Startseite WirtschaftTegut könnte in Deutschland verschwinden. Rund 300 Märkte sollen an Edeka, Rewe und weitere Händler gehen. Die Zukunft von 7.400 Beschäftigten ist offen.

Tegut könnte in Deutschland verschwinden. Rund 300 Märkte sollen an Edeka, Rewe und weitere Händler gehen. Die Zukunft von 7.400 Beschäftigten ist offen.

von Johanna Richter
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Tegut könnte in Deutschland verschwinden. Rund 300 Märkte sollen an Edeka, Rewe und weitere Händler gehen. Die Zukunft von 7.400 Beschäftigten ist offen.

Die deutsche Supermarktkette Tegut steht möglicherweise vor dem vollständigen Aus. Der Eigentümer, der Schweizer Handelskonzern Migros, will sich wegen der anhaltend schlechten wirtschaftlichen Lage von dem Unternehmen trennen. Betroffen sind rund 300 Märkte in mehreren Bundesländern sowie etwa 7.400 Beschäftigte. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu sol.de.

Zuerst hatte die Lebensmittel Zeitung über die geplante Schließung berichtet. Später bestätigte Migros, dass der Weiterbetrieb von Tegut in der bisherigen Form wirtschaftlich nicht mehr tragfähig sei.

Warum Migros Tegut aufgeben will

Nach Angaben des Unternehmens kämpft Tegut seit längerer Zeit mit erheblichen finanziellen Problemen. Auch umfassende Sparmaßnahmen und eine interne Restrukturierung hätten nicht ausgereicht, um das Geschäft dauerhaft profitabel zu machen.

Im vergangenen Jahr versuchte das Management, die Betriebskosten zu senken, interne Abläufe zu optimieren und die wirtschaftliche Lage der Märkte zu verbessern. Diese Maßnahmen führten jedoch nicht zu einer ausreichend stabilen Geschäftsgrundlage.

Nach einer erneuten Prüfung kam Migros zu dem Ergebnis, dass eine langfristig wirtschaftliche Fortführung nicht gewährleistet werden könne. Daraufhin begann der Konzern mit den Vorbereitungen für den Rückzug und den Verkauf einzelner Standorte.

Sollten sämtliche Transaktionen abgeschlossen werden, könnte die Marke Tegut vollständig vom deutschen Markt verschwinden. Das bedeutet allerdings nicht, dass alle Standorte dauerhaft geschlossen bleiben. Viele Märkte könnten unter neuen Eigentümern und mit neuen Namen weitergeführt werden.

Was mit den 7.400 Beschäftigten geschieht

Rund 7.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden bereits über die geplanten Veränderungen informiert. Ihre berufliche Zukunft hängt maßgeblich davon ab, welche Filialen verkauft und von neuen Betreibern übernommen werden.

Migros erklärte, eines der wichtigsten Ziele der Verkaufsverhandlungen sei der Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze. Werden Standorte von anderen Handelsunternehmen übernommen, könnte ein Teil der Beschäftigten dort weiterarbeiten.

Eine Beschäftigungsgarantie für die gesamte Belegschaft gibt es bislang jedoch nicht. Die konkreten Bedingungen hängen von den einzelnen Kaufverträgen, den Standorten und den Personalentscheidungen der Käufer ab.

Die besten Chancen bestehen für Beschäftigte in Märkten, die auch künftig als Lebensmittelgeschäfte genutzt werden. Für Filialen, für die sich kein Käufer findet, steigt dagegen das Risiko von Schließungen und Stellenabbau.

Edeka könnte rund 200 Märkte übernehmen

Als wichtigster Interessent für einen großen Teil des Tegut-Filialnetzes gilt Edeka. Nach Informationen der Lebensmittel Zeitung könnte das Unternehmen etwa 200 der rund 300 Standorte übernehmen.

Dem Bericht zufolge haben sich beide Seiten bereits grundsätzlich auf einen Verkauf verständigt. Abgeschlossen ist die Transaktion allerdings noch nicht, da das Bundeskartellamt zustimmen muss.

