Startseite WirtschaftLukoil-Raffinerie getroffen, Diesel 20 Cent teurer als Benzin: Was Betriebe mit Fuhrpark jetzt tun sollten

Lukoil-Raffinerie getroffen, Diesel 20 Cent teurer als Benzin: Was Betriebe mit Fuhrpark jetzt tun sollten

von Wolfgang Baumer
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Preisanzeige einer Tankstelle mit Kraftstoffpreisen bei Nacht

In der Nacht zum 1. November 2026 hat ein großer Drohnenangriff das Industriegebiet von Kstowo bei Nischni Nowgorod getroffen. Dort steht die Lukoil-Raffinerie Nischegorodnefteorgsintes, eine der größten Anlagen Russlands, die unter anderem Diesel und Kerosin herstellt. Für deutsche Betriebe hat das direkte Folgen. Diesel kostet hierzulande bereits gut 20 Cent mehr als Super E10, und jede weitere Störung im russischen Raffineriesystem verknappt den Weltmarkt für Mitteldestillate zusätzlich. Wer Transporter, Lkw oder Baumaschinen betreibt, sollte die Entwicklung jetzt in Kalkulation und Verträge einpreisen.

Was in Kstowo passiert ist

Der Gouverneur des Gebiets Nischni Nowgorod, Gleb Nikitin, meldete auf Telegram, ein „massiver Drohnenangriff“ habe ein Industrieunternehmen im Bezirk Kstowo erheblich beschädigt. Die Flugabwehr habe mehr als 100 Drohnen zerstört, Verletzte gebe es nach ersten Angaben nicht. Welche Anlage getroffen wurde, sagte Nikitin nicht, doch kriegsbeobachtende Telegram-Kanäle nannten übereinstimmend die Lukoil-Raffinerie als Ziel, wie Euronews berichtet. Unabhängig bestätigt ist das Ausmaß der Schäden bislang nicht.

Drei Raffinerien binnen drei Tagen

Kstowo war nicht der einzige Treffer. Nach Berichten ukrainischer und russischer Medien wurden seit dem 29. Oktober auch die Raffinerie in Nowokuibyschewsk im Gebiet Samara und die Bashneft-Anlage Nowoil in Ufa angegriffen. Das russische Exilmedium Agentstwo hat überschlagen, dass die drei Werke zusammen rund 24 Millionen Tonnen Rohöl im Jahr verarbeiten. Das wären etwa zehn Prozent der russischen Raffineriekapazität und mehr als zehn Prozent der Dieselproduktion. Für Kstowo allein kursieren Schätzungen von 15 bis 17 Millionen Tonnen pro Jahr. Offen bleibt, wie lange die Anlagen ausfallen; bei früheren Angriffen auf Kstowo im Mai 2026 stand laut Berichten die Hauptdestillation still.

Warum das an deutschen Zapfsäulen ankommt

Deutschland importiert seit dem EU-Embargo vom Februar 2023 keinen russischen Diesel mehr. Der Effekt ist indirekt. Russland war vor dem Krieg einer der größten Dieselexporteure und beliefert heute andere Abnehmer, und fällt dort Ware aus, kaufen diese Länder bei denselben Raffinerien im Nahen Osten, in Indien oder den USA ein, bei denen auch europäische Händler Ware beziehen. Diesel gilt zudem als besonders krisenempfindlich, weil er chemisch eng mit Heizöl verwandt ist und im Herbst beide Produkte gleichzeitig gefragt sind.

Wie teuer Diesel gerade ist

Laut ADAC kostete ein Liter Diesel am 27. Oktober im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,289 Euro, 3,4 Cent mehr als eine Woche zuvor. Super E10 wurde im selben Zeitraum um 2,6 Cent günstiger und lag bei 2,084 Euro. Die Lücke zwischen beiden Sorten ist damit so groß wie seit Mitte April nicht mehr, berichtet die VerkehrsRundschau. Normalerweise ist Diesel wegen der niedrigeren Energiesteuer billiger als Benzin. Der Ölpreis der Nordseesorte Brent lag Ende Oktober bei rund 114 US-Dollar je Barrel. Der ADAC nennt als Gründe die angespannte Versorgung auf den internationalen Märkten und die saisonal steigende Heizölnachfrage. Wie sich die Lage seit dem Frühjahr entwickelt hat, zeigt unser Beitrag Diesel in Deutschland bleibt teuer.

