In Ingolstadt endet der Verkauf am 31. Oktober, in Eckernförde und Mülheim an der Ruhr am 14. November: Der Renovierungsdiscounter Tedox gibt drei weitere Märkte auf. Auf den Filialseiten steht inzwischen der Hinweis „Filiale schließt“, in den betroffenen Märkten läuft ein Räumungsverkauf. Nach Berichten von t-online und Berliner Kurier liegen die Nachlässe bei 30 Prozent, in Ingolstadt nach mehreren Berichten bei 50 Prozent. Hinweise auf eine Insolvenz gibt es nach allem, was bislang öffentlich bekannt ist, nicht.

Für Stammkunden, Malerbetriebe und Bodenleger, die bei Tedox Material kaufen, stellen sich jetzt ganz praktische Fragen, und zwar nicht nur in den drei betroffenen Städten: Was passiert mit Gutscheinen, an wen wendet man sich bei Mängeln, und lohnt sich der Rabatt wirklich?
Welche Tedox-Filialen 2026 schließen oder schon geschlossen sind
Eine vollständige Liste gibt es nicht. Aus Medienberichten und der Filialsuche auf der Tedox-Website lässt sich der aktuelle Stand aber recht genau rekonstruieren.
Aktuelle Schließungen im Herbst
- Ingolstadt (Bayern): letzter Verkaufstag am Samstag, 31. Oktober 2026.
- Eckernförde (Schleswig-Holstein): letzter Verkaufstag am 14. November 2026.
- Mülheim an der Ruhr (NRW): letzter Verkaufstag ebenfalls am 14. November 2026.
Bereits geschlossene Märkte
Im Laufe des Jahres haben die Märkte in Hof und Erding (Bayern), Beckum (NRW), Lugau (Sachsen) und Gardelegen (Sachsen-Anhalt) zugemacht. Beckum und Hof schlossen nach Angaben des Berliner Kuriers am 23. Mai, in Hof betrieb Tedox das kleinere Format „Tedox kompakt“. Gardelegen schloss Anfang Oktober nach gut zwei Jahren, Lugau Mitte Oktober.
Cham folgt 2027, Borken bekommt einen neuen Markt
Für Cham ist die Schließung für September 2027 angekündigt. Tedox-Prokurist Thomas Hürter bestätigte das dem Portal „Bayerwald-Echo“, die „Mittelbayerische Zeitung“ nennt wirtschaftliche Gründe. Gleichzeitig plant das Unternehmen einen neuen Markt in Borken-Gemen (NRW), der laut „Borkener Zeitung“ Ende Februar oder Anfang März 2027 öffnen soll.
Warum Tedox die Standorte aufgibt
Die Gründe unterscheiden sich je nach Standort, und für mehrere Märkte hat Tedox keine genannt. Im Fall Mülheim betont das Unternehmen, die Entscheidung sei nicht von Tedox ausgegangen. Hürter sagte der WAZ: „Wir hätten keinen Grund, den Standort Mülheim an der Ruhr zu verlassen.“ Ob dahinter etwa ein nicht verlängerter Mietvertrag steckt, hat das Unternehmen nicht gesagt.
Tedox wurde 1972 als „Teppich Domäne Harste“ gegründet und 2007 umbenannt. Die tedox KG mit Sitz in Bovenden-Harste bei Göttingen betreibt nach eigenen Angaben mehr als 125 Filialen und beschäftigt rund 3.000 Menschen; je nach Quelle schwankt die Zahl der Märkte zwischen gut 100 und rund 125. Gemessen daran betreffen die Schließungen einen kleinen Teil des Filialnetzes. Wie viele Beschäftigte betroffen sind und ob sie an andere Standorte wechseln können, hat Tedox nicht mitgeteilt.
Wie schwierig das Umfeld für Bau- und Heimwerkermärkte sein kann, hat zuletzt der Fall Hellweg nach der Insolvenz gezeigt. Tedox verlagert dagegen nach bisherigem Stand Fläche von einzelnen Standorten an neue.

Was Kunden mit Gutscheinen und Reklamationen tun sollten
Ansprüche aus einem Kauf überdauern die Filiale. Vertragspartner ist die tedox KG als Unternehmen.
Gutscheine bleiben gültig
Tedox-Gutscheine lassen sich nach Unternehmensangaben im Onlineshop und in allen anderen Filialen einlösen. Eine Barauszahlung schließen die Gutscheinbedingungen aus. Wer einen Gutschein aus einer schließenden Filiale hat, muss ihn also nicht vor dem letzten Verkaufstag ausgeben.
