Tschechien erlebt bereits die zweite Hitzewelle dieses Jahres. Nach den schweren Waldbränden in Südeuropa wächst auch im Land die Sorge vor neuen Bränden. In Prag näherten sich die Temperaturen der Marke von 40 Grad. Auf politischer Ebene bleibt der Umgang mit dem Klimawandel jedoch weiterhin umstritten. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu tagesschau.
Am Donnerstagmittag zeigte das Thermometer im Zentrum der tschechischen Hauptstadt rund 38 Grad. Einer der heißesten Tage der Woche veränderte den üblichen Rhythmus der Stadt deutlich. Auf dem Jiří-z-Poděbrad-Platz im Stadtteil Vinohrady, der normalerweise stark belebt ist, waren nur wenige Menschen unterwegs. Wer dennoch kam, suchte Schatten oder kühlte die Füße im Brunnen.
Der umgestaltete Platz bietet noch zu wenig Schutz vor Hitze
In den vergangenen zwei Jahren wurde der Platz umfassend umgebaut. Die Stadtverwaltung wollte einen Raum schaffen, der nicht nur der Erholung dient, sondern auch für Märkte, kulturelle Veranstaltungen und andere öffentliche Ereignisse genutzt werden kann.
Im Zuge der Arbeiten wurden alte Kirschbäume gefällt und große Teile der Fläche gepflastert. Später pflanzte die Stadt mehr als hundert neue Bäume, erhielt Rasenflächen und installierte ein modernes System zur Sammlung und Ableitung von Regenwasser.
Die jungen Bäume können jedoch noch nicht ausreichend Schatten spenden. Der Meteorologe Michal Žák geht davon aus, dass ihre volle Wirkung erst in zehn bis fünfzehn Jahren erreicht wird.
Seiner Einschätzung nach liegt das Problem darin, dass extreme Hitzeperioden längst keine Gefahr der fernen Zukunft mehr sind. Sie gehören bereits zur Gegenwart. Stadtplanerische Konzepte aus dem vergangenen Jahrhundert seien deshalb für die heutigen klimatischen Bedingungen nicht mehr geeignet.
Stein und Asphalt verstärken die Überhitzung Prags
Michal Žák arbeitet an der Karls-Universität und ist wissenschaftlich mit dem Tschechischen Hydrometeorologischen Institut verbunden. Als eines der größten Probleme Prags nennt er die Vielzahl an Stein-, Beton- und Asphaltflächen.
Besonders deutlich zeigt sich dies in der Altstadt. Enge Straßen, dichte Bebauung und mehrstöckige historische Gebäude heizen sich tagsüber stark auf. Abends und nachts geben sie die gespeicherte Wärme nur langsam wieder an die Umgebung ab.
In den zentralen Bezirken fehlen kleinere Parks, schattige Innenhöfe und alte Bäume. Gerade solche Grünflächen könnten den städtischen Wärmeinseleffekt abschwächen und für natürliche Abkühlung sorgen.
In den 1980er-Jahren waren sogenannte Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt, in Prag selten. Inzwischen rechnen Meteorologen mit mehr als zwanzig solchen Nächten innerhalb eines Sommers.
Anhaltende nächtliche Hitze belastet die Gesundheit
Besonders gefährdet sind ältere Menschen, chronisch Kranke, kleine Kinder und Bewohner von Wohnungen ohne Klimaanlage.
Žák zufolge besteht das Problem nicht nur in der Hitze am Tag. Wenn Gebäude und Straßen nachts nicht ausreichend abkühlen, erhält auch der menschliche Körper keine Erholung. Dadurch steigt das Risiko für Überhitzung, Dehydrierung und eine Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustands.
Für ältere Menschen kann diese Situation besonders gefährlich werden. Viele Altbauten im Zentrum Prags verfügen über keine modernen Kühlsysteme. Zugleich behindert die dichte Bebauung die Luftzirkulation.
Die Stadt hat eine Klimaanpassungsstrategie beschlossen
Die Prager Stadtverwaltung erkennt das Problem offiziell an und hat bereits eine Strategie zur Anpassung an den Klimawandel entwickelt. Ihr zentrales Ziel ist es, die Überhitzung der Stadtteile zu verringern und die Bevölkerung besser vor lang anhaltenden Hitzewellen zu schützen.
Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören zusätzliche Baumpflanzungen, neue Grünflächen, die Speicherung von Regenwasser, der Ausbau kleiner Wasserflächen und die schrittweise Verringerung vollständig versiegelter Flächen.
Besondere Bedeutung hat die sogenannte Entsiegelung des Stadtraums. Dabei werden Teile von Asphalt oder Pflaster entfernt, damit Wasser wieder in den Boden eindringen kann und sich Flächen bei direkter Sonneneinstrahlung weniger stark aufheizen.
