Ein Pkw-Führerschein kostet nach Angaben des Verkehrsministeriums im Schnitt rund 3.400 Euro. Das soll sinken: Der Bundestag will am heutigen Donnerstag über den ersten Teil einer Reform abstimmen, der Verkehrsausschuss hat ihr am Mittwoch mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD in geänderter Fassung zugestimmt. Bis zum Mittag lag noch kein Abstimmungsergebnis vor. Die wesentlichen Regeln sollen am 1. Juli 2027 gelten, ein halbes Jahr später als ursprünglich geplant. Danach fehlt noch der Bundesrat, auch für eine Verordnung zu Sonderfahrten und Prüfungen. Für Unternehmen geht es um drei Dinge: das Geschäftsmodell der Fahrschulen, die Kosten für Nachwuchskräfte und mögliche Folgen für Fahrzeughalter.
Was sich laut Gesetzentwurf und Verordnung ändern soll
Die Angaben stammen aus den Unterlagen des Bundestags sowie aus dpa-Berichten vom 5. November.
| Bereich | Heute | Künftig |
|---|---|---|
| Theorieunterricht | Präsenzpflicht in der Fahrschule | per App, hybrid oder vor Ort; die Fahrschule entscheidet über ihr Angebot |
| Fragenkatalog | mehr als 1.100 Fragen | deutlich kleiner, laut ADAC rund 30 Prozent weniger |
| Sonderfahrten Pkw | zwölf zu je 45 Minuten: fünf Überland, vier Autobahn, drei Nacht | weiter Überland, Autobahn und Nacht, aber keine feste Zahl; Umfang nach Fähigkeiten und Einschätzung des Fahrlehrers |
| Praktische Prüfung Klasse B | 30 Minuten Fahrzeit, 55 Minuten gesamt | mindestens 25 Minuten Fahrzeit, 40 Minuten gesamt |
| Preise | – | Preise und Bestehensquoten in einer Online-Datenbank |
| Prüfer | Ingenieursqualifikation erforderlich | entfällt |
Die zwölf Sonderfahrten entsprechen neun Zeitstunden. Dazu fallen viele Dokumentationspflichten weg, die Union nennt außerdem geringere Anforderungen an Schulungsräume. Das Fragenpensum wird laut ADAC kleiner, der geforderte Wissensumfang bleibt aber gleich, weil er EU-weit vorgegeben ist.

Übungsfahrten mit Eltern oder Bekannten
Am stärksten umstritten ist die sogenannte Laienausbildung. Sie steht Fahrschülern offen, die die Theorieprüfung bestanden und mindestens sechs Fahrstunden absolviert haben. Die Begleitperson braucht seit mindestens sieben Jahren einen Pkw-Führerschein, darf höchstens einen Punkt in Flensburg haben und muss dem Schüler nahestehen. Im Ausschuss kamen Verschärfungen hinzu: Die Begleitperson soll praktisch in der Fahrschule vorbereitet werden, die SPD nennt zudem eine verpflichtende Begleitfahrt mit einem Fahrlehrer und eine wissenschaftliche Auswertung der Reform.
Bundesweit gilt die Regel nicht automatisch. Jedes Land muss sie per eigener Verordnung einführen, sodass Betriebe mit Standorten in mehreren Ländern mit unterschiedlichen Regeln rechnen müssen. Der ADAC lehnt das Wort „Laienausbildung“ ab und spricht von Übungsstunden im vertrauten Umfeld. Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände weist das Modell grundsätzlich zurück.
Wie viel Fahrschüler wirklich sparen
Eine feste Summe gibt es nicht, und die Reform garantiert keinen Preisnachlass. Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) nannte der „Welt“ mehrere hundert Euro, im besten Fall bis zu 1.000 Euro. Rechnerisch wären das rund 2.400 statt 3.400 Euro. Der ADAC hält im besten Fall bis zu ein Drittel für möglich, also etwa 1.130 Euro. Kurt Bartels von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände kann die 1.000-Euro-Rechnung nicht nachvollziehen, der Verband Moving hält sie für unrealistisch.
