Startseite TechnologieRTX 5090 kaum lieferbar: Was Unternehmen bei KI- und Grafik-Workstations jetzt einplanen sollten

RTX 5090 kaum lieferbar: Was Unternehmen bei KI- und Grafik-Workstations jetzt einplanen sollten

von Wolfgang Baumer
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Grafikkarte GeForce RTX 5090 von oben mit drei Lüftern

Im deutschen Nvidia-Shop steht die GeForce RTX 5090 Founders Edition mit 2.099 Euro, bestellen lässt sie sich dort aber nicht. Im Handel lagen die Preise für Partnerkarten laut dem Preisvergleich von PC Games Hardware Mitte Oktober zwischen rund 6.790 und 11.400 Euro. Dazu kommt ein neuer Bericht. Nach Recherchen des Overclockers Roman „der8auer“ Hartung kann mindestens ein Grafikkartenhersteller bei Nvidia keine neuen Chip-Pakete für die Karte mehr bestellen. Für Unternehmen, die mit der RTX 5090 lokale KI-Modelle betreiben, rendern oder CAD-Workstations ausstatten, wird die Beschaffung damit schwer planbar.

Grafikkarte GeForce RTX 5090 von oben mit drei Lüftern
Foto: PantheraLeo1359531, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Was über die Lieferlage der RTX 5090 bekannt ist

Das Bild setzt sich aus offiziellen Aussagen, Händlerdaten und anonymen Berichten aus der Lieferkette zusammen, die unterschiedlich belastbar sind.

Nvidia dementiert ein Produktionsende

Mitte Oktober kamen Gerüchte über ein End-of-Life der Karte auf, nachdem der US-Händler Micro Center die RTX 5090 nach einem Bericht von Tom’s Hardware zeitweise als „Not Carried“ führte, also ohne geplanten Nachschub. Jeff Fisher, bei Nvidia Senior Vice President für Personal Computing, widersprach am Rande einer Veranstaltung in Taipeh. Nach Berichten von Hardwareluxx und PC Games Hardware sagte er, die Karte sei nicht eingestellt und werde weiter ausgeliefert, auch wenn die Kapazitäten in der Lieferkette begrenzt seien.

Partner bekommen offenbar keine neuen Chips

Der Bericht von der8auer, den unter anderem Notebookcheck und Hartware aufgegriffen haben, zeichnet ein anderes Bild aus Sicht der Hersteller. Demnach kann mindestens ein nicht genannter Boardpartner keine neuen Pakete aus GB202-Chip und 32 GB GDDR7-Speicher mehr bestellen, auch nicht für spätere Lieferungen. Eine offizielle Abkündigung gab es nicht. Ein Zulieferer für Kühler berichtet, dass zwei Kunden ihre geplanten Bestellungen für RTX-5090-Kühler im ersten Quartal 2027 gegenüber dem dritten Quartal 2026 deutlich reduziert haben. Fürs zweite Quartal bislang: null.

Was davon gesichert ist

Gesichert sind die fehlende Verfügbarkeit im Nvidia-Shop, die hohen Straßenpreise und Fishers Aussage. Die Angaben zu Bestellstopp und Kühlerprognosen stammen aus anonymen Quellen. Einen generellen Produktionsstopp belegen sie nicht, und ob alle Partner betroffen sind, weiß bislang niemand außerhalb von Nvidia, denn der Konzern könnte Chips weiter an einzelne Partner liefern, während andere leer ausgehen.

Warum gerade dieser Chip knapp ist

Der GB202-Chip der RTX 5090 steckt auch in Nvidias professionellen Karten der RTX-Pro-Reihe, etwa der RTX Pro 6000 Blackwell. Wie Nvidia die verfügbaren Chips aufteilt, ist nicht öffentlich. Tom’s Hardware hält eine Bevorzugung der Profi-Karten für eine plausible Erklärung, bestätigt ist sie nicht. Dahinter steht die Nachfrage nach KI-Rechenleistung, die Nvidias Geschäft und auch den Börsenwert des Konzerns in die Höhe getrieben hat. Parallel kursiert ein Gerücht über eine RTX 5080 mit 24 GB Speicher, die als neues Topmodell für Endkunden dienen könnte. Offiziell ist davon nichts.

