Startseite WirtschaftEine Fraunhofer-IFAM-Studie stellt die Zukunft von Gasheizungen in Deutschland infrage: Biogas ist teuer, Gasnetze verlieren an Rentabilität.

Eine Fraunhofer-IFAM-Studie stellt die Zukunft von Gasheizungen in Deutschland infrage: Biogas ist teuer, Gasnetze verlieren an Rentabilität.

von Johanna Richter
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Eine Fraunhofer-IFAM-Studie stellt die Zukunft von Gasheizungen in Deutschland infrage: Biogas ist teuer, Gasnetze verlieren an Rentabilitä

In Deutschland verschärft sich erneut die Debatte über die Zukunft der Gasheizung. Laut einer neuen Studie des Fraunhofer-Instituts IFAM kann der Einsatz von Biogas die Gasnetze langfristig nicht erhalten. Der Hauptgrund sind steigende Kosten für Betrieb und Instandhaltung der Netze bei gleichzeitig sinkender Zahl angeschlossener Haushalte. Wenn die Gasnachfrage zurückgeht, wird der Unterhalt der Infrastruktur für Stadtwerke und Netzbetreiber zunehmend unwirtschaftlich und für Verbraucher immer teurer. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu wiwo.

Die Bundesregierung will den Einbau neuer Gasheizungen weiterhin ermöglichen. Diese Anlagen sollen jedoch schrittweise mit einem wachsenden Anteil erneuerbaren Gases betrieben werden. Die Studie des Fraunhofer IFAM zeigt, dass dieses Modell an erhebliche wirtschaftliche Grenzen stoßen könnte. Selbst mit Biogas könnten Gasnetze ihre Rentabilität verlieren, weil viele Hauseigentümer auf andere Heizlösungen umsteigen dürften.

Warum Gasnetze zum Problem werden

Die Gasinfrastruktur verursacht dauerhafte Kosten für Wartung, Reparatur und Betrieb. Diese Ausgaben werden auf alle angeschlossenen Verbraucher verteilt. Je mehr Haushalte ein Gasnetz nutzen, desto geringer ist die Belastung pro Kunde. Sinkt jedoch die Zahl der Anschlüsse, bleiben die Fixkosten bestehen, verteilen sich aber auf weniger Nutzer.

Genau dieser Mechanismus könnte der Studie zufolge zum zentralen Problem der Gasnetze werden. Bei sinkender Gasnachfrage steigen die Netzentgelte für die verbleibenden Verbraucher. Dadurch verliert die Gasheizung im Vergleich zu Wärmepumpen oder Fernwärme an Wettbewerbsfähigkeit.

Viele Kommunen berücksichtigen diese Entwicklung bereits in ihren Planungen. In mehreren Städten wird diskutiert, Gasnetze schrittweise zurückzubauen, falls die Nachfrage dauerhaft sinkt. Für Kommunen und Stadtwerke geht es dabei nicht nur um Klimapolitik, sondern auch um die wirtschaftliche Tragfähigkeit der bestehenden Infrastruktur.

Was die Biogas-Pläne vorsehen

Nach den geplanten Änderungen im Gebäude- und Heizungsrecht sollen neue Gasheizungen einen steigenden Anteil Biogas nutzen. Ab 2029 müssten Hauseigentümer einen Vertrag mit ihrem Energieversorger nachweisen, der den vorgeschriebenen Biogas-Anteil garantiert.

In der ersten Stufe soll die Quote 10 Prozent betragen. Ab 2035 soll der Mindestanteil auf 30 Prozent steigen. Für die Zeit danach wird über einen noch höheren Anteil erneuerbarer Brennstoffe diskutiert. Perspektivisch sollen Gasheizungen bis 2045 vollständig mit erneuerbarem Gas betrieben werden.

Dieses Modell soll die technologische Offenheit im Wärmesektor erhalten. Formal könnten Hauseigentümer damit nicht nur Wärmepumpen oder den Anschluss an Wärmenetze wählen, sondern auch Gasheizungen, sofern diese die neuen Anforderungen erfüllen. Die Fraunhofer-IFAM-Studie zeigt jedoch, dass diese Wahl in der Praxis durch hohe Biogaspreise und die Entwicklung der Netze eingeschränkt werden könnte.

