keine Entlastung bei den Zöllen ableiten. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet damit, dass die handels- und wirtschaftspolitische Linie von Präsident Donald Trump mindestens bis Januar 2029 Bestand hat. Eine Mehrheit der Demokraten wäre voraussichtlich zu knapp, um ein Veto zu überstimmen, denn dafür bräuchte es zwei Drittel in beiden Kammern. Für Unternehmen zählt deshalb, welche Zollsätze heute für ihre Waren gelten und welche Fristen 2027 auslaufen.

Was am 3. November zur Wahl steht

Gewählt werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Senatssitze. Die Republikaner kontrollieren beide Kammern. Das Prognosemodell Silver Bulletin sah Demokraten laut einer Auswertung der Luzerner Kantonalbank vom 23. Oktober in beiden Kammern vorn (72,5 Prozent Wahrscheinlichkeit). Weitere 21,5 Prozent entfielen auf ein demokratisches Repräsentantenhaus bei republikanischem Senat. Das sind Modellwerte. Der neue Kongress tritt im Januar 2027 zusammen.

Was die Szenarien für Unternehmen ändern

Ergebnis Zölle Was sich sonst ändern kann
Republikaner behalten beide Kammern Kurs bleibt, neue Maßnahmen ohne viel Gegenwehr aus dem Kongress Unternehmensfreundliche Steuerpolitik dürfte bleiben
Demokraten gewinnen eine Kammer Kein grundsätzlicher Kurswechsel, laut der Kanzlei Rödl womöglich weniger Sprünge in der Umsetzung Mehr Haushaltsstreit und Untersuchungen im Kongress
Demokraten gewinnen beide Kammern Veto-Hürde bleibt ohne Zwei-Drittel-Mehrheit bestehen Forderungen wie 28 Prozent Bundessteuer auf Unternehmensgewinne scheitern weiter am Präsidenten

Politisch kann sich viel bewegen, ohne dass sich an der Zollrechnung etwas ändert, weil die Rechtsgrundlagen zum großen Teil beim Präsidenten liegen. Hinzu kommt die Bilanz, die das IW am 30. Oktober vorgelegt hat: Das Warenhandelsdefizit der USA lag im August 2026 bei 130 Milliarden Dollar, rund 35 Milliarden mehr als im August 2024. Der Anteil der EU daran sank von 20 auf 7 Prozent, vor allem durch mehr US-Exporte von Energie und anderen Waren. Gegenüber Deutschland betrug das Defizit 5,8 Milliarden Dollar nach 6,6 Milliarden zwei Jahre zuvor. „Die Unsicherheit wird jedoch auch nach den Zwischenwahlen anhalten“, sagt IW-Außenhandelsexpertin Samina Sultan.

Welche Zölle heute für EU-Waren gelten

Der Supreme Court kippte im Februar 2026 die auf Notstandsrecht (IEEPA) gestützten Zölle, darunter den pauschalen Satz von 15 Prozent. Die Belastung blieb. Seit dem 24. Juli greifen neue Maßnahmen nach Section 301, und die Branchenzölle nach Section 232 waren von dem Urteil gar nicht betroffen. Die folgende Übersicht stützt sich auf den Stand der IHK Südlicher Oberrhein vom September sowie auf Germany Trade & Invest.

Warengruppe (EU-Ursprung) Zollsatz
Die meisten übrigen Waren Aufstockung auf insgesamt 10 Prozent, darüber liegender Regelzoll bleibt unverändert
Pkw und Autoteile 15 Prozent
Stahl, Aluminium, Kupfer in der Regel 50 Prozent, Annex I-B 25 Prozent
Weiterverarbeitete Metallwaren, z. B. Land- und Baumaschinen (Annex I-C) 15 Prozent einschließlich Regelzoll, sofern dieser nicht höher ist
Arzneimittel für die EU auf 15 Prozent gedeckelt, Generika ausgenommen
Holzprodukte für die EU auf 15 Prozent gedeckelt
Halbleiter (bestimmte Spezifikationen) 25 Prozent

Bei Metallwaren berechnet sich der Zoll seit April 2026 auf den vollen Zollwert und nicht mehr nur auf den Metallanteil. Wer noch mit einer Kalkulation aus der Zeit davor arbeitet, rechnet zu niedrig. Weil sich die Sätze 2025 und 2026 mehrfach geändert haben, gehört vor jeder Lieferung der Blick in die offiziellen US-Quellen dazu.

