Startseite PolitikPutins teurer Krieg: Wie die Rekord-Aufrüstung die russische Bevölkerung ausblutet

Putins teurer Krieg: Wie die Rekord-Aufrüstung die russische Bevölkerung ausblutet

Russlands massive Aufrüstung treibt die Staatsausgaben in Rekordhöhen. Die finanzielle Last dafür trägt zunehmend die Bevölkerung durch Inflation und Steuererhöhungen.

von Wolfgang Baumer
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Putins teurer Krieg: Wie die Rekord-Aufrüstung die russische Bevölkerung ausblutet

Russland befindet sich in einem tiefgreifenden wirtschaftlichen Wandel, der alles dem Ziel der militärischen Stärke unterordnet. Während der Kreml Rekordsummen in die Rüstungsindustrie pumpt, wächst der Druck auf die zivile Wirtschaft und die privaten Haushalte. Wie wir bei das-unternehmer-wissen.de kontinuierlich beobachten, führen derartige makroökonomische Verschiebungen unweigerlich zu spürbaren Belastungen für den Durchschnittsbürger, der die ambitionierten Pläne der Führung letztlich finanzieren muss.

Der Haushalt 2025: Ein historischer Schwenk zur Rüstung

Der russische Staatshaushalt für das Jahr 2025 spricht eine deutliche Sprache. Die Prioritäten haben sich drastisch zugunsten des Militärs verschoben. Berichten zufolge plant der Kreml Ausgaben in Höhe von 13,5 Billionen Rubel (umgerechnet etwa 130 Milliarden Euro) allein für den Verteidigungssektor. Zählt man die Ausgaben für die „nationale Sicherheit“ hinzu, summiert sich der Betrag auf gigantische 17 Billionen Rubel.

Diese Zahlen bedeuten, dass rund 40 Prozent des gesamten russischen Staatsbudgets direkt in den Sicherheits- und Militärapparat fließen. Das ist ein historischer Höchststand in der postsowjetischen Geschichte Russlands und verdeutlicht die absolute Fokussierung auf die Fortführung des Krieges in der Ukraine. Im direkten Vergleich dazu wirken die Ausgaben für soziale Belange beinahe marginal; sie betragen nur etwa die Hälfte der Militärausgaben.

Die Finanzierungslücke: Wer zahlt die Rechnung?

Diese massiven Investitionen in Panzer, Raketen und Munition müssen finanziert werden. Da die Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft aufgrund westlicher Sanktionen und Preisschwankungen nicht mehr als alleinige Stütze dienen können, greift der Staat zunehmend in die Taschen seiner Bürger und Unternehmen.

Ab dem kommenden Jahr greift in Russland die größte Steuerreform der jüngeren Geschichte. Die Körperschaftssteuer für Unternehmen wird signifikant angehoben. Gleichzeitig wird die Einkommenssteuer progressiver gestaltet, was bedeutet, dass Besserverdienende einen größeren Anteil ihres Einkommens an den Fiskus abführen müssen. Diese Maßnahmen sollen die klaffende Lücke im Staatshaushalt schließen, die durch die explodierenden Rüstungskosten entstanden ist.

Inflation und Leitzins: Die unsichtbare Steuer

Neben den direkten Steuererhöhungen trifft die russische Bevölkerung eine noch perfidere, indirekte Belastung: die Inflation. Die offizielle Teuerungsrate liegt bei etwa neun Prozent, doch Experten gehen davon aus, dass die reale Inflation – insbesondere bei Lebensmitteln – deutlich höher liegt. Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln oder Butter haben sich drastisch verteuert, was vor allem Geringverdiener und Rentner hart trifft.

Um diese galoppierende Geldentwertung zu bekämpfen, sieht sich die russische Zentralbank unter Elvira Nabiullina zu drastischen Maßnahmen gezwungen. Der Leitzins wurde auf schwindelerregende 21 Prozent angehoben. Während dies die Inflation theoretisch dämpfen soll, würgt es gleichzeitig die zivile Wirtschaft ab. Kredite für Investitionen oder Konsum werden unbezahlbar. Nabiullina selbst warnte vor den Grenzen dieses Kurses und den Gefahren einer Stagflation – einer Kombination aus wirtschaftlichem Stillstand und hoher Inflation.

Die Kannibalisierung der Zivilwirtschaft

Ökonomen wie Janis Kluge von der Stiftung Wissenschaft und Politik warnen davor, sich von den offiziellen russischen Wachstumszahlen blenden zu lassen. Das gemeldete BIP-Wachstum sei in erster Linie ein „Rüstungsboom“. Der Staat pumpt Geld in die Rüstungsfabriken, die auf Hochtouren laufen und Arbeitskräfte mit hohen Löhnen vom zivilen Sektor abwerben.

Dies führt zu einem gravierenden Arbeitskräftemangel in der restlichen Wirtschaft und treibt die Lohnkostenspirale weiter an. Kluge beschreibt diesen Prozess als eine „Kannibalisierung“ der Zivilwirtschaft durch den Militärsektor. Ressourcen, Fachkräfte und Kapital werden dem produktiven, zivilen Teil der Ökonomie entzogen und in die Herstellung von Kriegsgütern gelenkt, die keinen nachhaltigen wirtschaftlichen Wert schaffen, sondern auf dem Schlachtfeld zerstört werden. Die langfristigen Folgen dieser einseitigen Ausrichtung dürften die russische Wirtschaftsstruktur noch auf Jahre hinaus prägen.

Information aus dem Originalartikel von Merkur.de via MSN

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