Startseite TechnologieKanada will seine U-Boot-Flotte modernisieren. TKMS könnte einen Milliardenauftrag für zwölf neue deutsche U-Boote erhalten.

Kanada will seine U-Boot-Flotte modernisieren. TKMS könnte einen Milliardenauftrag für zwölf neue deutsche U-Boote erhalten.

von Johanna Richter
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Kanada will seine U-Boot-Flotte modernisieren. TKMS könnte einen Milliardenauftrag für zwölf neue deutsche U-Boote erhalten.

Kanada hat einen wichtigen Schritt zur Modernisierung seiner U-Boot-Flotte gemacht und sich Medienberichten zufolge auf einen bevorzugten Anbieter für einen der größten Rüstungsaufträge in der Geschichte des Landes festgelegt. Dabei geht es um ein deutsches Konsortium unter Führung von Thyssenkrupp Marine Systems, das den Auftrag zum Bau neuer U-Boote erhalten könnte. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu de.finance.yahoo.

Nach Informationen der kanadischen Zeitung The Globe and Mail hat sich die kanadische Regierung für das deutsche Angebot im Rahmen des Programms zur Erneuerung der U-Boot-Flotte entschieden. Erwartet wird, dass Premierminister Mark Carney die Entscheidung offiziell beim NATO-Gipfel in Ankara bekannt gibt.

Kanada will seine veraltete U-Boot-Flotte ersetzen

Die kanadische U-Boot-Flotte besteht derzeit aus vier gebrauchten U-Booten, die vor Jahren beschafft wurden. Ihr technischer Zustand gilt jedoch seit Langem als problematisch: In der Regel ist nur eines der Boote voll einsatzbereit.

Das neue Programm sieht die Beschaffung von zwölf modernen U-Booten vor. Sie sollen Kanada eine dauerhafte Unterwasserpräsenz in mehreren strategisch wichtigen Regionen ermöglichen — in der Arktis, im Atlantik und im Pazifik.

Besonders wichtig ist für Ottawa die Arktis. In dieser Region nimmt die Aktivität Russlands und Chinas zu. Kanada will deshalb seine Verteidigungsfähigkeiten stärken und moderne Mittel zur Abschreckung erhalten.

Programm könnte mehr als 100 Milliarden kanadische Dollar kosten

Die Modernisierung der U-Boot-Flotte könnte zu einem der teuersten Rüstungsprojekte in der Geschichte Kanadas werden. Die Gesamtkosten des Programms über den gesamten Lebenszyklus hinweg könnten mehr als 100 Milliarden kanadische Dollar betragen, umgerechnet rund 61 Milliarden Euro.

Die reinen Beschaffungskosten für die U-Boote werden auf etwa 13 bis 20 Milliarden Euro geschätzt. Der übrige Betrag entfällt auf Wartung, Betrieb, Modernisierung und Unterstützung der Flotte über mehrere Jahrzehnte.

Nach Angaben der Bild könnte das anfängliche Auftragsvolumen bei rund zehn Milliarden Euro liegen. Ein solcher Auftrag würde zusätzliche Arbeit für deutsche Werften bringen, unter anderem in Kiel und Wismar, und neue Arbeitsplätze im Schiffbau schaffen.

Deutschland warb aktiv für das Angebot

Medienberichten zufolge hat sich die Bundesregierung intensiv für die Bewerbung von TKMS eingesetzt. Berlin betrachtet den möglichen kanadischen Auftrag nicht nur als kommerzielles Geschäft, sondern auch als wichtigen Bestandteil der Verteidigungskooperation zwischen NATO-Partnern.

Für Bundeskanzler Friedrich Merz hätte die mögliche Vereinbarung auch politische Bedeutung. Die erwartete Bekanntgabe fällt mit dem NATO-Gipfel in Ankara zusammen, an dem sowohl Merz als auch Kanadas Premierminister Mark Carney teilnehmen sollen.

Deutschland arbeitet bereits mit Norwegen beim Bau moderner U-Boote zusammen. Bei gemeinsamen Übungen warben Merz und der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre bei Carney dafür, eine europäische Lösung zu wählen und sich dem deutsch-norwegischen Projekt anzuschließen.

TKMS konkurrierte mit einer südkoreanischen Werft

Das deutsche Konsortium stand im Wettbewerb mit einem südkoreanischen Schiffbauunternehmen. Ein endgültiger Vertrag ist bislang nicht unterzeichnet. Nach Medienangaben hat Kanada zunächst nur den bevorzugten Anbieter ausgewählt.

Damit stehen noch längere Verhandlungen über technische Anforderungen, Finanzierung, Lieferfristen, die Beteiligung der kanadischen Industrie und die spätere Wartung der U-Boote bevor.

Experten gehen davon aus, dass der Abschluss der endgültigen Verträge mehrere Jahre dauern kann. Erst danach wird klar sein, wann Kanada die ersten neuen U-Boote erhält und in welchem Umfang deutsche Werften an der Umsetzung des Auftrags beteiligt sein werden.

Neue U-Boote für Arktis, Atlantik und Pazifik

Die Erneuerung der U-Boot-Flotte soll Kanada die Möglichkeit geben, den Unterwasserraum in drei zentralen Richtungen dauerhaft zu überwachen. Die Arktis spielt dabei eine besondere Rolle, weil sich die Sicherheitslage verändert und das Interesse großer Mächte an nördlichen Seewegen wächst.

Die neuen U-Boote sollen die heutige Flotte ersetzen, die weder zahlenmäßig noch technisch den aktuellen Anforderungen entspricht. Für Kanada geht es dabei nicht nur um die Modernisierung der Marine, sondern auch um die Fähigkeit, in Regionen präsent zu sein, die für NATO-Partner strategisch wichtig sind.

Mit deutscher Technologie könnte Kanada seine Unterwasserfähigkeiten deutlich ausbauen und eine verlässlichere Verteidigungspräsenz in den eigenen Seegebieten sicherstellen.

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