Startseite AktuellesSchwere Unwetter in Thüringen fordern ein Todesopfer. Häuser, Straßen und Stromnetze wurden beschädigt, bei Arnstadt wird ein möglicher Tornado untersucht.

Schwere Unwetter in Thüringen fordern ein Todesopfer. Häuser, Straßen und Stromnetze wurden beschädigt, bei Arnstadt wird ein möglicher Tornado untersucht.

von Johanna Richter
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Schwere Unwetter in Thüringen fordern ein Todesopfer. Häuser, Straßen und Stromnetze wurden beschädigt, bei Arnstadt wird ein möglicher Tornado untersucht.

Heftige Gewitter und starker Wind haben in der Nacht zum Donnerstag in mehreren Teilen Thüringens erhebliche Schäden verursacht. In Georgenthal kam ein Mann ums Leben, nachdem er von herabstürzenden Ästen getroffen worden war. Im Ilm-Kreis prüfen Meteorologen, ob dort möglicherweise ein Tornado aufgetreten ist. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu mdr.

Zeitweise waren rund 3.700 Menschen ohne Strom. Nach Angaben des Netzbetreibers Thüringer Energienetze wurden insgesamt 23 wetterbedingte Stromausfälle registriert. Umgestürzte Bäume beschädigten Hochspannungsleitungen und Strommasten.

Familienvater in Georgenthal tödlich verletzt

Der schwerste Zwischenfall ereignete sich im Landkreis Gotha. In Georgenthal wurde ein Mann auf einem Fußweg in Richtung Kindergarten von herabfallenden Ästen getroffen und tödlich verletzt. Landrat Onno Eckert bestätigte den Todesfall.

Schwere Schäden wurden auch aus Ohrdruf, Tambach-Dietharz, Drei Gleichen und weiteren Orten gemeldet. Unter anderem stürzten Bäume an Grundschulen in Wölfis, Ohrdruf und Tambach-Dietharz um.

Besonders stark betroffen war Ohrdruf. Der Sturm entwurzelte Bäume, brach Stämme ab und deckte Gebäude ab. Das Dach einer Sporthalle in Gräfenhain wurde nach dem Unwetter mehrere Hundert Meter vom Gebäude entfernt gefunden.

Ohrdrufs Bürgermeister Stefan Schambach erklärte, dass die Aufräumarbeiten mehrere Wochen dauern könnten. Die Schäden werden vorläufig auf mehrere Millionen Euro geschätzt.

Seit dem ersten Notruf gegen 22 Uhr waren in der Region etwa 385 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und Technischem Hilfswerk im Einsatz. Insgesamt wurden die Einsatzkräfte mehr als 80-mal alarmiert.

Windgeschwindigkeiten von bis zu 119 km/h

Eine der höchsten Windgeschwindigkeiten in Thüringen wurde bei Lindenau im Wartburgkreis gemessen. Nach Angaben der MDR-Wetterstation erreichten die Böen dort bis zu 119 km/h und damit Orkanstärke.

Die Bundesstraße B285 bei Dermbach wurde wegen zahlreicher umgestürzter und beschädigter Bäume vollständig gesperrt. Rund 80 Straßenbäume wurden in Mitleidenschaft gezogen, vor allem durch abgebrochene Kronen und Äste. Die Sicherungs- und Aufräumarbeiten könnten nach Angaben der Behörden bis Anfang der kommenden Woche dauern.

In Oechsen stürzte ein Baum auf ein Wohnhaus. In Bad Liebenstein fiel ein Baum auf den Bereich eines Biergartens. Verletzte wurden in beiden Fällen nicht gemeldet.

Auf der Autobahn A4 zwischen Gotha und dem Erfurter Kreuz wurde eine Konstruktion mit einem Verkehrsschild aus ihrer Verankerung gerissen und etwa 50 Meter weit geschleudert. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden.

Möglicher Tornado bei Arnstadt

Besonders schwere Schäden gab es in Ichtershausen bei Arnstadt. Dort wurde das Dach eines Gebäudes des Abwasserzweckverbandes großflächig abgedeckt. Die beschädigte Dachfläche umfasste rund 800 Quadratmeter, Trümmerteile wurden mehrere Hundert Meter weit getragen.

Vertreter des Betriebs vermuten, dass ein Tornado über das Gelände gezogen sein könnte. Während des Unwetters wurden dort Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 km/h registriert.

Der Deutsche Wetterdienst hat diese Einschätzung bislang nicht bestätigt. Die Fachleute halten sowohl einen Tornado als auch einen sogenannten Downburst, also einen heftigen Fallwind innerhalb einer Gewitterzelle, für möglich.

Für eine eindeutige Bestätigung eines Tornados wären klare Foto- oder Videoaufnahmen oder ein charakteristisches Schadensmuster erforderlich, das auf rotierende Winde schließen lässt.

Schäden im Ilmenauer Freibad und zahlreiche Straßensperrungen

Auch das Freibad in Ilmenau wurde durch den Sturm erheblich beschädigt und vorübergehend geschlossen. Mehrere Bäume wurden entwurzelt oder abgebrochen. Außerdem wurden Beleuchtung, Lautsprecher, Tore und Zäune beschädigt.

Der Wind riss zudem die Überdachung des Kinderbeckens einschließlich einer Stütze ab. Mehrere Beckenabdeckungen müssen ersetzt werden.

In Südthüringen wurden wegen umgestürzter Bäume zahlreiche Straßen gesperrt. Betroffen waren unter anderem Verbindungen zwischen Nesselhof und Nesselberg, Kleinschmalkalden und Heuberghaus, Brotterode und Kleinschmalkalden sowie zwischen Seligenthal und Trusetal.

Im Kanzlersgrund zwischen Oberhof und Steinbach-Hallenberg kam es im Zusammenhang mit umgestürzten Bäumen zu zwei Verkehrsunfällen. Zwei Menschen wurden leicht verletzt, ein weiterer Insasse erlitt einen Schock.

Blitz setzt Wohnhaus in Brand

In Ostthüringen schlug in Altenbeuthen am Hohenwarte-Stausee ein Blitz in ein Mehrgenerationenhaus ein und löste einen Brand aus.

Alle sechs Bewohner konnten sich in Sicherheit bringen und blieben unverletzt. Drei betroffene Familien wurden vorübergehend in einem anderen Gebäude im Ort untergebracht.

Rund 80 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Der Sachschaden wird auf etwa 150.000 Euro geschätzt. Das Gebäude ist derzeit nicht bewohnbar.

Straßen und Gebäude in Weimar überflutet

Auch Mittelthüringen war von den Unwettern betroffen. In Weimar führten heftige Regenfälle am Abend zu mehreren Feuerwehreinsätzen. Straßen, Eisenbahnunterführungen, Keller und Gebäude wurden teilweise überflutet.

An einigen Stellen stand das Wasser bis zu 50 Zentimeter hoch. Die ersten größeren Einsätze wurden gegen 22 Uhr gemeldet.

Im Weimarer Ortsteil Süßenborn strömten Wasser und Schlamm von angrenzenden Feldern in den bebauten Bereich und verursachten einen Murenabgang.

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