Startseite WirtschaftBMW plant den Abbau von rund 8.000 Stellen. Das freiwillige Programm betrifft Verwaltung, Vertrieb und Entwicklung, nicht aber die Produktion.

BMW plant den Abbau von rund 8.000 Stellen. Das freiwillige Programm betrifft Verwaltung, Vertrieb und Entwicklung, nicht aber die Produktion.

von Johanna Richter
0 Kommentare
BMW plant den Abbau von rund 8.000 Stellen. Das freiwillige Programm betrifft Verwaltung, Vertrieb und Entwicklung, nicht aber die Produktion.

BMW, das lange als widerstandsfähiger als andere deutsche Autobauer galt, bereitet einen umfangreichen Stellenabbau vor. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen könnten weltweit rund 8.000 Arbeitsplätze wegfallen. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu tagesschau.

Als wichtigstes Instrument ist offenbar ein freiwilliges Ausscheidungsprogramm vorgesehen. Es soll sich vor allem an Beschäftigte in indirekten Bereichen richten, darunter Verwaltung, Vertrieb, Entwicklung und weitere Bürofunktionen. Mitarbeiter in der Produktion sollen nach bisherigem Stand nicht einbezogen werden.

Die Belegschaft wurde im Vorfeld einer Betriebsversammlung in München über die geplanten Maßnahmen informiert. An dem Treffen nahmen BMW-Chef Milan Nedeljković, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Martin Kimmich sowie Vertreter weiterer deutscher Standorte per Videokonferenz teil.

Programm betrifft bis zu 50.000 Beschäftigte in Deutschland

Nach Angaben aus Unternehmenskreisen soll das freiwillige Ausscheidungsprogramm in den kommenden Monaten beginnen und bis Ende 2027 laufen.

In Deutschland könnten rund 40.000 bis 50.000 Beschäftigte aus indirekten Unternehmensbereichen grundsätzlich ein Angebot erhalten. Jeder Mitarbeiter soll selbst entscheiden können, ob er die angebotenen Konditionen annimmt.

Eine feste Reihenfolge bei der Antragstellung oder eine Begrenzung auf einzelne Abteilungen ist offenbar nicht vorgesehen. Das Programm soll allen Beschäftigten der betroffenen Bereiche offenstehen.

Zusammen mit weiteren Sparmaßnahmen könnte der Personalbestand von BMW weltweit um etwa 8.000 Stellen sinken.

Eine offizielle Bestätigung des Programms durch den Vorstand oder den Betriebsrat liegt bislang nicht vor. Nach Informationen aus dem Unternehmen werden einzelne Details noch verhandelt.

Ende 2025 beschäftigte BMW weltweit rund 154.000 Menschen. Mehr als 84.000 von ihnen arbeiteten in Deutschland.

Experte kritisiert fehlenden gezielten Personalabbau

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer bewertet den Plan kritisch, das Programm allen Beschäftigten in indirekten Bereichen anzubieten.

Seiner Einschätzung nach könnte dies darauf hindeuten, dass BMW keine klar definierten Bereiche für den Stellenabbau festgelegt hat. Statt gezielt einzelne Strukturen zu überprüfen, setze das Unternehmen auf ein breit angelegtes Angebot, dessen Ergebnis nur schwer planbar sei.

BMW selbst stellt die breite Ausrichtung offenbar als Vorteil dar. Beschäftigte erhalten die Möglichkeit, das Unternehmen freiwillig zu verlassen. Zwangsbedingte Massenentlassungen wurden bislang nicht angekündigt.

Der tatsächliche Umfang des Stellenabbaus wird davon abhängen, wie viele Beschäftigte das Angebot annehmen und welche weiteren strukturellen Maßnahmen umgesetzt werden.

BMW-Führung spricht von veränderten Marktbedingungen

Bei der Mitarbeiterversammlung betonte Vorstandschef Milan Nedeljković, dass die Automobilindustrie vor einem grundlegenden Wandel stehe.

Nach Angaben von Teilnehmern erklärte der BMW-Chef, die Spielregeln in der Branche hätten sich deutlich verändert. Als zentrale Belastungsfaktoren nannte er Protektionismus, stärkeren internationalen Wettbewerb und einen veränderten Absatz auf wichtigen Märkten.

Nedeljković kritisierte zudem politische Zielvorgaben, die seiner Ansicht nach nicht immer mit den tatsächlichen Marktbedingungen übereinstimmen. Er forderte eine schnellere Optimierung interner Strukturen, Prozesse und Kosten.

Unterstützung erhielt die BMW-Führung vom bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Er forderte die Bundesregierung und die Europäische Union auf, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen für Industrieunternehmen zu verbessern.

Unternehmen benötigten verlässliche und international wettbewerbsfähige Voraussetzungen. Dazu zählten nach Ansicht Aiwangers unter anderem flexible Arbeitszeitregelungen und wettbewerbsfähige Lohnnebenkosten.

Ohne bessere Bedingungen könnten Unternehmen weitere Produktionsschritte ins Ausland verlagern.

BMW hatte bereits einen Personalrückgang angekündigt

Hinweise auf einen bevorstehenden Stellenabbau gab es bereits im Geschäftsbericht für das Jahr 2025. Darin hatte BMW für das folgende Jahr einen leichten Rückgang der Beschäftigtenzahl angekündigt.

