Die geplante Aufteilung der Supermarktkette Tegut stößt auf ein entscheidendes Hindernis. Das Bundeskartellamt hat Bedenken gegen die Übernahme von rund 200 Standorten durch Edeka angemeldet. Nach der vorläufigen Bewertung der Behörde könnte der Zusammenschluss den Wettbewerb in mehreren Regionen Deutschlands erheblich einschränken. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu chip.
Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Edeka hat bereits angeboten, auf einzelne Filialen zu verzichten. Ob dieses Zugeständnis ausreicht, soll nun bis zum 23. September 2026 geprüft werden. Für zahlreiche Beschäftigte und Standorte bleibt die Zukunft damit vorerst offen.
Kartellamt sieht Probleme bei 38 Tegut-Filialen
Edeka will nach den bisherigen Planungen etwa 200 bis 202 Tegut-Märkte übernehmen. Bei 38 Filialen erkennt das Bundeskartellamt jedoch wettbewerbsrechtliche Risiken. Betroffen sind 37 regionale Absatzmärkte, vor allem in Hessen und Bayern.
In diesen Gebieten würde sich die ohnehin starke Position von Edeka weiter vergrößern. An neun Standorten könnte der Marktanteil des Handelskonzerns nach dem Zusammenschluss auf mehr als 40 Prozent steigen. Aus Sicht der Wettbewerbshüter besteht deshalb die Gefahr, dass Kunden künftig weniger Auswahl haben und konkurrierende Händler unter zusätzlichen Druck geraten.
Eine vollständige Untersagung des gesamten Geschäfts steht derzeit allerdings nicht im Raum. Die Einwände konzentrieren sich auf jene Standorte, an denen Edeka nach Einschätzung der Behörde eine besonders starke oder marktbeherrschende Stellung erreichen könnte.
Edeka bietet Verzicht auf neun Märkte an
Um die Genehmigung für den größten Teil des Geschäfts zu erhalten, hat Edeka dem Bundeskartellamt einen neuen Vorschlag vorgelegt. Der Konzern will zunächst auf die Übernahme von neun der umstrittenen Filialen verzichten.
Die Behörde prüft nun, ob dieses Angebot die Wettbewerbsbedenken ausreichend ausräumt. Wegen der zusätzlichen Prüfung wurde die Entscheidungsfrist im Hauptprüfverfahren um einen Monat bis zum 23. September verlängert. Bis dahin bleibt unklar, wie viele Tegut-Märkte tatsächlich an Edeka gehen können.
Sollte das Kartellamt auch den überarbeiteten Plan ablehnen, könnte Edeka gegen die Entscheidung vor dem zuständigen Oberlandesgericht vorgehen. Möglich wären außerdem weitere Zugeständnisse oder der Verkauf einzelner Standorte an andere Interessenten.
Rund 1.100 Arbeitsplätze könnten betroffen sein
Die kartellrechtlichen Einwände haben nicht nur Folgen für die beteiligten Unternehmen. In den 38 betroffenen Filialen arbeiten nach Unternehmensangaben rund 1.100 Menschen. Scheitert die Übernahme dieser Märkte, wären ihre Arbeitsplätze gefährdet.
Edeka hatte die geplante Transaktion zuvor damit begründet, zahlreiche Standorte und insgesamt etwa 4.500 Arbeitsplätze sichern zu können. Für Filialen, die nicht übernommen werden, müssten dagegen neue Käufer gefunden oder andere Lösungen ausgearbeitet werden.
Auch die hessische Landesregierung verfolgt das Verfahren aufmerksam. Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori warnte vor den Folgen möglicher Schließungen für Beschäftigte und die Lebensmittelversorgung in ländlichen Regionen. Er forderte eine Prüfung, die neben dem Wettbewerb auch die regionale Nahversorgung berücksichtigt.
