Startseite PolitikIn Oleschky verschärft sich die humanitäre Krise: Es fehlen Lebensmittel, Wasser und Medikamente. Die Ukraine liefert Hilfsgüter mit Drohnen in die Stadt.

In Oleschky verschärft sich die humanitäre Krise: Es fehlen Lebensmittel, Wasser und Medikamente. Die Ukraine liefert Hilfsgüter mit Drohnen in die Stadt.

von Johanna Richter
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In Oleschky verschärft sich die humanitäre Krise: Es fehlen Lebensmittel, Wasser und Medikamente. Die Ukraine liefert Hilfsgüter mit Drohnen in die Stadt.

Die Lage im russisch besetzten Oleschky in der ukrainischen Region Cherson verschärft sich weiter. In der Stadt leben noch rund 2.000 Menschen, darunter auch Kinder. Den Einwohnern fehlt es zunehmend an Lebensmitteln, Medikamenten, sauberem Wasser und einer stabilen Stromversorgung. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu fr.de.

Ende September lieferten ukrainische Streitkräfte mit Drohnen rund vier Tonnen Lebensmittel nach Oleschky. Die Hilfspakete wurden auf etwa 100 Standorte im Stadtgebiet verteilt, damit die Bewohner die Lieferungen abholen konnten, ohne sich an einem zentralen Ort versammeln zu müssen.

Einwohner von Oleschky suchen nach verfügbaren Lebensmitteln

Vor Beginn der russischen Invasion lebten rund 24.000 Menschen in Oleschky. Durch die Besetzung, die Kampfhandlungen, die Zerstörung des Kachowka-Staudamms und Evakuierungen ist die Einwohnerzahl stark zurückgegangen.

Nach ukrainischen Angaben halten sich derzeit noch etwa 2.000 Zivilisten in der Stadt auf. Ein erheblicher Teil der früheren Infrastruktur ist zerstört oder funktioniert nur noch eingeschränkt.

Die Probleme mit der Stromversorgung verschärften sich insbesondere nach der Zerstörung des Kachowka-Staudamms im Juni 2023. Auch die Gasversorgung ist ausgefallen. Wasser müssen viele Einwohner aus Brunnen holen.

Besonders kritisch ist die Versorgung mit Lebensmitteln. Menschen, denen die Flucht aus der Stadt gelungen ist, berichten von der Suche nach zurückgelassenen Vorräten in verlassenen Häusern. Bewohner verbrauchen ihre letzten Lebensmittelreserven, schlachten verbliebene Nutztiere und suchen nach essbaren Wildpflanzen.

In lokalen Telegram-Gruppen tauschen sich Einwohner Berichten zufolge darüber aus, welche wild wachsenden Pflanzen essbar sind und wie sie zubereitet werden können.

Ukraine liefert rund vier Tonnen Lebensmittel in die Stadt

Da regelmäßige Lieferungen auf dem Landweg kaum möglich sind, werden Lebensmittel mit Drohnen nach Oleschky gebracht. Dieses Verfahren wird seit März 2026 eingesetzt.

Ende September führten ukrainische Kräfte eine der bislang umfangreichsten Lieferaktionen durch. Rund vier Tonnen Lebensmittel wurden an etwa 100 verschiedenen Stellen abgeworfen beziehungsweise abgelegt.

Die Pakete enthielten Lebensmittel des täglichen Bedarfs. Einige Bewohner bestätigten den Erhalt der Hilfslieferungen.

Die ukrainische Seite wirft russischen Streitkräften zugleich vor, die Lieferungen zu behindern. Berichtet wird von abgeschossenen Drohnen, beschlagnahmten Hilfsgütern und Kontrollen von Einwohnern, bei denen Waren nicht-russischer Herkunft gefunden werden.

Evakuierung aus Oleschky ist äußerst gefährlich

Auch die Möglichkeiten, die besetzte Stadt zu verlassen, sind stark eingeschränkt. Im Frühjahr 2026 konnten Freiwillige noch komplizierte, teilweise mehrtägige Evakuierungsrouten organisieren. Inzwischen sind solche Fahrten mit erheblichen Gefahren verbunden.

Einige Menschen versuchen, zu Fuß oder mit dem Fahrrad benachbarte Orte zu erreichen. Die Straßen rund um Oleschky gelten wegen Minen und der Nähe zu den Kampfhandlungen als besonders gefährlich.

Am 30. September wurden weitere Fälle bekannt, bei denen Zivilisten auf Minen gerieten. Nach Angaben der ukrainischen Regionalverwaltung kam innerhalb eines Tages ein Mensch ums Leben, vier weitere wurden verletzt.

In der Stadt sind weiterhin einige ältere medizinische Fachkräfte tätig. Ihre Möglichkeiten zur Versorgung von Patienten sind jedoch wegen des Mangels an Medikamenten und medizinischer Ausrüstung stark begrenzt.

Europarat warnt vor kritischer humanitärer Lage

Der Menschenrechtskommissar des Europarates, Michael O’Flaherty, machte am 25. September auf die sich rapide verschlechternde Situation der Zivilbevölkerung in Oleschky aufmerksam.

Nach seinen Angaben fehlt es den Menschen, darunter auch Kindern, an ausreichenden Lebensmitteln, Medikamenten, medizinischer Versorgung, sauberem Wasser und Elektrizität.

O’Flaherty forderte einen ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe sowie Möglichkeiten zur sicheren Evakuierung der Zivilbevölkerung. Er verwies zudem auf die Verpflichtungen einer Besatzungsmacht nach dem humanitären Völkerrecht, die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und medizinischen Gütern sicherzustellen und humanitäre Maßnahmen zu ermöglichen.

Ukraine fordert humanitären Korridor für Oleschky

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha sprach die Situation in Oleschky Ende September bei diplomatischen Gesprächen in New York an.

Nach seinen Angaben hat die Lebensmittelversorgung in der Stadt einen kritischen Punkt erreicht. Die ukrainische Seite berichtet, dass es für Zivilisten zunehmend schwieriger wird, nicht nur Lebensmittel, sondern auch Medikamente, sauberes Wasser und medizinische Hilfe zu erhalten.

Kyjiw fordert internationale Unterstützung bei der Einrichtung eines humanitären Korridors. Dieser soll sowohl die Lieferung von Hilfsgütern als auch die Evakuierung von Zivilisten ermöglichen.

Bis Ende September konnte jedoch keine Einigung über einen solchen Korridor erzielt werden.

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