Die Behörde prüft, ob die Übernahme einer so großen Zahl von Märkten den Wettbewerb in einzelnen Städten und Regionen beeinträchtigen könnte. Im Fokus dürften vor allem Gebiete stehen, in denen Edeka bereits stark vertreten ist.

Ohne die Freigabe des Bundeskartellamts kann der Verkauf nicht vollzogen werden. Welche konkreten Filialen Teil des Geschäfts werden sollen, wurde bislang nicht öffentlich bekannt gegeben.

Auch Rewe und Aldi Nord zeigen Interesse

Neben Edeka führt Migros Gespräche mit Rewe. Der Handelskonzern prüft die Übernahme einer größeren Zahl von Standorten. Eine genaue Anzahl wurde bisher nicht offiziell genannt.

Auch Aldi Nord soll Interesse an einzelnen Tegut-Filialen haben. Für den Discounter kommen vor allem Standorte infrage, die sich hinsichtlich Größe, Lage und Infrastruktur für das eigene Verkaufskonzept eignen.

Als weiterer möglicher Käufer wird Tante Enso genannt. Das Unternehmen betreibt sogenannte Smart Stores und konzentriert sich vor allem auf kleinere Orte und ländliche Regionen.

Gerade dort ist die Weiterführung der Standorte besonders wichtig. In manchen Gemeinden gehört Tegut zu den wenigen Lebensmittelhändlern vor Ort. Eine vollständige Schließung könnte die Nahversorgung deutlich verschlechtern.

Das Filialnetz könnte daher auf mehrere Käufer verteilt werden. Zahlreiche Standorte würden dann zwar erhalten bleiben, künftig jedoch unter anderen Marken auftreten.

Bundeskartellamt genehmigt erste Verkäufe

Das Bundeskartellamt hat bereits eine erste Übernahme genehmigt. Tante Enso darf insgesamt 36 Tegut-Märkte übernehmen.

Die betroffenen Standorte befinden sich überwiegend in ländlichen Regionen Hessens, Bayerns und Thüringens. Nach Abschluss der Transaktion sollen sie unter dem Konzept des neuen Eigentümers weitergeführt werden.

Für kleinere Gemeinden hat diese Entscheidung eine besondere Bedeutung. In mehreren Orten ist Tegut einer der wenigen erreichbaren Supermärkte. Eine dauerhafte Schließung hätte dort unmittelbare Folgen für die Versorgung der Bevölkerung.

Über die geplanten Verkäufe an Edeka und Rewe hat das Bundeskartellamt noch nicht entschieden. Die Prüfverfahren laufen weiter.

In welchen Regionen Tegut vertreten ist

Tegut ist vor allem in Mittel- und Süddeutschland aktiv. Filialen gibt es unter anderem in Hessen, Thüringen, Bayern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg.

Das Unternehmen betreibt klassische Supermärkte und setzte bislang verstärkt auf regionale, ökologische und nachhaltig produzierte Lebensmittel. In kleineren Städten und Gemeinden übernehmen die Märkte teilweise eine wichtige Rolle für die lokale Versorgung.

Migros hatte Tegut im Jahr 2012 übernommen. Seitdem investierte der Schweizer Konzern in die Modernisierung der Filialen, neue Konzepte und die weitere Expansion.

Trotz dieser Investitionen blieb das Unternehmen unter starkem Kostendruck. Gleichzeitig musste sich Tegut gegen große Wettbewerber wie Edeka, Rewe, Aldi und Lidl behaupten.

Wann die Tegut-Märkte schließen könnten

Einen einheitlichen Schließungstermin für alle Filialen gibt es bislang nicht. Der weitere Zeitplan hängt von den laufenden Verkaufsverhandlungen, den Entscheidungen des Bundeskartellamts und der Übergabe an neue Eigentümer ab.

Standorte mit einem Käufer könnten ohne längere Unterbrechung weitergeführt oder vorübergehend für Umbauten geschlossen werden. Märkte, für die sich kein Interessent findet, dürften dagegen endgültig schließen.

Migros setzt die Gespräche mit potenziellen Käufern fort. Eine vollständige Liste der Standorte, die erhalten bleiben, wurde noch nicht veröffentlicht.

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