Die Umsetzung solcher Projekte braucht jedoch Zeit. In dicht bebauten Vierteln fehlt häufig der Platz für neue Parks. Zudem können junge Bäume alte, schattenspendende Bestände nicht sofort ersetzen.
Prag startet eine Karte mit Abkühlungsorten
In diesem Sommer hat die Stadt eine interaktive Karte eingeführt. Sie zeigt Orte, an denen sich Einwohner und Touristen während großer Hitze mit Wasser versorgen oder kurz abkühlen können.
Eingetragen sind Trinkbrunnen, öffentliche Wasserstellen, Sprühnebelanlagen, schattige Flächen und weitere öffentlich zugängliche Abkühlungspunkte.
Der Dienst soll Menschen helfen, sich während extremer Temperaturen besser in der Stadt zu orientieren. Besonders nützlich ist er für Touristen, die viel Zeit im Freien verbringen und nicht wissen, wo kostenloses Trinkwasser verfügbar ist.
Ein zentraler Hitzeaktionsplan fehlt Prag jedoch weiterhin. Es gibt keine abgestufte Warnstruktur mit klar definierten Zuständigkeiten und abgestimmten Maßnahmen für Krankenhäuser, Pflegeheime, Schulen und soziale Einrichtungen.
Ein vergleichbares landesweites System existiert auch in der übrigen Tschechischen Republik nicht.
Die Klimapolitik der Regierung sorgt für Streit
Michal Žák führt die langsame Einführung systematischer Schutzmaßnahmen nicht nur auf kommunale Prioritäten zurück. Er verweist auch auf die Politik der Regierung von Ministerpräsident Andrej Babiš.
Zur Regierungskoalition gehören politische Kräfte, deren Vertreter sich mehrfach kritisch zur Klimapolitik geäußert haben. Dazu zählen die Partei Motoristé sobě und die Sozialdemokratische Partei.
Der Vorsitzende der Motoristen und tschechische Außenminister Petr Macinka erklärte kurz nach seinem Amtsantritt, die „Klimakrise sei beendet“.
Nach dieser Aussage löste er mehrere Arbeitsgruppen zur Klimapolitik auf. Žák bezeichnete diese Haltung als kurzsichtig und nicht mit den verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen vereinbar.
Ironische Aussagen über das Ende der Klimakrise änderten nichts an den tatsächlichen Entwicklungen. Tschechien verzeichnet bereits längere Hitzeperioden, mehr Tropennächte und ein zunehmendes Risiko von Natur- und Waldbränden.
Waldbrände rücken die Klimafrage erneut in den Mittelpunkt
Die jüngsten Brände in Südeuropa haben die Folgen der globalen Erwärmung erneut in den Fokus gerückt. Auch für Tschechien bleibt das Thema nach dem verheerenden Feuer im Nationalpark Böhmische Schweiz hochaktuell.
Seit dem Großbrand sind vier Jahre vergangen. Damals erfassten die Flammen große Teile des Schutzgebiets. Es handelte sich um einen der schwersten Waldbrände in der modernen Geschichte des Landes.
Im Mai brach in derselben Region erneut ein Feuer aus. Es war deutlich kleiner, zeigte aber erneut, wie anfällig Wälder während längerer Trockenperioden und bei hohen Temperaturen sind.
Vor diesem Hintergrund äußerte sich Umweltminister Igor Červený, ebenfalls Mitglied der Motoristen, zurückhaltender als der Vorsitzende seiner Partei.
Er räumte ein, dass sich das Klima verändert und dieser Prozess in den kommenden Jahren weitergehen werde. Der Staat müsse seine Reaktion auf die neuen Bedingungen grundlegend anpassen und sich auf zunehmende Naturgefahren vorbereiten.
Die Erwärmung wird auch bei sinkenden Emissionen weitergehen
Meteorologe Michal Žák betont, dass die globale Erwärmung nicht in naher Zukunft enden wird. Selbst bei einer deutlichen Senkung der Treibhausgasemissionen müsse die Menschheit mit einem weiteren Temperaturanstieg rechnen.
Europäische Städte müssen deshalb gleichzeitig Emissionen reduzieren und ihre Infrastruktur an veränderte Wetterbedingungen anpassen.
Für Prag bedeutet das mehr Bäume, eine bessere Speicherung von Wasser, weniger Asphalt, zusätzliche schattige öffentliche Räume und einen einheitlichen Hitzeaktionsplan.
Auch bei der Sanierung von Plätzen, Straßen, Wohnvierteln und sozialer Infrastruktur müssen Stadtplaner künftig mit einer steigenden Zahl heißer Tage und Nächte rechnen.
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