Grafikkarte der GeForce-RTX-50-Serie eines Boardpartners auf einer Messe
Foto: Alphaaloy, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Was die Knappheit für Unternehmen bedeutet

Für Gamer ist die RTX 5090 ein Luxusprodukt. In vielen kleineren Unternehmen ist sie dagegen ein Arbeitsgerät, weil sie mit 32 GB Grafikspeicher größere Sprachmodelle lokal ausführen kann, ohne dass Daten das Haus verlassen. Agenturen rendern damit 3D-Szenen und schneiden Videos, Ingenieurbüros rechnen Simulationen, und Entwicklerteams testen eigene KI-Anwendungen, bevor sie in die Cloud gehen.

Laufende Projekte absichern

Wer eine Workstation-Erweiterung fest eingeplant hat, sollte den Zeitplan überprüfen. Denn bei Straßenpreisen, die das Drei- bis gut Fünffache der unverbindlichen Preisempfehlung erreichen, kippt schnell die Kalkulation. Ein Angebot mit fester Lieferzusage ist derzeit mehr wert als ein niedriger Listenpreis ohne Liefertermin.

Alternativen prüfen

Je nach Einsatzzweck kommen mehrere Wege in Frage:

  • Profi-Karten: Die RTX-Pro-Modelle bieten mehr Speicher und Treiber mit Zertifizierung für CAD-Software, kosten aber ebenfalls ein Vielfaches.
  • Kleinere GeForce-Modelle: Für viele Render- und Schnittaufgaben reicht eine schwächere Karte, bei großen KI-Modellen ist dagegen der Grafikspeicher die Grenze.
  • Cloud-GPUs: Für Lastspitzen oder Tests lassen sich GPU-Instanzen stundenweise mieten. Bei sensiblen Daten ist zu klären, wo die Server stehen und welche Verträge zur Auftragsverarbeitung gelten.
  • Kleinere Modelle: Kompaktere KI-Modelle brauchen weniger Grafikspeicher und laufen auch auf schwächeren Karten. Wohin Nvidia selbst bei schnellen Modellen steuert, zeigt das Modell Nemotron 3.5 Lightning.

Vorsicht bei Gebrauchtkarten und Bundles

Knappheit lockt Graumarkt-Händler. Bei gebrauchten Karten ist die verbleibende Herstellergarantie oft an den Erstkäufer oder an Seriennummern gebunden, und die gesetzliche Gewährleistung lässt sich bei Käufen zwischen Unternehmen vertraglich weitgehend einschränken. Teure Bundles, bei denen die Karte nur zusammen mit anderen Komponenten verkauft wird, sollten Einkäufer auf den tatsächlichen Gegenwert der Zusatzteile prüfen. In den USA bot Micro Center laut Tom’s Hardware zuletzt nur noch ein Asus-Sondermodell im Paket für knapp 11.000 Dollar an.

Steuer und Betriebskosten im Blick behalten

Für Computerhardware lässt die Finanzverwaltung seit 2021 eine Nutzungsdauer von einem Jahr zu, sodass komplette Workstations im Jahr der Anschaffung abgeschrieben werden können. Ob das für eine einzeln nachgerüstete Grafikkarte ebenso gilt, hängt vom Einzelfall ab und sollte mit der Steuerberatung geklärt werden. Wie die Abgrenzung bei anderen IT-Geräten funktioniert, zeigt unser Beitrag zum iPhone 18 Pro als Firmenhandy.

Bei den laufenden Kosten zählt der Stromverbrauch: Nvidia gibt für die RTX 5090 eine Leistungsaufnahme von bis zu 575 Watt an. Wer eine Karte rund um die Uhr für KI-Inferenz laufen lässt, sollte Strom und Kühlung mitrechnen und das Netzteil der Workstation auf diese Last auslegen.

Ob sich die Lage bis zum Frühjahr entspannt, ist offen. Nvidia hat weder Produktionsmengen noch die Aufteilung der Chips offengelegt. Für Unternehmen ist es deshalb sinnvoll, Projekte so zu planen, dass sie nicht an einer einzigen Grafikkarte hängen. Die Berichte im Detail: PC Games Hardware zu Nvidias Stellungnahme und Notebookcheck zum Bestellstopp bei Boardpartnern.

Hinweis: Die Angaben zur steuerlichen Behandlung sind allgemeiner Natur und ersetzen keine Steuerberatung. Preise und Verfügbarkeit ändern sich derzeit schnell.

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