Was noch dazukommen kann

Zwei Untersuchungen nach Section 301 laufen noch. Eine betrifft industrielle Überkapazitäten in 16 Volkswirtschaften, darunter die EU, die andere seit dem 18. Juni die deutschen Arzneimittelpreise. Polysilizium wird ab dem 4. Dezember 2026 mit Mindestpreisen und einem Zusatzzoll belegt, die EU bleibt bei höchstens 15 Prozent. Für bestimmte Drohnenkomponenten gilt ab dem 9. Februar 2027 ein Satz von 25 Prozent.

Termine für die Kalkulation 2027

Annex III der Metallzölle (Mindestzoll 15 Prozent) und der Sondersatz nach Annex I-C sind voraussichtlich bis zum 31. Dezember 2027 befristet. Das EU-US-Abkommen, das seit dem 1. Juli 2026 gilt, läuft nach Angaben der IHK Chemnitz in der europäischen Umsetzung bis Ende 2029 und kann bei Nichteinhaltung ausgesetzt werden. Für Rahmenverträge mit mehrjähriger Laufzeit sind das die wichtigeren Daten, nicht der Wahlabend.

Containerterminal im Hamburger Hafen mit Kränen und gestapelten Containern
Foto: Raimond Spekking, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Was Exporteure jetzt tun sollten

Lieferbedingungen prüfen

Die IHK rät davon ab, in die USA zu DDP zu liefern, weil der Exporteur dann alle Zölle einschließlich späterer Aufschläge trägt. Liefern Sie bereits so, rechnen Sie nach, wie viel Marge bei einem Zollsprung von 10 auf 15 Prozent übrig bleibt: Bei einem Warenwert von 100.000 Euro sind das 5.000 Euro je Lieferung. In neue Verträge gehört eine Zollklausel.

Daten sauber halten

Zollwert ist der FOB-Wert. Weisen Sie ihn auf der Handelsrechnung getrennt aus, damit die Fracht nicht mitverzollt wird, und prüfen Sie außerdem Warennummer und Ursprung, denn international einheitlich sind nur die ersten sechs Stellen der Warennummer. Bei Metallwaren verlangt die US-Seite Angaben zu Ursprungs-, Schmelz- und Gießland, laut IHK Chemnitz drohen bei fehlenden Ursprungsangaben 200 Prozent. Fordern Sie die Nachweise früh an.

Preise und Standorte getrennt betrachten

Die Kanzlei Rödl & Partner fasst es so zusammen: Die Wahl beeinflusse weniger, ob investiert werde, als wo und wie abgesichert. Die ausländischen Direktinvestitionen in den USA fielen 2025 laut IW um 8,2 Prozent auf 248 Milliarden Dollar. Eine Fertigung vor Ort löst das Zollproblem nur für einen Teil der Lieferkette, weil importiertes Vormaterial weiter verzollt wird, und neben dem Zollsatz gehören Löhne, Dollarkurs und die Frage in die Rechnung, ob die Aufträge die nächsten Jahre tragen.

Absatzmärkte breiter aufstellen

Wer stark vom US-Geschäft abhängt, sollte andere Märkte prüfen und dort die Konkurrenz im Blick behalten: Chinas Exporte legten zum Jahresstart um 21,8 Prozent zu. Zur Einordnung der europäischen Risiken hilft unser Beitrag über die Krise in Frankreich und ihre Folgen für deutsche Firmen. Dass US-Zölle am Ende auch amerikanische Kunden treffen, zeigte im Frühjahr die Preisentwicklung bei Tomaten, ein Beispiel, das sich in Preisgesprächen mit Importeuren durchaus nutzen lässt.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Zoll-, Rechts- oder Steuerberatung. Zollsätze entsprechen dem Stand der genannten Quellen und können sich kurzfristig ändern; maßgeblich sind die amtlichen US-Veröffentlichungen. Bei konkreten Warenpositionen hilft die zuständige IHK oder ein Zollexperte weiter.

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