Startseite AktuellesVor Kalabrien wurde in 90 Metern Tiefe ein 2400 Jahre altes griechisches Handelsschiff mit mehr als 300 vermutlich mit Wein gefüllten Amphoren entdeckt.

Vor Kalabrien wurde in 90 Metern Tiefe ein 2400 Jahre altes griechisches Handelsschiff mit mehr als 300 vermutlich mit Wein gefüllten Amphoren entdeckt.

von Johanna Richter
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Vor Kalabrien wurde in 90 Metern Tiefe ein 2400 Jahre altes griechisches Handelsschiff mit mehr als 300 vermutlich mit Wein gefüllten Amphoren entdeckt.

Vor der Küste der süditalienischen Region Kalabrien ist ein antikes griechisches Handelsschiff entdeckt worden, das vor rund 2400 Jahren sank. Das Wrack liegt in etwa 90 Metern Tiefe im Ionischen Meer nahe der Stadt Monasterace. An Bord befinden sich mehr als 300 Tonamphoren, in denen vermutlich Wein transportiert wurde. Das Schiff und seine Ladung wurden offenbar kaum durch menschliche Eingriffe beschädigt. Gefunden wurde das Wrack zufällig bei der Untersuchung eines Gebiets, in dem ein Offshore-Windpark entstehen sollte. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu saarbruecker-zeitung.

Schiff bei Vorbereitungen für Windpark entdeckt

Spezialisten des Energieunternehmens Acciona Energía stießen bei technischen Untersuchungen des Meeresbodens auf das gesunkene Schiff. Die Arbeiten dienten dazu, ein mögliches Gebiet für die Errichtung von Windkraftanlagen zu prüfen.

Während der Erkundung registrierten die eingesetzten Geräte am Meeresboden eine Ansammlung von Objekten, die wie Keramikgefäße wirkten. Weitere Untersuchungen ergaben, dass es sich um ein antikes Schiff mit weitgehend erhaltener Ladung handelt.

Die italienischen Denkmalschutzbehörden bezeichneten den Fund als eine der bedeutendsten unterwasserarchäologischen Entdeckungen der vergangenen Jahre. Nach dem Fund wurden die Planungen für den Windpark angepasst, damit die Bauarbeiten die archäologische Fundstelle nicht beeinträchtigen.

Die Ursache für den Untergang ist bislang unbekannt. Als mögliche Erklärungen gelten ein Sturm, ein Navigationsfehler, Schäden am Schiffsrumpf oder ein Angriff auf das Handelsschiff.

Amphoren ermöglichen Datierung des Fundes

Die vorläufige Datierung beruht auf der Form und der Herstellungstechnik der Amphoren. Nach Einschätzung der Fachleute stammen die Gefäße aus dem 5. oder 4. Jahrhundert vor Christus.

Vergleichbare Keramik wurde in Werkstätten griechischer Siedlungen im Süden Italiens und auf Sizilien hergestellt. Die Region gehörte in der Antike zur Magna Graecia, einem Netzwerk griechischer Kolonien, die intensiv am Handel im Mittelmeerraum beteiligt waren.

Die Bauform der Amphoren deutet darauf hin, dass der größte Teil der Ladung aus Wein bestand. Solche Gefäße wurden auf Handelsschiffen für den Transport von Flüssigkeiten zwischen Italien, Sizilien, Griechenland und weiteren Mittelmeerregionen genutzt.

Für die Archäologen ist nicht nur die Ladung selbst von Bedeutung, sondern auch ihre Lage im Wrack. Da die Amphoren offenbar noch weitgehend dort liegen, wo sie sich beim Untergang befanden, können die Forscher die Beladung antiker Schiffe und die Organisation damaliger Seetransporte untersuchen.

Bedeutung für die Erforschung des antiken Handels

Wein gehörte zu den wichtigsten Exportgütern griechischer Küstenstädte. Er wurde verkauft, getauscht und bei religiösen Zeremonien, öffentlichen Festen sowie privaten Gelagen verwendet.

Die Untersuchung der Amphoren könnte Aufschluss über die Herkunft der Ladung und die mutmaßliche Route des Schiffes geben. Dafür analysieren die Fachleute die Zusammensetzung des Tons, die Brenntechnik, die Gefäßformen sowie mögliche Stempel und organische Rückstände.

Der Fund kann zudem neue Erkenntnisse über die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen den griechischen Kolonien Süditaliens und anderen Häfen im Mittelmeer liefern. Durch den Vergleich mit bereits bekannten archäologischen Funden lässt sich möglicherweise genauer bestimmen, wo die Amphoren hergestellt wurden.

