Drei Menschen sind auf dem Expeditionsschiff MV Hondius nach einem mutmaßlichen Ausbruch des Hantavirus gestorben. Unter den Toten befindet sich ein deutscher Staatsbürger, der am 2. Mai 2026 an Bord verstarb, wie die niederländische Reederei Oceanwide Expeditions bestätigte. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte die Nationalität auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor waren bereits ein 70-jähriger Niederländer (gestorben am 11. April an Bord) und seine 69-jährige Ehefrau (gestorben am 27. April in Johannesburg) ums Leben gekommen.
Das unter niederländischer Flagge fahrende Schiff liegt derzeit vor der Küste von Kap Verde. An Bord befinden sich noch 87 Passagiere und 61 Besatzungsmitglieder aus 23 Nationen – darunter sechs deutsche Passagiere und ein deutsches Crewmitglied. Die kapverdischen Behörden verweigern die Einfahrt in den Hafen von Praia. Die Reederei prüft eine Weiterfahrt zu den Kanarischen Inseln.
Die Route: Von Ushuaia über die Antarktis ins Ungewisse
Die MV Hondius startete vor rund drei Wochen in Ushuaia im argentinischen Feuerland – dem südlichsten Hafen der Welt. Die Route führte über die Antarktis, die Falklandinseln, die britische Atlantikinsel St. Helena und Ascension Island in Richtung Kapverden, mit dem Endziel Kanarische Inseln. An Bord: rund 150 Passagiere und 70 Crew auf einem Schiff, das für maximal 170 Passagiere ausgelegt ist.
Der erste Todesfall ereignete sich bereits am 11. April. Der 70-jährige Niederländer zeigte schwere Atemwegssymptome und starb an Bord. Sein Leichnam wurde am 24. April auf St. Helena von Bord gebracht. Seine Ehefrau begleitete den Toten und reiste über Südafrika zurück. Am Flughafen Johannesburg brach sie zusammen und verstarb wenig später im Krankenhaus.
Nur ein Fall laborbestätigt – aber sechs Erkrankte
Die WHO berichtete am 3. Mai über insgesamt sechs Erkrankte, von denen drei gestorben sind. Laborbestätigt ist das Hantavirus bisher bei nur einem Patienten: einem 69-jährigen Briten, der am 27. April schwer erkrankte, nach Südafrika evakuiert wurde und sich auf der Intensivstation in Johannesburg in kritischem, aber stabilem Zustand befindet. Die übrigen Fälle – einschließlich der drei Todesfälle – gelten als Verdachtsfälle. Eine Sequenzierung des Virus läuft.
Zwei Besatzungsmitglieder (britischer und niederländischer Nationalität) zeigen ebenfalls akute Atemwegsbeschwerden. Eines leidet unter schweren, das andere unter leichten Symptomen. Oceanwide Expeditions bat die kapverdischen Behörden um eine rasche medizinische Evakuierung. Die niederländische Regierung koordiniert parallel Rettungsmaßnahmen.
| Kennzahl | Detail |
|---|---|
| Todesfälle | 3 (1 Deutscher, 2 Niederländer) |
| Laborbestätigte Infektion | 1 (britischer Patient, Intensivstation Johannesburg) |
| Erkrankte Crew | 2 (1 schwer, 1 leicht) |
| Personen an Bord | 148 (87 Passagiere + 61 Crew) |
| Nationalitäten | 23 |
| Deutsche an Bord | 7 (6 Passagiere + 1 Crew) |
| Schiff | MV Hondius, Baujahr 2019, Flagge: Niederlande |
| Position | Vor der Küste von Kap Verde (Praia) |
Chronologie: Hantavirus auf der MV Hondius
Expeditionskreuzfahrt von Ushuaia Richtung Kanarische Inseln
MV Hondius startet in Ushuaia (Argentinien). Route über Antarktis, Falklandinseln, St. Helena.
70-jähriger Niederländer stirbt an Bord. Leichnam wird am 24. April auf St. Helena von Bord gebracht.
69-jährige Ehefrau des ersten Opfers bricht am Flughafen Johannesburg zusammen und stirbt. Britischer Patient (69) wird evakuiert – Hantavirus laborbestätigt.
Deutscher Passagier stirbt an Bord. Todesursache noch ungeklärt. Leichnam verbleibt auf dem Schiff.
