Die Lage auf dem globalen Ölmarkt bleibt angespannt. Lieferausfälle im Nahen Osten, der stark eingeschränkte Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus und Probleme bei der Ölverarbeitung belasten den Markt. Strategische Reserven konnten die Ausfälle über mehrere Monate teilweise ausgleichen, doch die weltweiten Lagerbestände sind inzwischen deutlich gesunken. Zusätzlichen Druck erzeugt der Ausfall einer wichtigen saudischen Ölpipeline nach einem Drohnenangriff. Vor diesem Hintergrund wird Brent-Rohöl weiterhin für mehr als 100 Dollar je Barrel gehandelt, während vor allem der Dieselmarkt unter erheblichem Druck steht. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu t-online.
Saudische Ölpipeline wird zum neuen Risikofaktor
Zu den größten Problemen der vergangenen Tage gehört der Ausfall der East-West-Pipeline in Saudi-Arabien. Sie verbindet die wichtigsten Fördergebiete des Landes mit dem Hafen Yanbu am Roten Meer und ermöglicht es, Rohöl unter Umgehung der Straße von Hormus zu exportieren.
Nach einem Angriff wurden Pumpstationen beschädigt, woraufhin der Betrieb der Pipeline eingestellt werden musste. Die Bedeutung dieser Infrastruktur ist besonders groß, seit die Transporte durch die Straße von Hormus massiv zurückgegangen sind.
Nach Einschätzung von Marktbeobachtern könnte ein längerer Ausfall der Pipeline dem Weltmarkt eine Menge entziehen, die etwa vier Prozent des globalen Ölbedarfs entspricht. Saudi-Arabien rechnet damit, ungefähr die Hälfte der Kapazität innerhalb weniger Tage wiederherstellen zu können. Bis zur vollständigen Wiederinbetriebnahme könnten jedoch bis zu sechs Wochen vergehen.
Riad versucht gleichzeitig, seine Exporte über alternative Transportwege aufrechtzuerhalten. Zusätzliche Liefermöglichkeiten über Oman haben die Sorgen der Händler zuletzt etwas gedämpft. Brent fiel am Donnerstag zeitweise auf rund 104 Dollar je Barrel, nachdem die Preise zuvor deutlich gestiegen waren.
Straße von Hormus bleibt ein Engpass für den Ölmarkt
Das Problem beschränkt sich nicht auf die saudische Infrastruktur. Der reguläre Transport von Rohöl und Ölprodukten durch die Straße von Hormus ist weiterhin stark eingeschränkt.
Die Meerenge ist von entscheidender Bedeutung für die Energieexporte der Staaten am Persischen Golf. Die Möglichkeiten, diese Mengen vollständig über Pipelines umzuleiten, sind begrenzt.
Vor Beginn des Konflikts passierten täglich deutlich mehr große Frachtschiffe die Meerenge. Inzwischen ist der Schiffsverkehr auf einen Bruchteil des früheren Niveaus zurückgegangen.
Dadurch fehlen dem internationalen Markt erhebliche Mengen an Rohöl und raffinierten Produkten. Gleichzeitig bleiben alternative Exportwege begrenzt, wodurch jede weitere Störung der Infrastruktur stärkere Auswirkungen auf die Preise haben kann.
Neue Risiken entstehen im Roten Meer
Ein weiterer Risikofaktor ist die Straße Bab al-Mandab zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden. Die Lage rund um diese wichtige Schifffahrtsroute hat sich durch die Kämpfe im Jemen und die Aktivitäten der Huthi-Miliz verschärft.
Bab al-Mandab gehört zu den bedeutendsten Engpässen des internationalen Seehandels. Ein erheblicher Teil der Waren- und Energietransporte zwischen Asien und Europa führt durch diese Region.
Für Reedereien bedeutet die zunehmende Unsicherheit, dass sie häufiger prüfen müssen, ob Schiffe statt durch das Rote Meer und den Suezkanal um das Kap der Guten Hoffnung fahren sollen.
Eine solche Umleitung verlängert eine Reise um etwa zehn bis 14 Tage. Gleichzeitig steigen der Treibstoffverbrauch, die Frachtkosten und häufig auch die Versicherungsprämien.
Der internationale Ölmarkt ist damit gleichzeitig mit Problemen an zwei strategisch wichtigen Seewegen konfrontiert: an der Straße von Hormus und am Zugang zum Roten Meer.
Strategische Ölreserven werden kleiner
Die Folgen der Energiekrise konnten über mehrere Monate auch deshalb begrenzt werden, weil große Volkswirtschaften ihre strategischen Ölreserven nutzten.
