Zum 1. Januar 2027 steigen die Beiträge für rund 53 Prozent der Privatversicherten, und zwar im Schnitt um 13,4 Prozent. Selbstständige und Angestellte ohne Beihilfe trifft es mit durchschnittlich 15,3 Prozent stärker als Beihilfeberechtigte mit 11,4 Prozent, wie Ihre Vorsorge unter Berufung auf den PKV-Verband berichtet. Wer ein Erhöhungsschreiben bekommt, kann den Tarif beim eigenen Versicherer ohne Frist wechseln und behält dabei die Alterungsrückstellungen. Arbeitgeber müssen parallel den höheren Zuschuss für 2027 einplanen und prüfen, welche Beschäftigten wieder versicherungspflichtig werden.
Warum die Beiträge schon wieder steigen
Für einen Selbstständigen mit 640 Euro Monatsbeitrag bedeutet der Durchschnittswert 737,92 Euro, also 1.175,04 Euro mehr im Jahr. Es ist die dritte zweistellige Runde in Folge. 2025 waren es im Schnitt rund 18 Prozent für zwei Drittel der Versicherten, 2026 rund 13 Prozent für 60 Prozent. Rechnet man alle Privatversicherten ein, auch jene ohne Anpassung, liegt das Plus laut dem Portal Bürger & Geld bei etwa 7 Prozent.
Als Grund nennt der PKV-Verband höhere Ausgaben für Kliniken, ambulante Versorgung und Zahnärzte, ausgelöst durch neue Behandlungsmethoden, Preise und Personalkosten. Die Leistungsausgaben stiegen 2025 um 7,2 Prozent auf 42,1 Milliarden Euro. Die Beiträge folgen in Sprüngen, weil Versicherer sie nur anpassen dürfen, wenn bestimmte Schwellen überschritten sind und ein unabhängiger Treuhänder zustimmt. Ein Tarif kann daher zwei Jahre stabil bleiben und dann kräftig zulegen.
Große Unterschiede zwischen den Versicherern
Die folgenden Durchschnittswerte für die Vollversicherung hat Bürger & Geld mit Stand 28. Oktober zusammengestellt. Sie stammen überwiegend von hc consulting und schließen Beitragssenkungen ein, Debeka nannte seine Zahl selbst gegenüber dem Handelsblatt. Einzelne Tarife und Altersgruppen können weit darüber oder darunter liegen.
| Versicherer | Durchschnitt ab 1.1.2027 | Mehrkosten bei 640 Euro Beitrag |
|---|---|---|
| AXA | +11,72 % | 75,01 Euro |
| Gothaer | +9,02 % | 57,73 Euro |
| HanseMerkur | +7,81 % | 49,98 Euro |
| Debeka (nur betroffene Kunden) | +6,7 % | 42,88 Euro |
| uniVersa | +6,58 % | 42,11 Euro |
| Inter | +6,24 % | 39,94 Euro |
| LKH | +5,11 % | 32,70 Euro |
| Allianz | +4,92 % | 31,49 Euro |
| Barmenia | +4,12 % | 26,37 Euro |
| R+V | +2,19 % | 14,02 Euro |
Eine Wechselempfehlung ergibt sich daraus nicht. Bei DKV und Signal Iduna standen die Werte zum Stichtag noch aus, und die Spalte rechts ist eine eigene Rechnung auf Basis der Durchschnittswerte.

Was Selbstständige mit dem Erhöhungsschreiben tun können
Nach § 203 Abs. 5 VVG wird die neue Prämie zu Beginn des zweiten Monats wirksam, der auf die Mitteilung folgt, die Schreiben für den 1. Januar müssen also bis Ende November vorliegen. Prüfen Sie den Brief sofort. Der wichtigste Hebel steht in § 204 VVG: Der Tarifwechsel beim eigenen Versicherer ist ein Anspruch, auf den nicht verzichtet werden kann.
Tarifwechsel beim eigenen Versicherer
Sie dürfen in jeden Tarif mit gleichartigem Schutz wechseln, die Alterungsrückstellungen werden angerechnet, und bei gleichen Leistungen gibt es keine neue Gesundheitsprüfung. Nur für Mehrleistungen kann der Versicherer einen Risikozuschlag, eine Wartezeit oder einen Leistungsausschluss verlangen. Eine Frist gibt es laut Verbraucherzentrale Hamburg nicht. Auf Anfrage muss der Versicherer einen Überblick über die möglichen Tarife geben.
Worauf Sie vor der Unterschrift achten sollten
- Abgewählte Leistungen sind in der Regel dauerhaft weg, das gilt etwa für Einbettzimmer, Chefarzt oder hohe Zahnerstattung.
- Wer aus einem Bisex-Tarif von vor 2013 in einen Unisex-Tarif wechselt, verliert den Zugang zum günstigeren Standardtarif.