WHO meldet 6 Erkrankte, 3 Tote. Kap Verde verweigert Einfahrt. 149 Menschen sitzen fest. Evakuierung wird koordiniert.
Quellen: WHO, Oceanwide Expeditions, südafrikanisches Gesundheitsministerium | Stand: 04.05.2026
Was das Hantavirus so gefährlich macht
Hantaviren kommen weltweit vor und werden normalerweise durch Kontakt mit Urin, Kot oder Speichel infizierter Nagetiere übertragen – häufig durch das Einatmen kontaminierter Staubpartikel. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist bei den meisten Varianten extrem selten. Die bedeutende Ausnahme: das Andes-Virus, das in Argentinien und Chile vorkommt – genau in der Region, in der die MV Hondius ihre Reise begann.
Eine Infektion kann zum sogenannten Hantavirus-Lungensyndrom (HPS) führen, einer potenziell tödlichen Erkrankung. Es gibt keine spezifische Therapie und keinen Impfstoff. Entscheidend ist eine frühzeitige intensivmedizinische Behandlung. In Europa werden laut dem Bundesamt für Gesundheit jährlich rund 3.000 Fälle registriert, schwere Verläufe sind in Deutschland selten.
Daniel Griffin, ein Infektiologe, der sich gegenüber Medien zum Fall äußerte, sagte: Die Situation an Bord sei „verdächtig“, es könnte eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung stattgefunden haben. Gerade auf engem Raum – wie auf einem Kreuzfahrtschiff – könnten sich Infektionen leichter ausbreiten. Die verbesserten Hygienestandards seit der Covid-Pandemie machten den Ausbruch „umso bemerkenswerter“.
Kap Verde verweigert die Einfahrt – Passagiere sitzen fest
Die kapverdische Gesundheitsbehörde handelte sofort. Maria da Luz Lima, Leiterin der nationalen Gesundheitsbehörde, erklärte im Radiosender Radio de Cabo Verde: „Zum Schutz der kapverdischen Bevölkerung“ dürften die Passagiere nicht von Bord gehen. Das Schiff erhielt keine Genehmigung, im Hafen von Praia anzulegen.
Örtliche Gesundheitsbehörden besuchten die MV Hondius, um die Lage zu beurteilen und weitere Fälle zu identifizieren. Oceanwide Expeditions bestätigte am Montag eine „ernste medizinische Notlage“ und erklärte, das Schiff werde voraussichtlich zu den Kanarischen Inseln weiterfahren. Es werde geprüft, ob die Passagiere auf Las Palmas oder Teneriffa von Bord gehen könnten. Auch eine der drei Leichen befindet sich noch an Bord.
„Die Gefahr für die allgemeine Bevölkerung bleibt weiterhin niedrig. Es gibt keinen Anlass zur Panik oder zu Reisebeschränkungen.“ – Hans Henri Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa
WHO koordiniert Evakuierung – Tedros äußert sich persönlich
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus meldete sich persönlich zu Wort. Die WHO erleichtere die medizinische Evakuierung von zwei symptomatischen Passagieren und führe eine umfassende Risikobewertung durch. Die Organisation koordiniert die Maßnahmen mit Südafrika, Kap Verde und den Niederlanden. Eine detaillierte epidemiologische Untersuchung sei im Gange, einschließlich weiterer Labortests und einer Sequenzierung des Virus.
WHO-Regionaldirektor Kluge gab gleichzeitig partielle Entwarnung: Das Risiko für die breite Öffentlichkeit sei gering, Reisebeschränkungen seien nicht erforderlich. Die Aussage zielte erkennbar auf die Kreuzfahrtbranche, die nach Covid besonders sensibel auf Virusausbrüche reagiert.
[Зображення: Transmissionselektronenmikroskopische Aufnahme eines Hantavirus-Partikels in Falschfarben]
Hantavirus: Was Sie wissen müssen
Übertragung · Symptome · Risiko
Quellen: WHO, BAG, Robert Koch-Institut | Allgemeine Angaben, kein Ersatz für ärztliche Beratung.
Was Reisende und Unternehmer jetzt wissen müssen
Für die Kreuzfahrtindustrie ist der Fall ein Stresstest nach der Pandemie. Expeditionskreuzfahrten in entlegene Gebiete – Antarktis, Subantarktis, Atlantikinseln – haben in den vergangenen Jahren stark an Popularität gewonnen. