Startseite WirtschaftFoodwatch verleiht LaVita den „Goldenen Windbeutel“ für irreführende Werbung. Das Nahrungsergänzungsmittel kostet rund 100 Euro pro Liter.

Foodwatch verleiht LaVita den „Goldenen Windbeutel“ für irreführende Werbung. Das Nahrungsergänzungsmittel kostet rund 100 Euro pro Liter.

von Johanna Richter
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Foodwatch verleiht LaVita den „Goldenen Windbeutel“ für irreführende Werbung. Das Nahrungsergänzungsmittel kostet rund 100 Euro pro Liter.

Die deutsche Verbraucherorganisation Foodwatch hat dem Unternehmen LaVita den Negativpreis „Goldener Windbeutel“ für die irreführendste Lebensmittelwerbung des Jahres 2026 verliehen. Der Gewinner wurde im Rahmen einer öffentlichen Online-Abstimmung bestimmt. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu tagesschau.

Im Mittelpunkt der Kritik steht das LaVita-Konzentrat, das vom Hersteller als Quelle für Vitamine, Spurenelemente und weitere Nährstoffe beworben wird. Nach Angaben von Foodwatch besteht das Produkt zu rund 70 Prozent aus Fruchtsaftkonzentraten. Gleichzeitig liegt der Preis bei etwa 100 Euro pro Liter.

Foodwatch kritisiert gesundheitsbezogene Werbeversprechen

Die Organisation wirft dem Hersteller vor, den hohen Preis vor allem mit Aussagen über Gesundheit und ausgewogene Ernährung zu rechtfertigen. Nach Einschätzung von Foodwatch profitiert LaVita vom Wunsch vieler Verbraucher, ihren Körper mithilfe von Vitaminpräparaten und Nahrungsergänzungsmitteln zu unterstützen.

Foodwatch-Expertin Alina Nitzsche bezeichnete das Produkt als Beispiel für eine Vermarktungsstrategie, bei der ein Saftkonzentrat mit zugesetzten Nährstoffen durch weitreichende Gesundheitsversprechen deutlich teurer verkauft werde.

Die Verbraucherschützer äußerten zudem Kritik an der Dosierung einzelner Vitamine und Spurenelemente. Einige der zugesetzten Stoffe seien nach Angaben der Organisation in höheren Mengen enthalten, als bei einer normalen Ernährung für die meisten Menschen erforderlich sei.

LaVita gewinnt die Verbraucherabstimmung

Der „Goldene Windbeutel“ wird jährlich an Produkte vergeben, deren Werbung oder Aufmachung nach Ansicht von Foodwatch ein falsches Bild von Zusammensetzung, Eigenschaften oder Preis-Leistungs-Verhältnis vermittelt.

Die Kandidaten werden zunächst von der Organisation ausgewählt. Anschließend können Verbraucher online darüber abstimmen, welches Produkt den Negativpreis erhalten soll. Im Jahr 2026 entfielen die meisten Stimmen auf das LaVita-Konzentrat.

Foodwatch nutzt die Abstimmung, um auf umstrittene Werbepraktiken in der Lebensmittel- und Nahrungsergänzungsmittelbranche aufmerksam zu machen.

Backpulver für die Heißluftfritteuse auf Platz zwei

Den zweiten Platz im Negativranking belegte das Produkt „Airfryer Backin“ von Dr. Oetker. Es erhielt 21,9 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Nach Angaben von Foodwatch unterscheidet sich das Produkt in seiner Zusammensetzung kaum vom herkömmlichen Backpulver desselben Herstellers. Dennoch wird es als spezielle Lösung für das Backen in der Heißluftfritteuse vermarktet und kostet mindestens doppelt so viel wie die Standardvariante.

Die Organisation kritisiert, dass der Verweis auf den Airfryer den Eindruck einer besonderen Produktinnovation erzeuge, obwohl keine wesentlichen Unterschiede zum gewöhnlichen Backpulver bestünden.

Joghurt „Matcha Mango“ landet auf Platz drei

Mit 20,8 Prozent der Stimmen erreichte der Joghurt „Matcha Mango“ von Andechser Natur den dritten Platz. Hauptgrund für die Kritik war der geringe Anteil der im Produktnamen hervorgehobenen Zutat.

Nach Angaben von Foodwatch beträgt der Matcha-Anteil lediglich 0,1 Prozent. Die grünliche Farbe des Joghurts werde überwiegend durch Spirulina-Pulver erzeugt und nicht durch das namensgebende Teepulver.

Die Verbraucherschützer sehen darin die Gefahr, dass Produktname und Verpackung bei Kunden falsche Erwartungen hinsichtlich des tatsächlichen Matcha-Gehalts wecken.

Foodwatch fordert strengere Kontrollen

Nach der Bekanntgabe der Abstimmungsergebnisse forderte Foodwatch Bund und Länder erneut dazu auf, den Markt für angereicherte Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel stärker zu kontrollieren.

Nach Einschätzung der Organisation reicht die derzeitige Lebensmittelüberwachung nicht aus, um mit dem Wachstum des Marktes Schritt zu halten. Foodwatch fordert mehr finanzielle Mittel und zusätzliches Fachpersonal für die zuständigen Behörden.

Besonders streng geprüft werden sollten demnach Produkte, die mit Aussagen zur Verbesserung des Wohlbefindens, zur Unterstützung des Immunsystems oder zum Ausgleich vermeintlicher Ernährungsmängel beworben werden.

Der Negativpreis wird seit 2009 vergeben

Foodwatch vergibt den „Goldenen Windbeutel“ seit dem Jahr 2009. Der satirische Negativpreis richtet sich an Hersteller, deren Produkte nach Ansicht der Organisation besonders deutliche Beispiele für Verbrauchertäuschung darstellen.

Im Jahr 2025 ging die Auszeichnung an die Schokolade Milka Alpenmilch von Mondelez. Foodwatch kritisierte eine Reduzierung des Packungsinhalts bei weitgehend unveränderter Verpackungsgröße sowie einen gleichzeitigen Preisanstieg.

2024 erhielt der Obstsnack „Obsties“ von Alete den Negativpreis. Die Organisation beanstandete insbesondere die Werbung mit dem Hinweis „ohne Zuckerzusatz“, obwohl das Produkt aufgrund der verwendeten Fruchtzutaten einen hohen Zuckergehalt aufweist.

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