Das Klimaphänomen El Niño könnte das Wetter in Deutschland bereits zum Ende des Herbstes deutlich beeinflussen. Meteorologen erwarten einen überdurchschnittlich warmen und feuchten November. Gleichzeitig könnte eine starke Westströmung für mehr Stürme sorgen. Erste Einschätzungen deuten zudem auf einen milden Winter hin, in dem vor allem in den Tieflagen nur wenig Schnee fallen könnte. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu focus.
Warum der November in Deutschland stürmisch werden könnte
Nach Einschätzung des Meteorologen Jan Schenk macht sich der Einfluss von El Niño auf die Wetterentwicklung in Deutschland statistisch besonders häufig im November bemerkbar. In diesem Jahr könnte der Monat durch höhere Temperaturen, viel Niederschlag und eine rege Tiefdrucktätigkeit geprägt sein.
Eine entscheidende Rolle spielt dabei der Jetstream, eine starke Luftströmung in großer Höhe. Ein ausgeprägter Temperaturunterschied zwischen tropischen und polaren Regionen kann die westliche Strömung verstärken.
Eine vergleichbare Konstellation war während des starken El-Niño-Ereignisses 2015/2016 zu beobachten. Hohe Temperaturen in den Tropen trafen damals auf deutlich kältere Luft in den Polarregionen. Der dadurch verstärkte Temperaturgradient begünstigte kräftige Höhenwinde.
Wie El Niño den Jetstream beeinflusst
El Niño entsteht im tropischen Pazifik. Die damit verbundenen Veränderungen in der Atmosphäre können jedoch weit über diese Region hinausreichen.
Ein kräftiger pazifischer Jetstream beeinflusst großräumige atmosphärische Wellen. Diese können sich weiter nach Osten ausbreiten und indirekt auch die Luftzirkulation über dem Nordatlantik und Europa verändern.
Für Deutschland könnte dies bedeuten, dass häufiger feuchte und vergleichsweise milde Luftmassen aus westlichen Richtungen herangeführt werden. Gleichzeitig steigt bei einer entsprechenden Wetterlage die Wahrscheinlichkeit kräftiger Atlantiktiefs mit starkem Wind und Niederschlägen.
Ein direkter Zusammenhang zwischen jedem einzelnen Sturm in Europa und El Niño besteht allerdings nicht. Entscheidend ist vielmehr der Einfluss des globalen Klimaphänomens auf die großräumige atmosphärische Zirkulation.
Atlantische Stürme könnten im November häufiger werden
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Zugbahn der Tiefdruckgebiete über dem Nordatlantik. In einigen früheren El-Niño-Jahren entstanden atmosphärische Bedingungen, unter denen sich Sturmsysteme über dem Atlantik besonders dynamisch in Richtung Europa bewegen konnten.
Nach Einschätzung von Schenk könnte sich dieser Effekt im November 2026 deutlich bemerkbar machen. Ein starker Jetstream kann die schnelle Verlagerung von Tiefdruckgebieten unterstützen und dazu beitragen, dass mehrere Tiefs innerhalb kurzer Zeit aufeinanderfolgen.
Für Deutschland und die angrenzenden Länder würde eine solche Wetterlage vor allem wechselhaftes Wetter bedeuten. Phasen mit starkem Wind könnten sich mit Regen und kurzen ruhigeren Abschnitten abwechseln.
Der Dezember könnte ungewöhnlich mild bleiben
Die Tendenz zu einer ausgeprägten Westströmung könnte sich bis zum Beginn des meteorologischen Winters fortsetzen. Nach der derzeitigen Einschätzung dürfte insbesondere der Dezember überwiegend mild ausfallen.
Westliche Winde transportieren vergleichsweise warme Atlantikluft nach Mitteleuropa. Bei einer solchen Wetterlage werden längere Perioden mit strengem Frost vor allem in den Tieflagen weniger wahrscheinlich.
Kurzzeitige Kälteeinbrüche lassen sich in einer langfristigen Prognose dennoch nicht ausschließen. Die weitere Entwicklung hängt unter anderem vom Zustand des Polarwirbels und von den Vorgängen in der Stratosphäre ab.
Welche Rolle der Polarwirbel im Winter spielt
Ein Faktor, der das erwartete Winterszenario verändern könnte, ist der Polarwirbel. Eine deutliche Abschwächung oder Störung des Wirbels kann unter bestimmten Bedingungen dazu führen, dass sehr kalte Luft aus der Arktis weit nach Süden bis nach Europa gelangt.
Ein solches Szenario wäre grundsätzlich auch im Januar oder Februar möglich. Jan Schenk hält diese Entwicklung derzeit jedoch für weniger wahrscheinlich.
Nach aktueller Einschätzung tragen die Winde in der Stratosphäre zur Stabilisierung des Polarwirbels bei. Bleibt diese Konstellation bestehen, könnte die kräftige Westströmung über einen erheblichen Teil der Wintersaison dominieren.
In den Tieflagen könnte der Winter fast ohne Schnee bleiben
Das Zusammenspiel aus El Niño, hohen globalen Temperaturen und einer starken Westströmung schafft Voraussetzungen für einen sehr milden Winter in Deutschland.
Besonders deutlich könnte sich dies in den Tieflagen zeigen. Liegen die Temperaturen häufig über dem Gefrierpunkt, fällt ein großer Teil der winterlichen Niederschläge als Regen. Eine länger anhaltende Schneedecke wäre unter solchen Bedingungen entsprechend seltener.
In höheren Lagen kann die Situation anders aussehen. Wegen der niedrigeren Temperaturen bleibt Schnee dort auch während eines insgesamt milden Winters deutlich wahrscheinlicher.
Das derzeitige Szenario deutet damit auf einen überwiegend milden und feuchten Winter mit einer ausgeprägten Westströmung hin. Wie sich das Wetter in einzelnen Wochen entwickelt, wird jedoch auch von der Lage des Jetstreams, der Aktivität der Atlantiktiefs und der Entwicklung des Polarwirbels abhängen.
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