Biogas ist deutlich teurer als herkömmliches Gas

Ein zentraler Risikofaktor bleibt der Preis von Biogas. Nach Angaben des Vergleichsportals Verivox sind Gastarife mit hohem Biogas-Anteil deutlich teurer als herkömmliche Angebote. Tarife mit einem Biogas-Anteil von 60 Prozent können rund 24 Prozent mehr kosten. Bei 100 Prozent Biogas können die Mehrkosten etwa 40 Prozent erreichen.

Für Haushalte bedeutet das steigende Heizkosten. Dabei geht es nicht nur um den Preis des Gases selbst. Hinzu kommen Netzentgelte, die bei einer sinkenden Zahl von Kunden im Gasnetz weiter steigen könnten. Dadurch kann Gasheizen selbst für Haushalte mit bestehendem Anschluss finanziell unattraktiv werden.

Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass der verpflichtende Umstieg auf Biogas das Grundproblem der Gasinfrastruktur nicht löst. Selbst wenn ein Teil des Brennstoffs durch erneuerbares Gas ersetzt wird, bleibt der Betrieb der Netze bei sinkender Nachfrage teuer. Das ist besonders für Kommunen wichtig, die ihre Wärmeinfrastruktur über Jahrzehnte planen müssen.

Warum Hauseigentümer auf Gas verzichten könnten

Der Studie zufolge wird ein erheblicher Teil der Hauseigentümer künftig auf Wärmepumpen oder Fernwärme umsteigen. Der Grund dafür ist vor allem wirtschaftlich. Wenn Gas durch Biogas und steigende Netzentgelte teurer wird, gewinnen alternative Technologien an Attraktivität.

Wärmepumpen erfordern zwar hohe Anfangsinvestitionen, können unter bestimmten Bedingungen aber niedrigere Betriebskosten ermöglichen. Fernwärme gilt ebenfalls als wichtiger Baustein der künftigen Wärmeversorgung, vor allem in Städten und dicht besiedelten Gebieten. Vor diesem Hintergrund drohen Gasheizungen ihren Status als Massenlösung zu verlieren.

Für Kommunen entsteht dadurch zusätzliche Unsicherheit. Werden neue Gasheizungen eingebaut, das Netz später aber unrentabel oder stillgelegt, könnten Hauseigentümer erneut modernisieren müssen. Dieses Szenario macht Investitionen in neue Gasheizungen riskanter.

Auftraggeber der Studie kritisieren den Gesetzentwurf

Die Studie wurde vom Münchner Umweltinstitut und der Initiative GasWende in Auftrag gegeben, die sich für eine gasfreie Energieversorgung einsetzen. Beide Organisationen kritisieren die Pläne der Bundesregierung, weil sie den Einbau neuer Gasheizungen weiterhin zulassen.

Till Irmisch, Referent für Energiepolitik beim Umweltinstitut, erklärte, die Kombination aus teurem Biogas und steigenden Netzentgelten könne für die meisten Verbraucher unbezahlbar werden. Unter solchen Bedingungen verliere die Gasheizung gegenüber Fernwärme und Wärmepumpen ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Kritik kommt nicht nur von Umweltorganisationen. Auch andere Experten hatten zuvor auf Schwachstellen des Gesetzentwurfs hingewiesen. Der Bundesrat forderte mehrere Änderungen am Entwurf. Einer der umstrittenen Punkte bleibt die Frage, wie realistisch es ist, die erforderlichen Mengen an Biogas für den Wärmesektor bereitzustellen.

Gasnetze könnten bis 2045 stillgelegt werden

Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass viele Kommunen spätestens bis 2045 aus dem Betrieb ihrer Gasnetze aussteigen könnten. Dieses Szenario hängt mit den Klimazielen Deutschlands und dem erwarteten Rückgang der Nachfrage nach Erdgas zusammen. Wenn Netze immer weniger genutzt werden, wird ihr Unterhalt wirtschaftlich unattraktiv.

