Startseite AktuellesIn Deutschland hat sich die Zahl der mit hohem LDL verbundenen Todesfälle seit 1990 fast halbiert. Die durchschnittlichen Cholesterinwerte bleiben jedoch zu hoch.

In Deutschland hat sich die Zahl der mit hohem LDL verbundenen Todesfälle seit 1990 fast halbiert. Die durchschnittlichen Cholesterinwerte bleiben jedoch zu hoch.

von Johanna Richter
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In Deutschland hat sich die Zahl der mit hohem LDL verbundenen Todesfälle seit 1990 fast halbiert. Die durchschnittlichen Cholesterinwerte bleiben jedoch zu hoch.

In Deutschland hat sich die gesundheitliche Belastung durch einen erhöhten Spiegel des sogenannten LDL-Cholesterins in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verringert. Nach Berechnungen einer internationalen Forschungsgruppe sank die Zahl der Todesfälle, die mit diesem Risikofaktor in Verbindung gebracht werden, zwischen 1990 und 2023 von rund 124.000 auf etwa 64.000 pro Jahr. Gleichzeitig ging auch die Zahl der gesunden Lebensjahre zurück, die durch die Folgen eines zu hohen LDL-Werts verloren gehen.

Trotz dieser Entwicklung bleibt das Problem relevant. Der durchschnittliche LDL-Cholesterinspiegel in Deutschland liegt weiterhin über den empfohlenen Werten für Menschen ohne zusätzliche kardiovaskuläre Risikofaktoren.

Hohes LDL bleibt ein zentraler Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

LDL wird häufig als „schlechtes“ Cholesterin bezeichnet. Ein erhöhter LDL-Spiegel kann dazu beitragen, dass sich Cholesterin in den Gefäßwänden ablagert und atherosklerotische Veränderungen entstehen. Dadurch steigt langfristig das Risiko für koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt und Schlaganfall.

Besonders problematisch ist, dass erhöhte Blutfettwerte über lange Zeit keine typischen Beschwerden verursachen müssen. Betroffene wissen daher häufig erst nach einer Blutuntersuchung oder nach dem Auftreten von Komplikationen von ihren erhöhten Werten.

Die neue Analyse zur globalen Krankheitslast zeigt, wie groß das Problem weiterhin ist. Im Jahr 2023 wurden weltweit rund 3,6 Millionen Todesfälle mit einem erhöhten LDL-Cholesterinspiegel in Verbindung gebracht. Das entspricht etwa sechs Prozent aller Todesfälle weltweit.

Für die Auswertung berücksichtigten die Forschenden Daten aus rund 800 Studien mit insgesamt etwa 4,7 Milliarden erfassten Personen. Zusätzlich zur aktuellen Situation untersuchten sie die Entwicklung über mehrere Jahrzehnte.

Weltweit nimmt der Verlust gesunder Lebensjahre weiter zu

Die globale Entwicklung unterscheidet sich deutlich von der Situation in Deutschland. Nach Einschätzung der Forschungsgruppe stieg die Zahl der durch einen erhöhten LDL-Spiegel verlorenen gesunden Lebensjahre in den vergangenen drei Jahrzehnten weltweit um rund 40 Prozent.

Eine Rolle spielen dabei unter anderem das Wachstum der Weltbevölkerung, die zunehmende Alterung sowie die hohe Verbreitung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hinzu kommen große Unterschiede beim Zugang zu Diagnostik und medizinischer Behandlung.

Besonders schwierig ist die Lage in Ländern mit niedrigerem sozioökonomischem Niveau. Dort ist es für viele Menschen schwieriger, ihre Blutfettwerte regelmäßig kontrollieren zu lassen oder cholesterinsenkende Medikamente zu erhalten.

Da ein erhöhter LDL-Spiegel in der Regel keine unmittelbaren Symptome verursacht, kann er über Jahre unentdeckt bleiben. Ohne Blutuntersuchung lässt sich die Veränderung oft nicht erkennen.

Deutschland verzeichnet seit 1990 deutliche Fortschritte

Im Vergleich zur weltweiten Entwicklung hat sich die Situation in Deutschland deutlich verbessert. Zwischen 1990 und 2023 halbierte sich die Zahl der Todesfälle, die einem erhöhten LDL-Cholesterinspiegel zugerechnet werden, nahezu.

Auch bei den verlorenen gesunden Lebensjahren zeigt die Studie eine klare Verbesserung. Trotzdem bleiben die absoluten Zahlen hoch.

Nach den Berechnungen waren im Jahr 2023 in Deutschland etwa 64.000 Todesfälle mit einem erhöhten LDL-Spiegel verbunden. Zusätzlich gingen durch Erkrankungen, die mit diesem Risikofaktor zusammenhängen, rund 120.000 gesunde Lebensjahre verloren.

Der durchschnittliche LDL-Wert in Deutschland liegt bei mehr als 128 Milligramm pro Deziliter. Bei gesunden Menschen ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ohne zusätzliche Risikofaktoren sollte der LDL-Wert in der Regel unter 116 Milligramm pro Deziliter liegen.

Bei Menschen mit Diabetes, koronarer Herzkrankheit, einem früheren Herzinfarkt, Schlaganfall oder anderen bedeutenden Risikofaktoren gelten häufig deutlich niedrigere Zielwerte. Welche Grenze im Einzelfall anzustreben ist, hängt vom individuellen Herz-Kreislauf-Risiko ab.