- Ein billiger Tarif kann bald selbst erhöht werden, fragen Sie deshalb nach der Beitragsentwicklung der vergangenen fünf Jahre.
- Der PKV-Verband warnt vor provisionsabhängigen Wechselberatern.
Selbstbehalt nachrechnen
Ein frei gewähltes Beispiel: Spart der neue Tarif 120 Euro im Monat bei 1.200 Euro Selbstbehalt im Jahr, bleiben 1.440 Euro Ersparnis minus höchstens 1.200 Euro eigene Kosten, im schlechtesten Fall also 240 Euro Vorteil. Spart er nur 80 Euro, drohen 240 Euro Minus. Rechnen Sie außerdem Beitragsrückerstattungen und die steuerliche Wirkung mit durch, denn Basisbeiträge sind als Sonderausgaben absetzbar, ein Selbstbehalt in der Regel nicht in gleicher Weise, und ein niedrigerer Beitrag senkt bei Angestellten auch den Arbeitgeberzuschuss, sofern dieser unter dem Höchstbetrag liegt.
Sonderkündigung und Wechsel des Anbieters
Nach § 205 Abs. 4 VVG können Sie innerhalb von zwei Monaten nach Zugang der Mitteilung kündigen. Wirksam wird das nur mit Nachweis eines lückenlosen Anschlussschutzes bei einem neuen Versicherer, und für viele Ältere ist es unattraktiv, weil Vorerkrankungen zur Ablehnung führen können und Alterungsrückstellungen ganz oder teilweise verloren gehen.
Zurück in die gesetzliche Kasse
Für hauptberuflich Selbstständige ist der Weg fast versperrt. Möglich ist die Rückkehr laut Verbraucherzentrale Niedersachsen nur über Versicherungspflicht, etwa als Arbeitnehmer, oder über die Familienversicherung. Ab 55 Jahren ist Versicherungspflicht in der Regel ausgeschlossen. GmbH-Gesellschafter sollten ihren Status gesondert klären lassen. Wie viel die gesetzliche Seite 2027 kostet, steht in unserem Beitrag zu den höheren Sozialabgaben ab 2027.
Was Arbeitgeber für Privatversicherte einplanen sollten
Höherer Zuschuss
Nach § 257 Abs. 2 SGB V beteiligt sich der Arbeitgeber an der privaten Krankenversicherung seiner Beschäftigten, begrenzt auf die Hälfte des tatsächlichen Beitrags und einen Höchstbetrag. Der steigt, weil die Beitragsbemessungsgrenze 2027 auf 6.375 Euro im Monat klettert und das Gesundheitsministerium den durchschnittlichen Zusatzbeitrag bei 2,9 Prozent belassen hat. Zu diesen Werten gibt es einen eigenen Beitrag zum Zusatzbeitrag 2027.
| Höchstzuschuss pro Monat | 2026 | 2027 (rechnerisch) |
|---|---|---|
| Krankenversicherung: 8,75 % der Bemessungsgrenze | 508,59 Euro | 557,81 Euro |
| Pflegeversicherung, außer Sachsen: 1,8 % | 104,63 Euro | 114,75 Euro |
| Pflegeversicherung, Sachsen: 1,3 % | 75,56 Euro | 82,88 Euro |
Der Bundesrat soll laut Bürger & Geld am 20. November über die Rechengrößen abstimmen. Der volle Krankenversicherungszuschuss greift erst ab einem Beitrag von rund 1.115 Euro, darunter zählt die Hälfte der Prämie, sodass eine Beitragserhöhung die Personalkosten direkt anhebt. Bitten Sie Beschäftigte im Dezember um die neue Beitragsbescheinigung.
Rückfall in die Versicherungspflicht
Die Jahresarbeitsentgeltgrenze steigt von 77.400 auf 84.150 Euro, und wer darunter liegt, kann zum Jahreswechsel versicherungspflichtig werden. Bei einem Anstieg der Grenze sieht § 8 SGB V eine Befreiung auf Antrag vor, die Frist beträgt drei Monate ab Beginn der Versicherungspflicht, also bei einem Beginn am 1. Januar bis Ende März 2027. Die Befreiung kann nicht widerrufen werden. Sprechen Sie Betroffene deshalb früh an und überlassen Sie ihnen die Entscheidung. Für Beschäftigte, die am 31. Dezember 2022 bereits privat versichert und versicherungsfrei waren, gilt eine niedrigere Grenze.
Wie sich die Kassenlandschaft auf der anderen Seite verändert, zeigt unser Hintergrund zu Fusionen unter den Krankenkassen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Versicherungsberatung. Die Durchschnittswerte sagen nichts über Ihren Tarif aus. Die Rechengrößen 2027 stehen unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundesrats. Eine unabhängige Beratung bieten unter anderem die Verbraucherzentralen an.