Damit wird auch die langfristige Verlässlichkeit der Gasheizung als Option für Neubauten und modernisierte Bestandsgebäude infrage gestellt. Selbst wenn das Gesetz den Einbau neuer Gasheizungen erlaubt, ist der Zugang zum Netz in Zukunft nicht mehr in der bisherigen Form garantiert. In einzelnen Kommunen könnte die Gasinfrastruktur verkleinert oder vollständig zurückgebaut werden.

Für Hauseigentümer bedeutet das, dass sie nicht nur die aktuellen Installationskosten, sondern auch die Perspektive der nächsten 10 bis 20 Jahre berücksichtigen müssen. Eine heute gekaufte Gasheizung könnte mit steigenden Entgelten, teurem Biogas und Unsicherheit über die Zukunft des Netzes verbunden sein.

Regierung will Klimaneutralität bis 2045 sichern

Die geplanten Änderungen im Heizungsrecht werden mit dem Ziel begründet, den Gebäudesektor bis 2045 klimaneutral zu machen. Der politische Kurs sieht einen schrittweisen Abschied von fossilen Brennstoffen im Wärmemarkt vor. Wenn Gasheizungen als Option erhalten bleiben, müssen sie deshalb auf erneuerbare Brennstoffe umgestellt werden.

Zuvor war ein Modell diskutiert worden, bei dem der Biogas-Anteil bis 2045 auf 60 Prozent steigen sollte. Nun steht eine Vorgabe von 100 Prozent erneuerbarem Gas im Raum. Dadurch würde die mögliche Nachfrage nach Biogas deutlich steigen und die Frage der Verfügbarkeit noch wichtiger werden.

Auf dem Markt gibt es bereits Tarife mit vollständig biogenem Gas. Unklar bleibt jedoch, ob Anbieter künftig ausreichende Mengen bereitstellen können, wenn die Nachfrage aus dem Heizungssektor zunimmt. Bei begrenztem Angebot könnte der Preis für Biogas hoch bleiben.

Verfügbarkeit von Biogas bleibt fraglich

Eine der zentralen Fragen ist die tatsächliche Verfügbarkeit von Biogas. Um die Klimaziele zu erreichen, würde deutlich mehr Biogas benötigt als heute. Zugleich wird Biogas nicht nur beim Heizen, sondern auch in anderen Wirtschaftsbereichen eingesetzt. Der Wettbewerb um den begrenzten Rohstoff könnte zunehmen.

Energieexperte Till Irmisch erklärte, die Bundesregierung habe bis heute nicht erläutert, wie sie die Menschen künftig mit ausreichend Biogas versorgen wolle. Haushalte, die heute eine neue Gasheizung einbauen, könnten deshalb mit einer teuren und wenig praxistauglichen Investition konfrontiert werden.

Wenn Gasnetze schon vor 2045 stillgelegt werden, verliert das Heizen mit Biogas seine infrastrukturelle Grundlage. In diesem Fall könnten selbst formal erlaubte Gasheizungen zu einer Lösung mit hohem finanziellen und technischen Risiko werden.

Heizungsgesetz stößt an praktische Grenzen

Die Fraunhofer-IFAM-Studie zeigt, dass technologische Offenheit im Wärmesektor praktische Grenzen hat. Ein Gesetz kann verschiedene Optionen zulassen, doch Marktbedingungen, Infrastruktur und Preise entscheiden darüber, welche Lösungen für Haushalte tatsächlich verfügbar bleiben.

Gasheizungen mit wachsendem Biogas-Anteil stehen vor mehreren Problemen zugleich: teurer Brennstoff, steigende Netzentgelte, sinkende Anschlusszahlen und Unsicherheit über den langfristigen Betrieb der Gasnetze. Unter diesen Bedingungen könnten Kommunen stärker auf alternative Systeme setzen, darunter Wärmenetze und elektrische Heizlösungen.

Für Verbraucher bedeutet das, dass die Wahl einer neuen Heizung nicht nur eine technische, sondern auch eine strategische Entscheidung ist. Der Einbau einer neuen Gasheizung kann gesetzlich erlaubt sein, ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit hängt jedoch von der lokalen Netzsituation, der Verfügbarkeit von Biogas und den künftigen Tarifen ab.

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