Die Redaktion von das Unternehmer wissen analysiert die potenziellen Mega-Fusionen, die den globalen Entertainment-Markt neu definieren könnten.
Die US-amerikanische Medienlandschaft gleicht derzeit einem Schachbrett, auf dem die Figuren für die nächste große Partie neu aufgestellt werden. Es geht um Marktmacht, um das Überleben im Streaming-Zeitalter und um Milliardenbeträge. Im Zentrum des Sturms steht der traditionsreiche Konzern Paramount Global, dessen Zukunft ungewisser denn je erscheint. Doch die Liste der Interessenten und potenziellen Partner sorgt für Aufsehen: Neben den üblichen Marktriesen wird nun auch der Name Jared Kushner ins Spiel gebracht. Für Unternehmer ist dies ein Lehrstück über strategische Neuausrichtung in gesättigten Märkten. Weitere Analysen zu internationalen Wirtschaftstrends finden Sie auf unserer Startseite das Unternehmer wissen.
Der politische Faktor: Jared Kushner interessiert sich für Paramount
Die überraschendste Nachricht der letzten Tage ist das kolportierte Interesse von Jared Kushner am Mediengiganten Paramount. Der Schwiegersohn des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump soll Berichten zufolge Möglichkeiten prüfen, Anteile am strauchelnden Konzern zu erwerben.
Paramount, das unter anderem CBS, MTV und das gleichnamige Filmstudio umfasst, wird derzeit noch von Shari Redstone kontrolliert. Dass ein Akteur aus dem direkten Umfeld Trumps nun nach Einfluss in einem der größten Medienhäuser der Welt strebt, verleiht dem rein wirtschaftlichen Vorgang eine politische Dimension. Für Paramount könnte frisches Kapital eine Atempause bedeuten, doch für die redaktionelle Unabhängigkeit der zugehörigen Nachrichtensender (wie CBS News) würde ein solcher Einstieg Fragen aufwerfen.
Warner Bros. Discovery: Flucht nach vorn?
Während Kushner die Optionen prüft, steht ein anderer Player unter massivem Zugzwang: Warner Bros. Discovery (WBD). Konzernchef David Zaslav kämpft mit einer enormen Schuldenlast und einem Aktienkurs, der die Erwartungen der Investoren enttäuscht. Zaslavs Strategie scheint nun die „Flucht nach vorn“ zu sein.
Berichten zufolge gab es bereits Gespräche zwischen Zaslav und Paramount-Chef Bob Bakish. Eine Fusion dieser beiden Giganten würde ein Medienimperium schaffen, das in Sachen Content-Bibliothek seinesgleichen sucht. Doch Kartellrechtler dürften bei einer solchen Elefantenhochzeit genau hinsehen. Die Logik dahinter ist jedoch rein ökonomisch: In einem Markt, der von Tech-Giganten wie Apple und Amazon dominiert wird, ist Größe die einzige Versicherung gegen die Bedeutungslosigkeit.
Die Netflix-Überraschung: Vom Feind zum Partner?
Vielleicht noch bemerkenswerter als die Fusionsgerüchte ist eine strategische Kehrtwende, die David Zaslav andeutete. Er brachte eine mögliche Kooperation, vielleicht sogar ein „Bündeln“ von Inhalten, mit Netflix ins Gespräch. Jahrelang galt Netflix als der Erzfeind der klassischen Studios, der „Disruptor“, den es zu bekämpfen galt.
Dass nun Kooperationen erwogen werden, zeigt, wie sehr sich der Wind gedreht hat. Der Aufbau eigener Streaming-Plattformen (wie Paramount+ oder HBO Max) hat Milliarden verschlungen, ohne die erhoffte Profitabilität schnell genug zu liefern. Die Erkenntnis setzt sich durch: Nicht jeder kann alleine gegen Netflix bestehen. „Bundling“ – also das gemeinsame Vermarkten von Streaming-Diensten – könnte der neue Standard werden, um die hohen Kündigungsraten (Churn Rates) der Abonnenten zu senken.
Fazit: Konsolidierung ist unvermeidbar
Die aktuellen Bewegungen zeigen deutlich: Die Ära der Zersplitterung im Streaming-Markt neigt sich dem Ende zu. Paramount ist derzeit das schwächste Glied in der Kette der „Big Player“ und damit das erste Übernahmeziel. Ob am Ende Warner Bros., ein Private-Equity-Investor oder ein politisch motivierter Akteur wie Kushner den Zuschlag erhält, ist offen. Sicher ist nur, dass die US-Medienlandschaft in zwei Jahren gänzlich anders aussehen wird als heute.
Informationen zitiert nach Tagesschau