Grüne und Linke warnen vor Verschiebungen: Statt Sonderfahrten könnten mehr normale Fahrstunden gebucht werden. Beide nennen außerdem höhere Versicherungsbeiträge für Fahrzeughalter, was der Parlamentarische Staatssekretär Christian Hirte (CDU) im Ausschuss für denkbar hielt. Beträge nennen die vorliegenden Berichte dazu nicht. Der CDU-Abgeordnete Henning Rehbaum verweist darauf, dass das Einsparpotenzial für jährlich rund 800.000 Fahrschüler auch von der Ausgestaltung im Bundesrat abhängt.
Was Fahrschulen jetzt planen können
Theorie als Kostenfrage
Wer weiter im Schulungsraum unterrichtet, konkurriert ab Juli 2027 mit Anbietern, die Theorie per App liefern und Raumkosten sparen. Zu rechnen ist deshalb, was Raum, Miete und Personal für den Präsenzunterricht je Fahrschüler kosten und welche Lernsoftware das ersetzen oder ergänzen könnte. Hybridmodelle sind ausdrücklich vorgesehen.
Bestehensquote wird zum Verkaufsargument
Mit der Datenbank werden Preise und Quoten vergleichbar, Portale dürfen die Daten nutzen. Damit wird die Bestehensquote sichtbar, und ein niedriger Grundpreis verliert an Wert, wenn viele Schüler durchfallen. Gerade nicht bestandene Prüfungen zählen laut einer Stellungnahme des Fahrlehrers Gerhard Tiessen zu den Kostentreibern, neben Fahrstunden, Personal und Fahrzeugen.
Mehr Prüfungen pro Tag
Das Ministerium erhofft sich von der kürzeren Prüfung kürzere Wartezeiten. In acht Stunden passen ohne Pausen rechnerisch knapp neun Prüfungen zu 55 Minuten und zwölf zu 40 Minuten. Das ist eine Obergrenze und keine Prognose, zeigt aber, dass ein Engpass bei den Terminen kleiner werden kann. Fahrschulen können ihre Disposition daran ausrichten, sobald die Verordnung steht.
Was Arbeitgeber und Fuhrparks prüfen sollten
Führerschein als Zusatzleistung
Wer Auszubildenden oder Neueingestellten den Pkw-Führerschein bezahlt, zahlt nach aktuellem Recht in der Regel steuerpflichtigen Arbeitslohn. Das gilt als Grundsatz, wie beim Weihnachtsgeld fallen also Abgaben an. Anders kann es bei einer besonderen Fahrerlaubnis liegen, die unmittelbare Voraussetzung für die Tätigkeit ist, etwa beim Lkw: Fachbeiträge von Haufe und IWW nennen dafür den steuerfreien Auslagenersatz nach § 3 Nr. 50 EStG und das überwiegend eigenbetriebliche Interesse. Das sollte im Einzelfall die Steuerberatung klären. Wer heute einen Zuschuss kalkuliert, sollte die aktuellen Preise ansetzen, weil eine Entlastung vor dem Inkrafttreten nicht vorgesehen ist.
Firmenwagen und Versicherung
Die uns vorliegenden Berichte sagen nichts zu Übungsfahrten mit Firmenfahrzeugen. Fuhrparkverantwortliche sollten deshalb vor dem Start in den jeweiligen Ländern klären, ob ihre Überlassungsverträge solche Fahrten erlauben und wie der Versicherer sie behandelt. Für Halter von Dienstwagen ist die Frage nach möglichen Beitragsänderungen auch in der Budgetrunde 2027 sinnvoll, neben den Themen, die die Lockerung beim Verbrenner-Aus ohnehin aufwirft.
Fahrerlaubnis im Blick behalten
Die genannten Zahlen zu Sonderfahrten und Prüfung beziehen sich auf den Pkw. Bei schweren Fahrzeugen kommt es weiter auf die passende Klasse an, wie der Fall des Cybertrucks auf der A99 gezeigt hat. An der Führerscheinkontrolle im Fuhrpark ändert die Reform nach den vorliegenden Angaben nichts.
Offen bleiben der Termin im Bundesrat, der genaue Wortlaut der Verordnung und die Entscheidung der einzelnen Länder zu den Übungsfahrten.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Stand: 5. November 2026, mittags, vor der Schlussabstimmung im Bundestag.
Titelbild: Foto: ManuelB701, CC0, via Wikimedia Commons