Besonders wichtig ist der gute Erhaltungszustand des Wracks. Viele antike Schiffswracks wurden durch Fischernetze, Anker, Meeresströmungen oder illegale Schatzsucher beschädigt. Das Wrack bei Monasterace scheint dagegen über lange Zeit weitgehend unberührt geblieben zu sein.

So werden Schiff und Amphoren untersucht

Bevor Gegenstände geborgen werden, müssen die Archäologen eine detaillierte Karte der Fundstelle erstellen. Die Position jeder einzelnen Amphore wird mithilfe von Unterwasseraufnahmen und digitalen Modellen dokumentiert.

Die Arbeiten sollen schrittweise erfolgen:

  1. Zustand des Schiffsrumpfs und der Ladung dokumentieren;
  2. besonders gefährdete Bereiche bestimmen;
  3. Proben von Ablagerungen und organischen Rückständen entnehmen;
  4. einzelne Amphoren für Laboranalysen bergen;
  5. die geborgenen Funde konservieren.

Die Bergung der Keramik erfordert besondere Vorsicht. Nach mehr als zwei Jahrtausenden unter Wasser kann das Material durch plötzliche Veränderungen von Temperatur, Feuchtigkeit und Salzgehalt beschädigt werden.

Die geborgenen Gefäße müssen deshalb unter kontrollierten Bedingungen gereinigt und entsalzt werden. Dieser Prozess kann lange dauern, da die Salze schrittweise entfernt werden müssen, ohne die Struktur der Keramik zu zerstören.

Was in den Amphoren erhalten geblieben sein könnte

Die Forscher hoffen, an den Innenwänden der Gefäße chemische Spuren des ursprünglichen Inhalts nachweisen zu können. Selbst wenn die Flüssigkeit vollständig verschwunden ist, lassen sich mit modernen Labormethoden kleinste Reste organischer Verbindungen erkennen.

Auf Wein könnten unter anderem folgende Stoffe hinweisen:

  • Weinsäure und ihre Salze;
  • Rückstände von Traubenpigmenten;
  • Spuren pflanzlicher Harze;
  • organische Verbindungen aus dem Gärungsprozess;
  • Substanzen, die zur Aromatisierung verwendet wurden.

In der Antike wurden die Innenwände von Amphoren häufig mit Harz beschichtet. Es diente der Abdichtung, schützte den Inhalt vor direktem Kontakt mit dem Ton und konnte den Geschmack des Getränks verändern.

Die Analysen könnten außerdem zeigen, ob dem Wein Honig, Kräuter, Gewürze oder Meerwasser zugesetzt wurden. Solche Zutaten dienten dazu, den Geschmack zu verändern, die Haltbarkeit zu verlängern oder den Wein für den Transport vorzubereiten.

Kann man 2400 Jahre alten Wein noch trinken?

Der Inhalt der Amphoren gilt nicht als genießbares Getränk. Im Laufe der Jahrtausende dürften die organischen Bestandteile des Weins durch Mikroorganismen, Oxidation und chemische Zersetzung weitgehend verschwunden sein.

Selbst in einem vollständig verschlossenen Gefäß hätte sich antiker Wein nicht in seiner ursprünglichen Form erhalten können. Zurückgeblieben sein könnten Sedimente, Harz, mineralische Verbindungen und Spuren organischer Stoffe.

Für Wissenschaftler sind solche Rückstände als archäochemisches Material wertvoll. Sie können Hinweise auf die Zusammensetzung des Getränks, seine Herstellung und möglicherweise auch auf die Herkunft der verwendeten Trauben liefern.

Die Proben werden ausschließlich unter Laborbedingungen untersucht. Ziel ist nicht die Rekonstruktion des Geschmacks, sondern die Gewinnung neuer Erkenntnisse über Weinproduktion und Handel im antiken Mittelmeerraum.

Was über die ältesten Weinspuren bekannt ist

Archäologen haben bereits deutlich ältere Hinweise auf die Herstellung von Wein entdeckt. Einige der ältesten chemisch bestätigten Spuren eines Traubengetränks wurden in Keramikgefäßen auf dem Gebiet des heutigen Iran gefunden.

Das Alter dieser Funde wird auf rund 7000 Jahre geschätzt. Nachgewiesen wurde der Wein anhand von Weinsäure und weiteren chemischen Markern.

Das Wrack vor Kalabrien ist jünger, besitzt aber aufgrund seiner nahezu vollständig erhaltenen Ladung einen hohen wissenschaftlichen Wert. Der Fund von mehreren Hundert Amphoren ermöglicht es, nicht nur ein einzelnes Gefäß, sondern eine vollständige antike Schiffsladung zu untersuchen.

Weitere Forschungen sollen das genaue Alter des Wracks, den Abfahrtshafen, die Art des transportierten Weins und die Handelsroute des Schiffes klären.

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