Startseite AktuellesNach dem Erdbeben der Stärke 4,4 am Semmering wurden sieben Nachbeben registriert. Die Erdstöße waren in Wien, der Steiermark und Niederösterreich spürbar.

Nach dem Erdbeben der Stärke 4,4 am Semmering wurden sieben Nachbeben registriert. Die Erdstöße waren in Wien, der Steiermark und Niederösterreich spürbar.

von Johanna Richter
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Nach dem Erdbeben der Stärke 4,4 am Semmering wurden sieben Nachbeben registriert. Die Erdstöße waren in Wien, der Steiermark und Niederösterreich spürbar.

Am Morgen des 24. Juli registrierten Seismologen in der Semmering-Region an der Grenze zwischen Niederösterreich und der Steiermark sieben weitere Erdstöße. Die Nachbeben folgten auf ein stärkeres Erdbeben, das Bewohner mehrerer österreichischer Bundesländer aus dem Schlaf riss und geringfügige Gebäudeschäden verursachte. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu ms-aktuell.

Der letzte Stoß dieser Serie wurde von den Messstationen um 7.16 Uhr aufgezeichnet. Die Magnituden der Nachbeben lagen zwischen 0,2 und 2,1. Die meisten davon wurden von der Bevölkerung kaum wahrgenommen.

Das stärkste Nachbeben ereignete sich um 6.15 Uhr in der Nähe von Gloggnitz. Es erreichte eine Magnitude von 2,1.

Magnitude des Hauptbebens auf 4,4 korrigiert

Das Hauptbeben ereignete sich um 1.59 Uhr nachts. Zunächst hatte das automatische Messsystem eine Magnitude von 4,5 angegeben. Nach einer detaillierten Auswertung korrigierten die Fachleute von GeoSphere Austria den Wert jedoch auf 4,4 nach der lokalen Magnitudenskala ML.

Das Epizentrum lag etwa neun Kilometer west-südwestlich von Gloggnitz und östlich von Mürzzuschlag. Der Erdbebenherd befand sich in einer Tiefe von rund fünf Kilometern.

Eine solche Herdtiefe gilt als vergleichsweise gering. Deshalb konnten die Bodenbewegungen in der Nähe des Epizentrums deutlich wahrgenommen werden, obwohl die Magnitude des Bebens insgesamt moderat blieb.

Der Österreichische Erdbebendienst schließt weitere Nachbeben in den kommenden ein bis zwei Wochen nicht aus. Nach Einschätzung der Fachleute könnten die Messgeräte noch zehn bis zwanzig schwache Erdstöße erfassen. Einer oder zwei davon könnten von der Bevölkerung gespürt werden.

Erdstöße waren in Wien, Krems und nahe der slowenischen Grenze spürbar

Wegen der geringen Herdtiefe war das Erdbeben in einem großen Gebiet zu spüren. Nach Angaben von GeoSphere Austria gingen Meldungen aus weiten Teilen Niederösterreichs ein, darunter auch aus Orten in der Umgebung von Krems.

In der Steiermark bemerkten Bewohner in Bruck an der Mur, Leoben und in Regionen nahe der slowenischen Grenze die Bodenbewegungen. Einzelne Meldungen kamen zudem aus Wien, dem Burgenland und Oberösterreich.

Am stärksten war das Beben in der Nähe des Epizentrums zu spüren. Viele Menschen wurden durch den plötzlichen Stoß geweckt. Augenzeugen berichteten von wackelnden Möbeln, klappernden Türen und Fenstern sowie von einem kurzen dumpfen Knall oder tiefen Grollen.

GeoSphere Austria stufte die maximale Intensität vorläufig mit Stufe VI auf der zwölfstufigen Europäischen Makroseismischen Skala EMS-98 ein.

Bei dieser Intensität sind leichte Schäden möglich, insbesondere an älteren oder bereits geschwächten Gebäuden. Dazu zählen vor allem feine Risse im Putz, kleinere Abplatzungen und das Herunterfallen schlecht gesicherter Gegenstände.

Mehr als 800 Meldungen beim Erdbebendienst

Bis Freitagnachmittag erhielt der Österreichische Erdbebendienst mehr als 800 Meldungen von Menschen, die das Erdbeben wahrgenommen hatten. In 35 Fällen wurde über geringfügige Gebäudeschäden berichtet.

Am häufigsten wurden kleine Risse im Putz oder im Mauerwerk sowie heruntergefallene Gegenstände gemeldet.