Medikamente gelten als wichtiger Grund für den Rückgang

Als einen der wichtigsten Gründe für die positive Entwicklung nennen Fachleute den breiteren Einsatz von Medikamenten zur Senkung des Cholesterinspiegels. Eine zentrale Rolle spielen dabei Statine.

Professor Heribert Schunkert, Direktor der Kardiologie am Deutschen Herzzentrum des Universitätsklinikums der Technischen Universität München und stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung, führt den deutlichen Rückgang der Krankheitslast vor allem auf die medikamentöse Therapie zurück.

Nach Einschätzung des Kardiologen spielt die Vererbung bei erhöhten Cholesterinwerten eine große Rolle. In solchen Fällen reichen Ernährungsumstellungen häufig nicht aus, um den LDL-Wert ausreichend zu senken. Medikamente können dann deutlich wirksamer sein.

Für Patientinnen und Patienten, die Statine nicht vertragen oder mit ihnen ihre Zielwerte nicht erreichen, stehen inzwischen weitere Behandlungsoptionen zur Verfügung. Welche Therapie eingesetzt wird, hängt vom individuellen Risiko und den Blutwerten ab.

Statine bleiben ein zentrales Mittel zur Senkung des LDL-Werts

Auch die internationale Untersuchung hebt die Bedeutung von Statinen bei der Vorbeugung kardiovaskulärer Erkrankungen hervor. Bei geeigneten Patientinnen und Patienten können sie den LDL-Spiegel deutlich reduzieren und damit das Risiko für Folgeerkrankungen der Arteriosklerose senken.

Allerdings werden Statine selbst in Ländern mit guter medizinischer Versorgung nicht bei allen Menschen eingesetzt, die davon profitieren könnten. Als einen möglichen Grund sehen Fachleute Vorbehalte gegenüber möglichen Nebenwirkungen.

Professor Ulrich Laufs vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und von der Universitätsmedizin Leipzig verweist darauf, dass große wissenschaftliche Untersuchungen eine Verringerung des Herzinfarkt- und Schlaganfallrisikos durch Statine belegen.

Die Auswahl des Präparats, die Dosierung und die Kontrolle der Blutwerte sollten individuell erfolgen. Eine medikamentöse Therapie sollte weder ohne ärztliche Rücksprache begonnen noch eigenständig beendet werden.

Ernährung und Bewegung bleiben wichtige Bausteine

Medikamente sind nicht die einzige Möglichkeit, das Herz-Kreislauf-Risiko zu reduzieren. Auch eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ein gesundes Körpergewicht und der Verzicht auf Rauchen spielen eine wichtige Rolle.

Wie stark eine Ernährungsumstellung den LDL-Wert beeinflusst, ist jedoch von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Ist ein hoher Cholesterinspiegel überwiegend genetisch bedingt, kann eine Ernährungsanpassung allein möglicherweise nicht ausreichen, um die empfohlenen Werte zu erreichen.

Zur Prävention gehören zudem die Kontrolle des Blutdrucks und des Blutzuckerspiegels. Diese Faktoren werden zusammen mit Alter, Rauchen, familiärer Vorbelastung und Blutfettwerten genutzt, um das individuelle Herz-Kreislauf-Risiko zu bestimmen.

Auch weniger Rauchen und eine bessere Blutdruckkontrolle wirken sich aus

Der Rückgang der koronaren Herzkrankheit in Deutschland lässt sich nicht allein mit niedrigeren Cholesterinwerten erklären. Gleichzeitig haben sich weitere Risikofaktoren verändert.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde Bluthochdruck häufiger erkannt und behandelt. Zudem ist der Anteil der Rauchenden in Teilen der Bevölkerung zurückgegangen. Gleichzeitig haben sich Diagnostik und Therapie akuter Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiterentwickelt.

Nach Angaben von Heribert Schunkert hat sich die Krankheitslast der koronaren Herzkrankheit in Deutschland innerhalb von etwa 40 Jahren deutlich verringert. Altersbereinigt liegt die Zahl der Fälle demnach rund 75 Prozent niedriger als vor vier Jahrzehnten.

Damit treten schwere Folgen der koronaren Herzkrankheit heute in vergleichbaren Altersgruppen seltener auf als früher.

Deutschland liegt weiterhin hinter Frankreich und der Schweiz

Trotz der deutlichen Fortschritte schneidet Deutschland bei einigen Vergleichswerten schlechter ab als Nachbarländer wie Frankreich und die Schweiz.

Nach den vorliegenden Schätzungen verlieren Menschen in Deutschland durch koronare Herzkrankheit im Durchschnitt etwa zwei gesunde Lebensjahre mehr als Einwohner dieser Länder.

Als möglicher Faktor gelten Unterschiede beim LDL-Cholesterinspiegel und bei dessen Behandlung. In Frankreich und der Schweiz wird die gesundheitliche Belastung durch erhöhtes Cholesterin im Durchschnitt niedriger eingeschätzt.

Obwohl sich die mit hohem LDL verbundenen Todesfälle in Deutschland zwischen 1990 und 2023 nahezu halbiert haben, bleibt ein erhöhter LDL-Spiegel damit einer der wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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