Der frühere Nationale Sicherheitsberater der USA, John Bolton, hat das Vorgehen von US-Präsident Donald Trump im Konflikt mit Iran scharf kritisiert. Nach seiner Einschätzung befindet sich Trump in einer Lage, die er teilweise selbst geschaffen habe, weil Washington zu Beginn keine klaren politischen und militärischen Ziele definiert habe. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu fr.de.
Bolton erklärte in einem Interview, es sei weiterhin unklar, was die US-Regierung mit ihrem Vorgehen gegen Teheran eigentlich erreichen wolle. Zur Debatte stünden die Begrenzung des iranischen Atomprogramms, ein möglicher Machtwechsel im Land oder die Erwartung eines schnellen militärischen Erfolgs.
Bolton: Das ursprüngliche Ziel der USA bleibt unklar
Nach Ansicht des ehemaligen Sicherheitsberaters liegt eines der größten Probleme in der fehlenden strategischen Vorbereitung.
Das iranische Atomprogramm habe zwar seit Jahren eine zentrale Rolle in den Beziehungen zwischen Washington und Teheran gespielt. Nach Beginn der militärischen Auseinandersetzung sei jedoch nicht mehr eindeutig gewesen, ob sich die Ziele der USA tatsächlich darauf beschränkten.
Bolton hält es für möglich, dass die US-Regierung mit einem schnelleren Erfolg gerechnet oder sogar einen politischen Umbruch in Iran erwartet habe. Sollte dies Teil der ursprünglichen Strategie gewesen sein, sei die Vorbereitung darauf unzureichend gewesen.
Trump sei damit in eine Situation geraten, aus der es derzeit keinen klaren Ausweg gebe.
Benzinpreise werden für Trump zum zentralen Problem
Nach Boltons Einschätzung hat sich Trumps Aufmerksamkeit inzwischen deutlich verschoben. Statt langfristiger strategischer Ziele stehen demnach zunehmend die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts für die Bevölkerung in den USA im Mittelpunkt.
Besonders wichtig sind dabei die Benzinpreise. Einschränkungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus haben die Sorgen um die weltweiten Öllieferungen verstärkt und zusätzlichen Druck auf die Energiemärkte ausgelöst.
Bolton zufolge ist die Entwicklung der Kraftstoffpreise für das Weiße Haus inzwischen zu einem innenpolitisch besonders sensiblen Thema geworden. Strategische Fragen seien dadurch stärker in den Hintergrund gerückt.
Bolton sieht Unklarheit im Kurs des Weißen Hauses
Ein weiteres Problem ist aus Sicht Boltons die innenpolitische Situation in Iran. Nach Angriffen auf Teile der iranischen Führung hätten verschiedene Machtzentren im Land stärker miteinander konkurriert.
Eine wichtige Rolle spiele dabei nach seiner Einschätzung die iranische Revolutionsgarde. Bolton geht davon aus, dass sie ein starkes Interesse daran hat, die Kontrolle über die Straße von Hormus zu behalten und einer schnellen Waffenruhe skeptisch gegenübersteht.
Diese Situation erschwere auch die Entscheidungen der US-Regierung. Bolton beschreibt Trumps Vorgehen als wechselhaft: Auf scharfe Drohungen folgten Verhandlungsversuche, nach gescheiterten Gesprächen wiederum neue Drohungen.
Nach Einschätzung des ehemaligen Beraters weiß Trump deshalb derzeit nicht, in welche Richtung er seinen Kurs weiterentwickeln soll.
Was Bolton für die Straße von Hormus fordert
Falls die Senkung der Kraftstoffpreise kurzfristig tatsächlich die höchste Priorität der US-Regierung habe, müsse Washington laut Bolton vor allem dafür sorgen, dass wieder mehr Öl auf den Weltmarkt gelangt.
Dazu gehört aus seiner Sicht eine möglichst schnelle Wiederherstellung des Schiffsverkehrs im Persischen Golf. Bolton schließt dabei auch den Einsatz militärischer Mittel nicht aus, falls dies notwendig sei, um wichtige Seewege offen zu halten.
Gleichzeitig könnten Saudi-Arabien und andere ölproduzierende Staaten versuchen, ihre Exporte über alternative Routen und Pipelines zu erhöhen.
Eine Kombination aus zusätzlichen Liefermengen und einer zumindest teilweisen Normalisierung des Schiffsverkehrs im Persischen Golf könnte nach Boltons Einschätzung den Druck auf die Ölpreise und damit auch auf die Benzinpreise in den USA verringern.
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