Ferrari hat den für 2026 geplanten Absatz seines ersten vollelektrischen Modells Luce bereits innerhalb von zwei Monaten erreicht. Die Nachfrage fiel höher aus als erwartet – trotz der kontroversen Reaktionen auf das Design, des Kursverlusts nach der Präsentation und der Kritik eines Teils der Ferrari-Fangemeinde. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu Financial Times.
Der italienische Hersteller hat offiziell nicht mitgeteilt, wie viele Fahrzeuge er im laufenden Jahr verkaufen wollte. Nach Angaben von mit den internen Geschäftszahlen vertrauten Quellen lag das Ziel jedoch bei knapp 500 Exemplaren.
Dieses Ergebnis soll bereits im Juli erreicht worden sein – rund zwei Monate nach der offiziellen Vorstellung des Luce. Der Einstiegspreis des Elektroautos beträgt 550.000 Euro.
Ferrari erhält Bestellungen für das gesamte geplante Jahresvolumen
Der Verkauf des Luce begann nach der Präsentation im Mai, die bei Investoren, Autoexperten und Anhängern der Marke sehr unterschiedliche Reaktionen auslöste.
Einer mit der Situation vertrauten Person zufolge hatte Ferrari bis Ende Juli genügend Bestellungen erhalten, um das für 2026 gesetzte Ziel zu erfüllen. Das Unternehmen veröffentlicht jedoch weder die genaue Absatzplanung noch die Zahl der bislang ausgelieferten Fahrzeuge.
Der wichtigste Nachfrageimpuls kam aus China. Interesse an dem Modell zeigten außerdem wohlhabende Kunden aus den USA, darunter Unternehmer aus der Technologiebranche im Silicon Valley.
Ferrari positioniert den Luce nicht als Ersatz für seine benzinbetriebenen Supersportwagen, sondern als eigenständiges Technologieprodukt für eine neue Kundengruppe. Gemeint sind vor allem Käufer, die bereits hochwertige Elektroautos fahren und in das luxuriöse Sportwagensegment wechseln möchten.
Das Design des Luce löste nach der Premiere Kritik aus
Das äußere Erscheinungsbild des Elektroautos entstand unter Mitwirkung des ehemaligen Apple-Chefdesigners Jony Ive. Nach der Vorstellung verglichen Nutzer in sozialen Netzwerken den Luce mit deutlich günstigeren Serienmodellen und kritisierten den Bruch mit der traditionellen Ferrari-Formensprache.
Einige Kommentatoren erklärten, das Fahrzeug erinnere zu wenig an die klassischen Sportwagen des italienischen Herstellers. Die Debatte über das Design weitete sich schnell über die Autoszene hinaus aus und beeinflusste auch die Stimmung an den Finanzmärkten.
In der ersten Börsensitzung nach der Präsentation verlor die Ferrari-Aktie in Mailand mehr als acht Prozent. Die Kursreaktion gehörte zu den deutlichsten negativen Signalen nach dem Debüt des Modells.
Auch der frühere Ferrari-Verwaltungsratschef Luca Cordero di Montezemolo kritisierte den Luce öffentlich. Er erklärte, das Fahrzeug solle nicht das bekannte Markenemblem mit dem springenden Pferd tragen.
Ferrari verteidigt das Konzept seines ersten Elektroautos
Die Unternehmensführung hält daran fest, dass der Luce die technologischen Fähigkeiten von Ferrari demonstrieren und der Marke neue Käufergruppen erschließen soll.
Das Modell wurde für Kunden entwickelt, die nicht zwingend Anhänger klassischer Verbrennungsmotoren sind. Ferrari rechnet damit, insbesondere eine jüngere Generation vermögender Käufer in China, den USA und anderen technologieorientierten Märkten anzusprechen.
Gleichzeitig sollen die Händler langjährige Besitzer benzinbetriebener Ferrari-Modelle nicht zu einem Wechsel auf das Elektroauto drängen. Der Luce soll die bestehende Modellpalette ergänzen und die traditionellen Supersportwagen nicht ersetzen.
Damit kann Ferrari seine Elektrosparte ausbauen, ohne Kunden zu verlieren, die die Marke wegen des Motorsounds, der mechanischen Eigenschaften und der klassischen Fahrzeugkonzepte kaufen.
Ferrari wechselt nach dem Luce-Start den Vertriebschef aus
Kurz nach der kontroversen Premiere des Elektroautos verließ der langjährige Marketing- und Vertriebschef Enrico Galliera das Unternehmen.
Sein Abschied sorgte angesichts der Diskussionen über das Luce-Design und des Kursrückgangs für Aufmerksamkeit. Ferrari erklärte jedoch, die Personalentscheidung sei bereits zuvor getroffen worden und stehe nicht im Zusammenhang mit der Reaktion auf das neue Modell.
Die Verantwortung für den Vertriebsbereich übernimmt ein ehemaliger BMW-Manager. Ferrari bezeichnete den Wechsel als Teil einer geplanten Erneuerung des Führungsteams.
