Die Dieselpreise in Deutschland könnten noch mehrere Monate auf einem hohen Niveau bleiben. Während zu Beginn des Jahres vor allem die Verknappung von Rohöl für steigende Preise verantwortlich war, wirken sich inzwischen zunehmend begrenzte Raffineriekapazitäten auf den Markt aus. Verschärft wird die Situation durch geringere Lieferungen aus Russland und den Ländern am Persischen Golf sowie durch zurückhaltende Exporte Chinas. Einen unmittelbaren physischen Dieselengpass an deutschen Tankstellen erwarten Experten derzeit jedoch nicht. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu n-tv.
Deutschland kämpft mit hohen Dieselpreisen
Kraftstoff ist an deutschen Tankstellen deutlich teurer geworden. Die Benzinpreise erreichten in den vergangenen Tagen neue Rekordstände, auch Diesel stieg auf ein historisches Preisniveau.
Zu Beginn des Jahres war die begrenzte Versorgung mit Rohöl vor dem Hintergrund des Krieges im Iran und geopolitischer Risiken eines der größten Probleme für den Kraftstoffmarkt. Inzwischen kommt ein weiterer Faktor hinzu: Störungen und begrenzte Kapazitäten bei Raffinerien.
Erst in Raffinerien wird Rohöl zu fertigen Mineralölprodukten wie Benzin, Diesel oder Kerosin verarbeitet. Selbst ein ausreichendes Angebot an Rohöl auf dem Weltmarkt reicht deshalb nicht aus, um die Kraftstoffpreise schnell zu senken, wenn die Verarbeitungskapazitäten begrenzt bleiben.
Besonders angespannt ist die Lage auf dem Dieselmarkt. Mehrere Raffinerien in Europa und Nordamerika erzielen aufgrund des knappen Angebots an fertigem Kraftstoff derzeit außergewöhnlich hohe Margen bei der Dieselproduktion.
Diesellieferungen aus wichtigen Regionen stark eingebrochen
Zu den wichtigsten Ursachen für das knappe Angebot gehören Probleme in zwei Regionen, die für den internationalen Kraftstoffhandel eine zentrale Rolle spielen: am Persischen Golf und in Russland.
Im August exportierten die Länder am Persischen Golf rund 390.000 Barrel Diesel und Gasöl pro Tag. Das entspricht nur etwas mehr als einem Viertel der Liefermengen vor Beginn des Iran-Irak-Krieges.
Gleichzeitig gingen die russischen Exporte zurück. Schäden an mehreren russischen Raffinerien infolge ukrainischer Angriffe haben die Möglichkeiten der Anlagen eingeschränkt, Mineralölprodukte herzustellen und auf internationale Märkte zu liefern.
Nach Angaben der Internationalen Energieagentur lieferten Russland und die Staaten am Persischen Golf im August zusammen rund 1,6 Millionen Barrel Diesel und Gasöl pro Tag weniger als noch im Februar. Vor dem Krieg entfielen auf diese beiden Regionen zusammen fast 45 Prozent des weltweiten Seehandels mit diesen Kraftstoffen.
Auch China begrenzt seine Dieselexporte
Zusätzlicher Druck entsteht durch die chinesische Exportpolitik. China hält Diesellieferungen ins Ausland zurück, um eine ausreichende Versorgung des eigenen Binnenmarktes sicherzustellen.
Dadurch ist das Angebot von drei großen Lieferregionen – Russland, dem Nahen Osten und China – deutlich zurückgegangen. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern könnte der gemeinsame Rückgang bei rund 60 Prozent beziehungsweise etwa 1,5 bis 2 Millionen Barrel pro Tag liegen.
Andere Produzenten versuchen, einen Teil dieser Mengen zu ersetzen. Raffinerien in den USA, Europa, Indien und Nigeria haben ihre Dieselproduktion erhöht.
Die Möglichkeiten für eine schnelle Ausweitung der Verarbeitung sind allerdings begrenzt. Ein Problem ist unter anderem die mangelnde Verfügbarkeit bestimmter Rohölsorten, die sich besonders gut für die Herstellung von Diesel eignen.
Dieselengpass an deutschen Tankstellen vorerst nicht erwartet
Trotz der angespannten Situation auf dem Weltmarkt gibt es derzeit keinen unmittelbaren Kraftstoffmangel an deutschen Tankstellen. Alternative Lieferanten, eine höhere Auslastung der Raffinerien und der Rückgriff auf bestehende Vorräte tragen dazu bei, die Dieselversorgung aufrechtzuerhalten.
Allerdings nimmt der Sicherheitspuffer des Marktes ab. Weitere Ausfälle oder Stillstände von Raffinerien, Probleme auf wichtigen Schifffahrtsrouten oder ein unerwartet starker Nachfrageanstieg könnten sich deshalb stärker auf Preise und Verfügbarkeit auswirken.
Auf den Terminmärkten ist die angespannte Lage bereits deutlich zu erkennen. Kurzfristige Lieferkontrakte für Diesel kosten derzeit mehr als doppelt so viel wie zu Jahresbeginn. Gleichzeitig rechnen Marktteilnehmer mit einer gewissen Entspannung des Preisdrucks in Richtung Winter.
Der ADAC hält die aktuellen Kraftstoffpreise an den Tankstellen weiterhin für überhöht. Der Automobilclub weist darauf hin, dass der Rohölpreis noch deutlich unter seinen Höchstständen vom Frühjahr liegt, während Benzin an deutschen Tankstellen bereits Rekordpreise erreicht hat.
Dieselpreise könnten noch mehrere Monate hoch bleiben
Selbst eine Normalisierung der Lage im Nahen Osten würde nicht automatisch bedeuten, dass der Dieselmarkt schnell zu seinem früheren Zustand zurückkehrt.
Sollten die Kampfhandlungen enden und sich der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus stabilisieren, könnten die Dieselpreise zunächst sinken. Für eine vollständige Erholung des Angebots dürfte dies jedoch nicht ausreichen.
Der Markt wird weiterhin von geringeren Lieferungen aus Russland, eingeschränkten chinesischen Exporten und der Unsicherheit darüber beeinflusst, wie schnell Raffinerien im Nahen Osten ihre Produktion wieder hochfahren können.
Ein zusätzlicher Faktor sind die für den Herbst geplanten Wartungsarbeiten an Raffinerien in Europa und den USA. Während dieser Arbeiten werden einzelne Produktionsanlagen vorübergehend stillgelegt, wodurch die Möglichkeiten zur kurzfristigen Ausweitung der Dieselproduktion weiter begrenzt werden.
Nach Einschätzung von Marktbeobachtern könnten die Dieselpreise deshalb in den kommenden Monaten auf einem vergleichsweise hohen Niveau bleiben.
Erholung der Exporte vom Persischen Golf braucht Zeit
Die Ausfuhren von Mineralölprodukten aus den Ländern am Persischen Golf könnten sich innerhalb der kommenden drei bis vier Monate schrittweise erholen. Der tatsächliche Zeitraum hängt jedoch stark vom Zustand der einzelnen Raffinerien ab.
Bei Anlagen, die besonders stark von der Krise betroffen sind, könnte die Rückkehr zu den früheren Produktionsmengen erheblich länger dauern.
Bis dahin bleibt der europäische Markt auf alternative Lieferungen, eine hohe Auslastung der verfügbaren Raffinerien und den Rückgriff auf bestehende Vorräte angewiesen. Für Deutschland bedeutet dies, dass die Lage auf dem Dieselmarkt im Herbst 2026 angespannt bleibt.
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