Als „leichte“ Veränderung bezeichnet der Konzern üblicherweise eine Größenordnung von 1 bis 5 Prozent. Bei rund 154.000 Beschäftigten entspräche dies einem Abbau von etwa 1.500 bis 7.700 Stellen.

Die aktuelle Schätzung von rund 8.000 wegfallenden Arbeitsplätzen liegt damit nahe am oberen Ende der zuvor genannten Größenordnung.

Vor wenigen Wochen senkte die neue BMW-Führung außerdem die Gewinnprognose für 2026. Der Konzern rechnet inzwischen mit einem leichten Rückgang des Absatzes und einem deutlichen Einbruch des Ergebnisses.

Gleichzeitig kündigte das Unternehmen an, die laufenden Kostensenkungen zu verschärfen und zu beschleunigen. Dafür sollen zusätzliche strukturelle Maßnahmen und Effizienzprogramme umgesetzt werden.

Neuer Vorstandschef treibt Konzernumbau voran

Milan Nedeljković steht erst seit vergleichsweise kurzer Zeit an der Spitze von BMW. Nach dem Führungswechsel begann der Konzern, Managementstrukturen, Kosten und strategische Schwerpunkte neu zu bewerten.

Das geplante Personalprogramm könnte zu den ersten größeren Entscheidungen des neuen Vorstandschefs gehören. Es wird vor dem Hintergrund sinkender Gewinne und eines wachsenden Drucks auf die deutsche Automobilindustrie vorbereitet.

BMW galt lange als Hersteller, der besser als Volkswagen, Mercedes-Benz, Audi oder Porsche durch die Krise kommt. Der Konzern hatte weder mögliche Werksschließungen noch ein groß angelegtes Personalabbauprogramm angekündigt.

Sinkende Verkaufszahlen und rückläufige Gewinne zwingen das Management nun jedoch zu strengeren Maßnahmen. Der Schwerpunkt liegt auf Verwaltungs- und Unternehmensfunktionen, während Produktionsmitarbeiter zunächst ausgenommen bleiben sollen.

Deutsche Autobauer senken ihre Kosten

BMW ist der nächste große deutsche Autohersteller, der seine Kosten und seinen Personalbestand reduzieren will.

Zuvor hatten bereits Volkswagen, Mercedes-Benz und Porsche umfangreiche Sparprogramme angekündigt. Im Volkswagen-Konzern wurde zeitweise nicht nur über Stellenstreichungen, sondern auch über mögliche Werksschließungen diskutiert.

Im Vergleich dazu wirkt das BMW-Programm weniger hart. Der Konzern setzt vor allem auf freiwillige Lösungen und bezieht Beschäftigte in den Werken bislang nicht ein.

Dennoch zeigt die Entscheidung, dass die Krise inzwischen nahezu die gesamte deutsche Automobilindustrie erfasst hat. Die Hersteller kämpfen gleichzeitig mit einer schwachen Nachfrage, hohen Kosten, Handelsbarrieren und wachsender Konkurrenz aus China.

Absatz deutscher Marken in China deutlich gesunken

Eine der größten Herausforderungen für BMW bleibt die Entwicklung auf dem chinesischen Markt. China war über viele Jahre einer der wichtigsten Absatz- und Gewinnmärkte für deutsche Premiumhersteller.

In den vergangenen Monaten verkauften BMW, Mercedes-Benz und Audi in China rund 20 bis 30 Prozent weniger Fahrzeuge als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Chinesische Hersteller bauen ihren Marktanteil vor allem bei Elektroautos kontinuierlich aus. Sie bieten eine breite Modellpalette, moderne Softwarelösungen und häufig niedrigere Preise.

Deutsche Hersteller müssen deshalb Preisnachlässe gewähren, mehr Geld in neue Technologien investieren und ihre Modellreihen schneller erneuern. Das belastet die Profitabilität und erhöht den Druck, interne Kosten zu reduzieren.

Mit einer schnellen Erholung des China-Geschäfts rechnet BMW offenbar nicht. Deshalb muss der Konzern seine Kostenstruktur schneller an niedrigere Verkaufszahlen anpassen.

BMW ist keine Ausnahme mehr

Der Autoexperte Stefan Bratzel erklärte, BMW sei lange als Sonderfall unter den deutschen Herstellern betrachtet worden. Das Unternehmen erzielte stabilere Ergebnisse und vermied länger als andere Konzerne radikale Sparprogramme.

Nach seiner Einschätzung unterscheidet sich das Geschäftsmodell von BMW jedoch grundsätzlich nicht von dem anderer deutscher Autobauer. Auch BMW ist stark vom Export, vom chinesischen Markt, vom Premiumsegment und vom Übergang zur Elektromobilität abhängig.

Der Abbau von rund 8.000 Stellen soll dazu beitragen, die Fixkosten zu senken und die indirekten Unternehmensbereiche neu zu ordnen. Ein großer Teil der Veränderungen soll über freiwillige Vereinbarungen mit Beschäftigten erfolgen.

Die endgültigen Bedingungen, mögliche Abfindungen und der genaue Zeitplan sollen nach Abschluss der Gespräche zwischen Unternehmensleitung und Betriebsrat bekannt gegeben werden.

Lesen Sie auch: Tegut könnte in Deutschland verschwinden. Rund 300 Märkte sollen an Edeka, Rewe und weitere Händler gehen. Die Zukunft von 7.400 Beschäftigten ist offen.

Das könnte dir auch gefallen