Ob die Personalveränderung Auswirkungen auf die Vermarktungsstrategie des Luce oder auf künftige Elektrofahrzeuge haben wird, teilte das Unternehmen nicht mit.
Bis 2030 will Ferrari rund 2.500 Luce verkaufen
Das langfristige Ziel des Herstellers sieht den Verkauf von etwa 2.500 Luce-Fahrzeugen bis Ende 2030 vor.
Das entspricht durchschnittlich rund 600 Autos pro Jahr. Damit würde das Modell ungefähr fünf Prozent des jährlichen Gesamtabsatzes von Ferrari ausmachen.
Analysten halten dieses Ziel angesichts der begrenzten Produktionskapazitäten, des weltweiten Kundenstamms und der hohen Nachfrage nach exklusiven Modellen für erreichbar.
Ferrari begrenzt traditionell die Zahl der produzierten Fahrzeuge, um Knappheit, hohe Wiederverkaufswerte und den exklusiven Status der Marke zu bewahren. Dieses Prinzip soll auch beim Elektroauto gelten.
Ferrari-Chef Benedetto Vigna hatte zuvor erklärt, der Einstieg in die Elektromobilität werde die finanzielle Leistung des Konzerns nicht belasten. Die operative Marge von rund 30 Prozent solle erhalten bleiben.
Begrenzte Stückzahlen und ein hoher Einstiegspreis sollen es dem Unternehmen ermöglichen, die erheblichen Entwicklungskosten der Elektrotechnik auszugleichen.
Besonders hohe Nachfrage nach dem Luce in China
China gehört zu den wichtigsten Märkten für Ferraris erstes Elektroauto. Käufer im Land sind bereits mit hochwertigen Elektromodellen vertraut und steigen schneller auf batterieelektrische Fahrzeuge um.
Für Ferrari ist der chinesische Markt auch deshalb bedeutend, weil es dort viele junge vermögende Kunden gibt, deren automobile Vorlieben stärker von Technologiemarken als von klassischen Sportwagenherstellern geprägt wurden.
Positive Rückmeldungen erhielt das Unternehmen zudem von US-amerikanischen Technologieunternehmern. In diesem Kundensegment wird der Elektroantrieb möglicherweise nicht als Abkehr von der Ferrari-Tradition gesehen, sondern als Ausdruck von Ingenieurskunst und moderner Luxusorientierung.
Der unabhängige Luxusauto-Analyst Scott Sherwood erklärte, Ferrari verstehe die Bedürfnisse seiner Kunden deutlich besser als viele Wettbewerber und könne einzelne Zielgruppen sehr präzise ansprechen.
Die gezielte Positionierung des Luce könnte dem Unternehmen geholfen haben, die Kritik am Design auszugleichen und schnell genügend Käufer für die begrenzte Produktion zu finden.
Ferrari setzt auf das Vermögen von Technologieunternehmern
Jefferies-Analyst James Grzinic verwies auf die wachsenden Vermögen von Unternehmern und Investoren, die vom Boom rund um künstliche Intelligenz und Technologieunternehmen profitieren.
Der Wertzuwachs in diesem Bereich schafft eine neue Gruppe potenzieller Käufer für extrem teure Fahrzeuge. Ferrari könnte davon profitieren, weil der Luce den Status eines traditionellen Supersportwagenherstellers mit einem vollelektrischen Antrieb verbindet.
Mit einem Einstiegspreis von 550.000 Euro gehört der Luce zu den teuersten serienmäßig produzierten Elektrofahrzeugen auf dem Markt. Bei Ferrari steigt der Endpreis jedoch häufig durch individuelle Ausstattungen, Sondermaterialien und personalisierte Innenräume weiter an.
Das Unternehmen rechnet damit, dass die begrenzte Stückzahl und die umfangreichen Möglichkeiten zur Individualisierung das Interesse an dem Modell in den kommenden Jahren stützen werden.
Erster Serien-Luce kommt bei Wohltätigkeitsauktion unter den Hammer
Im August wird Ferrari das erste Serienexemplar des Luce im Rahmen der Monterey Car Week in Kalifornien präsentieren.
Das Fahrzeug soll bei einer Wohltätigkeitsauktion versteigert werden. Es erhält eine speziell zusammengestellte Ausstattung, die sich von den regulären Kundenversionen unterscheidet.
Nach Einschätzung des Auktionshauses Sotheby’s könnte der Verkaufspreis mehr als 1,1 Millionen US-Dollar erreichen. Das wäre ungefähr das Doppelte des regulären Einstiegspreises.
Die Monterey Car Week zieht regelmäßig Sammler, Luxusautohersteller und Besitzer seltener Fahrzeuge an. Der Verkauf des ersten Luce soll zu den wichtigsten öffentlichen Auftritten von Ferrari nach der Einführung des Elektroautos gehören.
Ferrari wird am Donnerstag seine Finanzzahlen für das zweite Quartal vorlegen. Das Unternehmen äußert sich bislang nicht zur tatsächlichen Zahl der Bestellungen, zum Auslieferungsvolumen oder zu den Produktionsplänen für die zweite Jahreshälfte.
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