Wie lange ein Gutschein gilt
Ohne abweichende, wirksame Befristung gilt die regelmäßige Verjährungsfrist von drei Jahren (§ 195 BGB). Sie beginnt mit dem Ende des Jahres, in dem der Gutschein gekauft wurde. Ein im Jahr 2026 erworbener Gutschein kann demnach bis zum 31. Dezember 2029 eingelöst werden. Bei Gutscheinkarten mit Guthaben lohnt es sich, den Restbetrag vorher über die Website zu prüfen, dafür braucht man Kartennummer und PIN.
Gewährleistung läuft über das Unternehmen
Für neue Ware gilt die gesetzliche Mängelhaftung von zwei Jahren (§ 438 BGB). Zeigt sich ein Mangel innerhalb des ersten Jahres nach dem Kauf, wird bei Verbrauchern vermutet, dass er schon bei der Übergabe vorlag (§ 477 BGB). Reklamationen nimmt jede andere Tedox-Filiale oder der Kundenservice entgegen. Den Kassenbon sollte man aufbewahren, gerade bei Bodenbelägen oder Tapeten aus dem Abverkauf, deren Mängel oft erst bei der Verarbeitung auffallen.
Ein Umtauschrecht ohne Mangel gibt es im Laden gesetzlich nicht. Ob ein Händler kulant umtauscht, ist seine Entscheidung, und bei geschlossenen Märkten ist der Weg zur nächsten Filiale oft weit. Nur bei Bestellungen im Onlineshop besteht ein gesetzliches Widerrufsrecht von 14 Tagen.
Was der Räumungsverkauf für Handwerksbetriebe bedeutet
Für kleine Malerbetriebe, Raumausstatter und Bodenleger kann der Abverkauf interessant sein, um Lager aufzufüllen. Ob es sich rechnet, hängt an drei Punkten.
Preise vergleichen statt Prozente zählen
Ein Nachlass von 30 oder 50 Prozent sagt wenig, solange der Ausgangspreis nicht klar ist. Sinnvoll ist ein Vergleich mit dem Onlinepreis plus Versand: Laut den Geschäftsbedingungen kostet ein Paket 5,50 Euro, Sperrgut 9 Euro, eine Speditionslieferung 90 bis 150 Euro. Bei großen Mengen Bodenbelag kann der Abholpreis im Räumungsverkauf deshalb klar günstiger sein, bei Kleinteilen fällt der Vorteil kleiner aus. Händler müssen bei Preisermäßigungen den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage angeben. Welche Regeln dafür gelten, haben wir im Beitrag zum Black Friday und der 30-Tage-Preisregel zusammengefasst.
Rügepflicht bei gewerblichen Käufen
Wer als Kaufmann einkauft, etwa als Handwerksbetrieb in der Rechtsform einer GmbH oder als eingetragener Kaufmann, muss gelieferte Ware nach § 377 HGB unverzüglich untersuchen und Mängel ebenso unverzüglich anzeigen. Wird das versäumt, gilt die Ware in vielen Fällen als genehmigt. Bei Restposten mit unterschiedlichen Chargen ist das besonders relevant: Farbabweichungen bei Tapeten oder Fliesen sollten direkt nach dem Kauf geprüft und dokumentiert werden, bevor das Material auf die Baustelle geht.
Chargen und Nachkauf planen
Mit der Schließung entfällt für Betriebe in der Region die Möglichkeit, kurzfristig nachzukaufen. Wer für einen Auftrag Bodenbelag oder Tapete aus dem Abverkauf nimmt, sollte von vornherein mit Reserve kalkulieren. Eine spätere Nachbestellung derselben Charge ist über andere Filialen oder den Onlineshop nicht garantiert.
Was die Schließungen für Vermieter und Standorte bedeuten
Für Fachmarktzentren und Gewerbevermieter in Ingolstadt, Eckernförde und Mülheim stellt sich die Frage der Nachvermietung. Renovierungs- und Heimtextilflächen liegen meist in Fachmarktlagen mit großen Parkplätzen. Die Nachfrage nach solchen Flächen hängt stark von der Region ab. Wie Sanierungsfälle im Handel ablaufen und was Lieferanten in solchen Situationen beachten sollten, zeigt das Beispiel der Bäckerei Moos im Schutzschirmverfahren. Bei Tedox ist kein solches Verfahren bekannt, es geht um einzelne Standortentscheidungen eines nach bisherigem Stand wirtschaftlich aktiven Unternehmens, das parallel neue Märkte eröffnet.
Für Kunden heißt das unterm Strich: Gutscheine und Gewährleistung bleiben bestehen, Rabatte lohnen sich vor allem bei großen Mengen, die man selbst abholt. Die Übersicht der Schließungen stützt sich auf Berichte von t-online und dem Berliner Kurier.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind die Umstände des Einzelfalls sowie die aktuellen Geschäfts- und Gutscheinbedingungen des Händlers.