Logistikzentrum und Teo-Märkte nicht beanstandet
Andere Teile des geplanten Geschäfts bewertet das Bundeskartellamt offenbar weniger kritisch. Nach den bisherigen Angaben bestehen keine grundsätzlichen Einwände gegen die Übernahme des Tegut-Logistikzentrums, der Unternehmenszentrale, der Bäckerei Herzberger und von rund 40 beziehungsweise 41 automatisierten Teo-Kleinmärkten.
Diese Bereiche gehören zu dem umfangreichen Paket, das Edeka von der Schweizer Genossenschaft Migros Zürich übernehmen möchte. Die einzelnen Supermärkte sollen nach dem Abschluss des Verkaufs in mehrere regionale Edeka-Gesellschaften integriert werden. Vorgesehen sind unter anderem Edeka Hessenring, Edeka Südwest, Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen und Edeka Südbayern.
Für weitere Tegut-Standorte gibt es separate Interessenten. Die Smart-Store-Kette Tante Enso erhielt bereits im Juni die Genehmigung des Bundeskartellamts zur Übernahme von 36 Märkten. Auch Rewe soll einen Teil des Filialnetzes übernehmen.
Migros zieht sich aus dem deutschen Markt zurück
Hintergrund des Verkaufs ist der Rückzug der Genossenschaft Migros Zürich aus Deutschland. Das Schweizer Unternehmen hatte im März 2026 angekündigt, die Tegut-Gruppe vollständig zu veräußern. Migros begründete diesen Schritt mit der schwierigen wirtschaftlichen Entwicklung und den anhaltenden Problemen der Supermarktkette.
Tegut betreibt vor allem in Hessen, Bayern, Thüringen und Baden-Württemberg Filialen. Die Kette beschäftigt mehrere Tausend Menschen und gehörte seit 2013 zur Migros-Gruppe. Mit dem Verkauf soll das Unternehmen auf mehrere neue Eigentümer aufgeteilt werden. Die Marke Tegut soll nach den bisherigen Planungen langfristig nicht fortgeführt werden.
Tegut begann 1947 mit zwei kleinen Geschäften
Gegründet wurde das Unternehmen 1947 von Theo Gutberlet in Fulda. Wegen fehlenden Kapitals startete der Kaufmann zunächst mit zwei kleinen Lebensmittelgeschäften. Aus diesen Anfängen entwickelte sich später eine überregional bekannte Supermarktkette.
Unter Wolfgang Gutberlet baute Tegut sein Angebot an Bio-Lebensmitteln deutlich aus und positionierte sich früh als Anbieter ökologischer und regionaler Produkte. Der Bio-Anteil am Gesamtumsatz lag zeitweise deutlich über dem vieler klassischer Supermarktketten.
Die Verbindung zur Gründerfamilie endete schrittweise nach dem Verkauf an Migros. Thomas Gutberlet, Enkel des Firmengründers und früherer Tegut-Chef, verließ das Unternehmen Ende 2024 und wechselte später zum Kleinmarktanbieter Tante Enso.
Edeka stellt regionale Eigenmarken neu auf
Unabhängig von der Tegut-Transaktion baut Edeka derzeit auch sein eigenes Sortiment um. Seit dem Frühjahr führt der Konzern regionale Lebensmittel zunehmend unter der neuen Eigenmarke „Edeka Regional“.
Bisherige Bezeichnungen wie „Edeka Heimatliebe“ oder „Mein Land“ sollen schrittweise aus den Regalen verschwinden. Unter dem einheitlichen Namen will der Händler Produkte aus der jeweiligen Region leichter erkennbar machen und die Zusammenarbeit mit heimischen Erzeugern stärker hervorheben.
Die neue Kennzeichnung soll künftig in mehreren Warengruppen eingesetzt werden. Dazu gehören unter anderem Obst, Gemüse, Molkereiprodukte, Fleisch und weitere Lebensmittel aus regionaler Herstellung
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