Für Unternehmer und Privatkunden gleichermaßen ist eine verlässliche digitale Finanzinfrastruktur die Grundvoraussetzung für reibungslose Abläufe. Doch diese Selbstverständlichkeit ist für Kunden der Postbank und ihrer Muttergesellschaft, der Deutschen Bank, derzeit erneut massiv gestört. Wie die Redaktion von das-unternehmer-wissen.de beobachtet, reißen die Meldungen über gravierende Ausfälle im Online- und Telefonbanking nicht ab. Was zunächst wie eine temporäre technische Störung aussah, manifestiert sich zunehmend als Fortsetzung einer tiefgreifenden IT-Krise, die das Vertrauen in die zweitgrößte Privatbanken-Marke Deutschlands weiter erodieren lässt.
Symptome der Krise: Wenn das Konto null anzeigt
Seit Beginn der Woche häufen sich die Beschwerden von Kunden auf diversen Plattformen und in sozialen Netzwerken. Die geschilderten Probleme sind vielfältig und für die Betroffenen gravierend. Viele Nutzer berichten, dass sie sich überhaupt nicht in ihr Onlinebanking einloggen können. Noch beunruhigender sind Fälle, in denen der Login zwar gelingt, das Konto jedoch einen Kontostand von „0,00 Euro“ anzeigt, obwohl Guthaben vorhanden sein müsste.
Die Störungen beschränken sich nicht nur auf das Web-Interface oder die Apps. Auch das Telefonbanking ist vielerorts nicht erreichbar, was Kunden faktisch von ihrer Liquidität abschneidet. Überweisungen können nicht getätigt, Zahlungseingänge nicht geprüft werden. Diese Situation besteht für viele Kunden bereits seit mehreren Tagen und betrifft sowohl Postbank- als auch direkte Deutsche Bank-Kunden.
Die Reaktion der Bank: Bekannte Muster
Auf Anfrage bestätigte eine Sprecherin der Deutschen Bank die Probleme. Es handele sich um eine „vorübergehende Störung“, von der „ein Teil unserer Kunden“ beim Online- und Mobile-Banking betroffen sei. Man arbeite mit Hochdruck an der Behebung und entschuldige sich für die Unannehmlichkeiten.
Diese Art der Kommunikation ist den Kunden der Postbank mittlerweile bestens bekannt. Die aktuellen Ausfälle wirken wie ein Déjà-vu der chaotischen Zustände des Vorjahres. Die wiederholten technischen Unzulänglichkeiten werfen die Frage auf, wie robust die IT-Systeme der Großbank tatsächlich sind und ob die Ursachen der vergangenen Krisen wirklich nachhaltig beseitigt wurden.
Der Kontext: Das schwierige Erbe der IT-Migration „Unity“
Um die aktuelle Situation einordnen zu können, ist ein Blick auf die jüngste Vergangenheit unerlässlich. Im Jahr 2023 führte die Deutsche Bank das Großprojekt „Unity“ durch – die Migration von Millionen Postbank-Kundendaten auf die IT-Plattform der Deutschen Bank. Dieser Schritt, der eigentlich Synergien heben und Kosten senken sollte, entwickelte sich zu einem monatelangen Desaster.
Kunden hatten über Wochen keinen Zugriff auf ihre Konten, Baufinanzierungen verzögerten sich, Pfändungsschutzkonten wurden nicht korrekt bearbeitet. Das Ausmaß der Probleme war so gravierend, dass die Finanzaufsicht Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) einen Sonderbeauftragten entsandte, um die Abarbeitung der Rückstände zu überwachen – ein bis dahin einmaliger Vorgang bei einer deutschen Großbank.
Vertrauensverlust und geschäftliche Auswirkungen
Zwar hatte das Management der Deutschen Bank das IT-Migrationsprojekt offiziell für beendet erklärt und Besserung gelobt, doch die aktuellen massiven Störungen deuten darauf hin, dass die Systeme nach wie vor instabil sind. Für Geschäftskunden, die auf sofortige Liquiditätsübersicht und Zahlungsfähigkeit angewiesen sind, sind solche wiederkehrenden Ausfälle ein erhebliches Risiko. Die anhaltende technische Unzuverlässigkeit beschädigt das Image der Bank nachhaltig und stellt die digitale Kompetenz des Instituts in Frage.