Mercedes-Benz hat sein europäisches Schnellladenetz an den französischen Betreiber Electra verkauft: 47 Ladeparks mit 374 Ladepunkten, davon 31 Parks in Deutschland und sechs in Österreich. Bekannt wurde das am 3. November, den Kaufpreis nennen beide Seiten nicht. Wer Dienstwagen oder Transporter an diesen Standorten lädt, sollte in den nächsten Wochen drei Dinge kontrollieren: den Preis an der Säule, die Gültigkeit der Ladekarte und die Zuordnung in der Abrechnung. Die Umstellung läuft bereits, Stand 3. November waren laut Ladedaten aber erst acht der 31 deutschen Parks unter Electra-Kennung erfasst.
Was Mercedes verkauft hat und was bleibt
Der Vorstand fasste den Beschluss laut dem Fachportal GoingElectric schon im Juli, der Kaufvertrag wurde am 3. August unterschrieben. Seit dem 1. November zählen die Standorte zum Electra-Netz. Öffentlich gemacht wurde der Deal erst zwei Tage später, weshalb viele Fahrer den Wechsel zuerst in ihrer Lade-App bemerkt haben dürften.
| Punkt | Stand laut Berichten |
|---|---|
| Umfang | 47 Parks, 374 Ladepunkte: 31 in Deutschland, 6 in Österreich, 10 in weiteren europäischen Ländern |
| Kaufpreis | nicht genannt |
| Buchwerte laut Mercedes-Quartalsbericht | 99 Mio. Euro Vermögenswerte, 21 Mio. Euro Schulden; das ist kein Kaufpreis |
| Electra-Netz nach dem Kauf | über 800 Stationen, mehr als 5.000 Ladepunkte, zehn Länder |
| Electra in Deutschland | Wachstum von 50 auf 81 Standorte, 200 Mio. Euro Investitionen für 2027 geplant |
| Ad-hoc-Preis | 0,69 Euro/kWh an den acht bereits umgestellten deutschen Parks (Stand 3. November) |
Laut dem Portal MBpassion gehen nur Standorte und Kundenzugang über. Personal wechselt nicht. Die Ladeparks in China und den USA behält Mercedes demnach vorerst.
Warum der Konzern aussteigt
Anfang 2023 kündigte Mercedes noch mehr als 10.000 Schnellladepunkte an rund 2.000 Standorten bis zum Ende des Jahrzehnts an. Eine Sprecherin begründete den Rückzug laut Handelsblatt damit, „Ressourcen gezielt dort einzusetzen, wo sie den größten Mehrwert schaffen“. Der Börsendienst Der Aktionär ordnet den Schritt in den Sparkurs nach sinkenden Gewinnen und Absätzen ein. Die Aktie reagierte kaum: Am Morgen des 3. November lag sie 0,8 Prozent im Minus bei 40,84 Euro, in einem insgesamt schwächeren Markt. Für Flottenkunden heißt das: Der Hersteller betreibt die Säulen in Europa nicht mehr selbst, Ansprechpartner bei Störungen und Preisen ist der neue Betreiber.

Was sich an den Säulen ändert
Electra hat laut MBpassion das Backend der Stationen schon übernommen. Bezahlterminals und Beschilderung sollten in den Tagen nach der Bekanntgabe folgen. In dieser Übergangszeit kann dieselbe Säule in der einen App noch unter altem Namen und in der anderen schon als Electra-Punkt auftauchen.