Tankrabatt wirkt bei Diesel nur teilweise

Nach einer Auswertung des Ifo-Instituts, über die am 22. Oktober berichtet wurde, ist der Tankrabatt bei Benzin fast vollständig an die Kundschaft weitergegeben worden, bei Diesel fehlten noch rund drei Cent je Liter. Die neuen Raffinerieausfälle machen es unwahrscheinlicher, dass sich diese Lücke kurzfristig schließt. Auch im Ausland reagiert die Politik: Italien will eine freiwillige Obergrenze für Dieselpreise bis Jahresende beibehalten, und der Weltverband des Straßentransports IRU hat die EU um Unterstützung für Transportunternehmen gebeten.

Gasfackel über dem Industriegebiet von Kstowo mit der Lukoil-Raffinerie
Foto: Vmenkov, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Was das für Betriebe mit Fuhrpark bedeutet

Ein Rechenbeispiel zeigt die Größenordnung. Ein Handwerksbetrieb mit zehn Transportern, die jeweils 2.500 Liter Diesel im Jahr verbrauchen, tankt 25.000 Liter. Steigt der Literpreis dauerhaft um zehn Cent, kostet das 2.500 Euro mehr im Jahr. Eine Spedition mit 20 Lkw und je 30.000 Litern liegt bei 600.000 Litern; dort werden aus zehn Cent schnell 60.000 Euro. Das spürt man.

Preisgleitklauseln prüfen

Transport- und Logistikunternehmen sollten ihre Verträge auf einen Dieselfloater oder eine Kraftstoffklausel prüfen. Fehlt sie, tragen sie das Preisrisiko allein, und zwar so lange, bis der Vertrag ausläuft oder neu verhandelt wird, was bei Rahmenverträgen mit Industriekunden oft erst zum Jahreswechsel möglich ist. Bei neuen Angeboten lohnt es sich, den Bezugspreis offen auszuweisen und eine Anpassung an einen öffentlichen Index zu vereinbaren. Auch Handwerksbetriebe mit langen Projektlaufzeiten können Anfahrtspauschalen so formulieren, dass sie an die Kraftstoffkosten gekoppelt sind.

Worauf Auftraggeber achten

Kunden akzeptieren Zuschläge eher, wenn die Berechnung nachvollziehbar ist. Ein fester Referenzwert, ein Stichtag und eine Schwelle, ab der angepasst wird, verhindern Streit. Wer selbst Transportleistungen einkauft, sollte umgekehrt mit steigenden Zuschlägen rechnen und sie im Budget für das erste Quartal 2027 berücksichtigen.

Tankverhalten und Einkauf

Kurzfristig hilft Disziplin. Der ADAC empfiehlt, kurz vor 12 Uhr zu tanken, weil die Preise dann oft am niedrigsten sind, und freie Tankstellen mit Markentankstellen zu vergleichen. Hintergründe zur Mittagsregel bietet unser Artikel über die 12-Uhr-Regel an Tankstellen. Für Fuhrparks sind Tankkarten mit Preisvergleich und klare Vorgaben für Fahrer sinnvoll. Betriebe mit eigener Tankanlage können Lieferzeitpunkte streuen, statt die gesamte Menge an einem Termin zu bestellen.

Heizöl nicht vergessen

Weil Diesel und Heizöl aus denselben Raffineriefraktionen stammen, steigen beide Preise meist gemeinsam. Betriebe, die Werkstätten oder Lager mit Öl heizen, sollten den Füllstand jetzt prüfen und den Einkauf nicht bis zum ersten Kälteeinbruch verschieben. Welche Faktoren den Heizölpreis bestimmen, haben wir in einem Überblick zu den Heizölpreisen 2026 zusammengefasst.

Wie es weitergehen könnte

Die Ukraine hat ihre Angriffe auf russische Energieanlagen in diesem Jahr deutlich ausgeweitet; im September meldete Kiew Treffer an zwölf Raffinerien. Mitte Oktober gab es Berichten zufolge eine Pause, die nun offenbar vorbei ist. Ob weitere Angriffe folgen und wie schnell Russland die Schäden repariert, lässt sich nicht vorhersagen. Für die Planung heißt das: Ein Dieselpreis über 2,20 Euro ist derzeit kein Ausreißer, sondern das Niveau, mit dem Betriebe im Winter rechnen sollten. Wer Preisgleitklauseln, Tankstrategie und Heizölvorrat jetzt ordnet, ist auf weitere Sprünge besser vorbereitet als Wettbewerber, die erst bei der nächsten Rechnung reagieren.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Preisangaben beziehen sich auf den genannten Stand und können sich täglich ändern. Er ersetzt keine individuelle Rechts- oder Finanzberatung.

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