Hinweise auf schwere Schäden an tragenden Bauteilen gab es nicht. Auch Verletzte oder Todesopfer wurden nicht gemeldet.

Auf der Straße zwischen Schottwien und Breitenstein im Bezirk Neunkirchen lösten sich infolge des Bebens kleinere Felsbrocken. Die Feuerwehr räumte die Fahrbahn, anschließend wurde die Straße wieder für den Verkehr freigegeben.

Nach Angaben von GeoSphere Austria lagen die gemessenen Bodenbeschleunigungen deutlich unter den Bemessungswerten, die in den geltenden Normen für erdbebensicheres Bauen vorgesehen sind.

Die vorläufige Analyse des Bruchmechanismus deutet auf eine Blattverschiebung hin. Bei einem solchen Vorgang bewegen sich Gesteinsblöcke überwiegend horizontal aneinander vorbei.

Der Semmering zählt zu Österreichs aktiven Erdbebengebieten

Die Region Semmering-Wechsel gehört gemeinsam mit dem südlichen Wiener Becken zu den seismisch aktivsten Gebieten Österreichs.

In dieser Gegend wurden bereits mehrfach stärkere Erdbeben registriert. Im Jahr 1964 ereignete sich am Semmeringpass ein Beben der Magnitude 5,3. 1984 wurde in der Nähe von Maria Schutz ein Erdbeben der Stärke 4,9 gemessen.

Eines der jüngsten vergleichbaren Ereignisse trat am 1. Februar 2024 auf. Nach aktuellen Berechnungen erreichte dieses Beben eine Magnitude von etwa 4,6 und ebenfalls eine maximale Intensität von VI. Damals wurden ebenfalls geringfügige Schäden an einzelnen Gebäuden gemeldet.

Zu den bedeutendsten historischen Erdbeben in Niederösterreich zählt das Ereignis vom 8. Oktober 1927 bei Schwadorf. Seine Magnitude wird auf 5,2 geschätzt, die Intensität erreichte Stufe VIII.

Erdbeben dieser Stärke können bereits erhebliche Gebäudeschäden verursachen, darunter Risse in Wänden, beschädigte Schornsteine und teilweise zerstörte Bauteile.

Als stärkstes bekanntes Erdbeben auf dem Gebiet des heutigen Österreich gilt das Beben vom 15. September 1590 in der Nähe von Ried am Riederberg. Damals kam es im Tullnerfeld sowie auf dem Gebiet des heutigen Wien zu erheblichen Schäden.

Warum es in Österreich immer wieder zu Erdbeben kommt

Erdstöße können nahezu überall in Österreich auftreten. Besonders aktiv sind jedoch das Rheintal in Vorarlberg, das Inntal mit seinen Seitentälern, die Täler von Mur und Mürz, die Semmering-Region sowie das Wiener Becken.

Ursache der Erdbeben sind Spannungen, die sich entlang geologischer Störungszonen allmählich in der Erdkruste aufbauen. Wird die Belastungsgrenze des Gesteins überschritten, kommt es zu einer plötzlichen Verschiebung und zur Freisetzung von Energie.

Die tektonische Situation Österreichs wird maßgeblich von der Adriatischen Platte beeinflusst. Sie bewegt sich nach Norden und drückt gegen die Eurasische Platte.

Dieser langfristige geologische Prozess steht mit der Entstehung und weiteren Verformung der Alpen in Verbindung. Die Spannungen in der Erdkruste bleiben bestehen und entladen sich lokal in Erdbeben unterschiedlicher Stärke.

In Niederösterreich erlebt die Bevölkerung im Durchschnitt etwa zehn spürbare Erdbeben pro Jahr. Erdstöße, die leichte Gebäudeschäden verursachen können, treten statistisch ungefähr alle acht Jahre auf.

Erdbeben, bei denen vereinzelt größere Schäden möglich sind, werden deutlich seltener erwartet — etwa alle 30 bis 40 Jahre.

Die meisten registrierten Erdstöße bleiben jedoch so schwach, dass sie von Menschen nicht bemerkt werden. Im Jahr 2025 zeichnete der Österreichische Erdbebendienst rund 1.100 Erdbeben innerhalb des Landes auf. Nur 61 davon wurden von der Bevölkerung wahrgenommen.

Die Nachbebenserie am Semmering entspricht dem typischen Verlauf der seismischen Aktivität nach einem stärkeren regionalen Erdbeben. Die Daten der Messstationen und die Meldungen aus der Bevölkerung werden von GeoSphere Austria weiter ausgewertet.

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