Die Mitgliedstaaten der Internationalen Energieagentur beschlossen im März, insgesamt 400 Millionen Barrel Öl aus ihren Notfallreserven freizugeben. Damit sollten die Lieferausfälle infolge des Konflikts im Nahen Osten teilweise ausgeglichen werden.
Diese Reserven sind jedoch nicht unbegrenzt verfügbar. Die weltweiten beobachtbaren Ölbestände sind seit Beginn des Konflikts erheblich zurückgegangen.
Gleichzeitig arbeiten viele Raffinerien mit hoher Auslastung. Dadurch reagiert der Markt empfindlicher auf zusätzliche Ausfälle bei der Rohölversorgung oder auf technische Probleme einzelner Anlagen.
Auch China hat über mehrere Monate auf eigene Reserven zurückgegriffen. Inzwischen tritt das Land jedoch wieder verstärkt als Käufer auf den internationalen Märkten auf.
Diesel wird zu einem besonderen Problem
Besonders angespannt ist die Lage bei den Ölprodukten. Das betrifft vor allem Diesel.
Der Kraftstoff spielt nicht nur für Pkw und Lkw eine wichtige Rolle, sondern auch für Landwirtschaft, Bauwirtschaft, Logistik und Industrie. Deshalb wirken sich Lieferengpässe bei Diesel vergleichsweise schnell auf zahlreiche Wirtschaftsbereiche aus.
Ein wesentlicher Grund für die hohen Preise ist der starke Rückgang der Exporte aus der Golfregion. Gleichzeitig sind die verfügbaren Raffineriekapazitäten weltweit stark ausgelastet.
Zusätzlichen Druck erzeugt der Rückgang der russischen Ölverarbeitung nach ukrainischen Angriffen auf Raffinerien und andere Teile der Energieinfrastruktur.
In Deutschland haben die Auswirkungen die Tankstellen erreicht. Diesel kostete zuletzt im bundesweiten Durchschnitt rund 2,45 Euro je Liter und erreichte damit ein außergewöhnlich hohes Preisniveau.
Mit der Erntesaison auf der Nordhalbkugel könnte die Nachfrage zusätzlich steigen. Ein großer Teil der landwirtschaftlichen Maschinen wird weiterhin mit Diesel betrieben.
Trump fordert Ende ukrainischer Angriffe auf russische Raffinerien
US-Präsident Donald Trump hat die Ukraine vor dem Hintergrund der hohen Kraftstoffpreise aufgefordert, Angriffe auf russische Ölraffinerien einzustellen. Er stellte einen Zusammenhang zwischen diesen Attacken und dem geringeren Angebot an Diesel auf dem internationalen Markt her.
Die ukrainischen Angriffe haben tatsächlich zu Ausfällen bei der russischen Ölverarbeitung beigetragen. Dadurch gingen auch Teile der russischen Exporte raffinierter Ölprodukte zurück.
Die gegenwärtige Situation auf dem Energiemarkt hat allerdings mehrere Ursachen. Dazu gehören die stark gesunkenen Lieferungen aus dem Persischen Golf, die eingeschränkte Nutzung der Straße von Hormus, Risiken für den Schiffsverkehr im Roten Meer und Ausfälle von Raffineriekapazitäten.
Trotz des Appells aus Washington wurden in dieser Woche erneut Angriffe auf große russische Raffinerien gemeldet.
Weltweites Ölangebot steht weiter unter Druck
Die Kombination aus militärischen Konflikten, eingeschränkten Transportwegen und sinkenden Lagerbeständen belastet weiterhin das globale Ölangebot.
Gleichzeitig haben die hohen Preise Auswirkungen auf die Nachfrage. Unternehmen und Verbraucher reagieren auf steigende Kosten, wodurch der Ölverbrauch in einzelnen Bereichen zurückgeht.
Auf dem Markt bleibt die Volatilität entsprechend hoch. Bereits einzelne Meldungen über beschädigte Pipelines, Angriffe auf Schiffe oder alternative Liefermöglichkeiten können innerhalb kurzer Zeit deutliche Preisbewegungen auslösen.
Nach dem jüngsten Preissprung infolge des Ausfalls der saudischen Pipeline gab Brent wieder etwas nach. Dennoch blieb der Preis oberhalb der Marke von 100 Dollar je Barrel.
Neben Rohöl stehen insbesondere Diesel und andere raffinierte Produkte im Fokus. Die Kombination aus eingeschränkten Exporten aus dem Persischen Golf und Problemen bei der weltweiten Raffinerieversorgung hält die Preise auf einem hohen Niveau.
Lesen Sie auch: Das US-Repräsentantenhaus geht vorzeitig in die Pause. Gleichzeitig fordert Thomas Massie die Amtsenthebung von Verteidigungsminister Pete Hegseth.