Preise
Belegt ist bisher nur der Ad-hoc-Preis von 0,69 Euro je Kilowattstunde an den acht umgestellten deutschen Parks. Vertragspreise für Mercedes-Kunden nennt die Mitteilung nicht, und für Karten anderer Anbieter fehlen in den bisherigen Berichten ebenfalls Angaben. Eine einfache Rechnung zeigt, wie schnell sich Unterschiede summieren: 50 Kilowattstunden kosten zum Ad-hoc-Preis 34,50 Euro. Lädt ein Betrieb im Jahr 10.000 Kilowattstunden an öffentlichen Säulen, macht jeder Preisunterschied von zehn Cent 1.000 Euro aus. Das sind Beispielwerte, die eigene Abrechnung ersetzt sie nicht. Einen Vergleichspunkt liefert der Markt selbst: Lidl senkte im Frühjahr seinen DC-Preis in Österreich auf 29 Cent; das ist das Angebot eines Einzelhändlers und lässt sich auf Autobahn-nahe Ladeparks nicht direkt übertragen.
MB.CHARGE Public
Mercedes-Fahrer bekommen über den Dienst MB.CHARGE Public Zugang zu den übernommenen Parks und zu den übrigen Electra-Stationen. Electra wird laut MBpassion Premium-Partner mit vergünstigten Roaming-Tarifen, ein Status, den bislang nur Ionity hatte, und auch die Vorab-Reservierung aus dem Fahrzeug soll auf das Electra-Netz ausgeweitet werden. GoingElectric weist auf eine Einschränkung hin: Die bevorzugten Konditionen hängen vom Tarif ab, nötig ist ein separater Ladevertrag mit einem ausgewählten Drittanbieter. Laufzeit und konkrete Preise bleiben offen.
Technische Eckdaten von Electra
Der Betreiber nennt eine Netzverfügbarkeit von über 98,5 Prozent und bis zu 600 Kilowatt an ausgewählten Standorten. Bis 2030 will er 15.000 Schnellladepunkte erreichen. Das sind Unternehmensangaben. Wie sich die übernommenen Parks im Alltag schlagen, lässt sich frühestens nach einigen Wochen beurteilen.
Was Fuhrparkverantwortliche jetzt prüfen sollten
Wer keine Mercedes-Fahrzeuge betreibt, ist trotzdem betroffen, sobald Fahrer die Parks unterwegs mit einer markenunabhängigen Ladekarte nutzen. Vier Punkte reichen.
Ladekarte und Roaming
Fragen Sie beim Kartenanbieter nach, ob Electra im Roaming enthalten ist und zu welchem Preis, und zwar für die Standorte, die Ihre Fahrer tatsächlich anfahren. Eine Testladung an einem umgestellten Park zeigt schnell, ob Autorisierung und Preisanzeige passen. Weisen Sie die Fahrer an, den Preis vor dem Start in der App oder am Terminal zu kontrollieren, solange die Umstellung läuft.
Abrechnung und Kostenstellen
Ändert sich die Betreiberkennung, können automatische Zuordnungen im Ladekarten-Export oder in der Fuhrparksoftware ins Leere laufen. Prüfen Sie die November-Abrechnung deshalb auf neue Betreibernamen und unplausible Preise; Reklamationen und fehlende Belege für die Buchhaltung gehen bei Vorgängen ab dem 1. November im Zweifel an den neuen Betreiber oder den Kartenanbieter.
Routen und Standortplanung
Mit 81 deutschen Standorten wird Electra für Pendelstrecken interessanter, die geplanten Investitionen von 200 Millionen Euro für 2027 sind aber eine Absichtserklärung. Hinterlegen Sie die neuen Standorte in Routenplanern erst, wenn Preise und Kartenzugang geklärt sind. Wer gerade Antriebe vergleicht, kann die aktuell hohen Dieselpreise im Fuhrpark gegen die eigenen Ladekosten rechnen, sollte dafür aber Vertragspreise einsetzen, nicht den Ad-hoc-Tarif.
Beschaffung neuer E-Fahrzeuge
Der Verkauf zeigt, dass ein herstellereigenes Ladenetz kein dauerhaftes Argument beim Fahrzeugkauf sein muss. Lassen Sie sich Ladekonditionen in Angeboten deshalb mit Laufzeit und Partnerliste schriftlich geben. Für die Gesamtkalkulation gehört auch die Investitionsförderung für betriebliche E-Fahrzeuge bis 100.000 Euro in die Rechnung.