Startseite AktuellesStudie zeigt, wie Erwärmung, Gletscherschmelze, tauender Permafrost und Wasseransammlungen den verheerenden Bergsturz im Himalaya verstärkten.

Studie zeigt, wie Erwärmung, Gletscherschmelze, tauender Permafrost und Wasseransammlungen den verheerenden Bergsturz im Himalaya verstärkten.

von Johanna Richter
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Studie zeigt, wie Erwärmung, Gletscherschmelze, tauender Permafrost und Wasseransammlungen den verheerenden Bergsturz im Himalaya verstärkten.

Eine neue Untersuchung zu den Ursachen der verheerenden Sturzflut im Himalaya deutet auf einen engen Zusammenhang zwischen der Katastrophe und der Klimaerwärmung hin. Wissenschaftler stellten fest, dass der Bergsturz am Hang des Langtang Lirung in Nepal durch mehrere ungünstige Prozesse begünstigt wurde – darunter der Rückzug der Gletscher, das Auftauen des Permafrosts und die Ansammlung großer Mengen Schmelzwasser. Unmittelbar vor dem Ereignis wurden in der Region zudem ungewöhnlich hohe Temperaturen gemessen. Nach Einschätzung der Forscher verringerte das Zusammenspiel geologischer und klimatischer Faktoren die Stabilität des Berghangs erheblich. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu tagesschau.

Was am Hang des Langtang Lirung geschah

Nach der Katastrophe versuchten Fachleute zu klären, woher die enorme Wassermenge stammte, die zusammen mit den herabstürzenden Gesteinsmassen eine Sturzflut auslöste. Allein durch die Mechanik des Bergsturzes ließ sich das Ausmaß des Ereignisses nur schwer erklären.

Die Untersuchung zeigt, dass der Hang bereits zuvor geologisch instabil war. Zusätzlich könnte das schwere Erdbeben in Nepal im Jahr 2015 seine Stabilität beeinträchtigt haben.

In den darauffolgenden Jahren veränderten sich jedoch auch die Bedingungen im Hochgebirge deutlich. Gletscher zogen sich zurück, dauerhaft gefrorene Böden tauten zunehmend auf und die verfügbare Menge an Schmelzwasser nahm zu. Kurz vor dem Bergsturz stiegen die Temperaturen zudem auf für diese Region ungewöhnlich hohe Werte.

Himalaya seit der Industrialisierung rund 1,5 Grad wärmer

Nach Einschätzung der Forscher ist die Temperatur im Himalaya seit Beginn der Industrialisierung um etwa 1,5 Grad Celsius gestiegen. In Hochgebirgsregionen kann bereits eine solche Veränderung erhebliche Auswirkungen auf Gletscher, Permafrost und die Stabilität von Gesteinsformationen haben.

Eine Folge ist die zunehmende Verlagerung der Nullgradgrenze in größere Höhen. Während der Monsun- und Nachmonsunzeit stieg diese Grenze in den vergangenen Jahrzehnten um ungefähr 100 Meter pro Jahrzehnt.

Dadurch erreicht die Erwärmung zunehmend Gebiete, in denen früher dauerhaft Schnee, Eis und Permafrost vorhanden waren. Das Jahr vor dem Bergsturz war in der Region ungewöhnlich warm. Die beiden Monate unmittelbar vor der Katastrophe waren sogar die wärmsten seit Beginn der dortigen Aufzeichnungen.

Tauender Permafrost verändert die Stabilität der Berge

Besondere Aufmerksamkeit richten Wissenschaftler auf jene Höhenlagen, in denen dauerhaft gefrorener Untergrund zunehmend regelmäßig auftaut. Gleichzeitig verstärkt sich das saisonale Abschmelzen der Gletscher.

Dadurch steht während der warmen Monate wesentlich mehr flüssiges Wasser im Hochgebirge zur Verfügung. Dieses kann tief in Spalten und Hohlräume des Gesteins eindringen und dessen physikalische Eigenschaften allmählich verändern.

Hinzu kommt, dass Niederschläge aufgrund steigender Temperaturen auch in großen Höhen häufiger als Regen statt als Schnee fallen. Schnee kann lange an der Oberfläche liegen und später zu Eis werden. Regenwasser dagegen kann unmittelbar abfließen oder schnell in den Fels eindringen.

Wasser könnte sich direkt im Gestein angesammelt haben

Die Untersuchung weist auf einen weiteren Mechanismus hin, der das Ausmaß der Katastrophe erklären könnte. Große Wassermengen könnten sich nicht nur an der Oberfläche oder unter einem Gletscher, sondern direkt in Spalten innerhalb des Bergmassivs angesammelt haben.

Das Wasser gelangte sowohl durch Regen als auch durch die intensive Schmelze von Schnee, Gletschern und Permafrost in das Gestein. Mit zunehmender Wassermenge erhöhte sich der Druck innerhalb der Felsspalten.

Gleichzeitig verschwand Eis, das zuvor Spalten ausgefüllt und einzelne Bereiche des Hanges stabilisiert haben könnte. Das Zusammenspiel dieser Prozesse verringerte schrittweise die Festigkeit des Gesteins.

Schließlich verlor der Hang seine Stabilität und brach zusammen. Zusammen mit den Gesteinsmassen strömten große Mengen Wasser talwärts, wodurch die zerstörerische Wirkung der Sturzflut zusätzlich verstärkt wurde.

Warum die Ergebnisse auch für die Alpen wichtig sind

Der mögliche Mechanismus, bei dem sich erhebliche Wassermengen innerhalb von Gesteinsformationen ansammeln, ist auch für Experten interessant, die andere Hochgebirgsregionen überwachen. Insbesondere für die Alpen könnten die Erkenntnisse relevant sein.

Dass Wasser die Stabilität von Berghängen beeinflusst, ist seit Langem bekannt. Die Katastrophe in Nepal zeigt jedoch, welche Dimension dieser Effekt erreichen kann, wenn intensive Gletscherschmelze, tauender Permafrost und ungewöhnlich hohe Temperaturen gleichzeitig auftreten.

Bei der Überwachung gefährdeter Bergregionen könnte es deshalb notwendig werden, neben dem Zustand der Gletscher und der sichtbaren Hangoberfläche auch das Eindringen und die mögliche Ansammlung von Wasser innerhalb des Gesteins stärker zu berücksichtigen.

Erwärmung verändert die Bedingungen im Hochgebirge

Die Untersuchung zeigt, dass mehrere miteinander verbundene Faktoren zur Katastrophe beigetragen haben. Die geologische Instabilität des Hanges bestand bereits zuvor, doch steigende Temperaturen veränderten sowohl die Wassermenge als auch den Zustand des gefrorenen Untergrunds.

Der Rückzug der Gletscher legte zuvor von Eis bedeckte Bereiche frei, das Auftauen des Permafrosts schwächte das Bergmassiv und die außergewöhnlich warme Periode beschleunigte die Schmelze. Gleichzeitig konnte zunehmender Regen in großen Höhen zusätzliches Wasser in Felsspalten transportieren.

Forscher weisen darauf hin, dass die Prozesse an den Übergängen zwischen Gletschern, Permafrost und freiliegendem Gestein bislang nicht ausreichend untersucht sind. Gerade diese Hochgebirgsregionen verändern sich mit steigenden Temperaturen besonders stark.

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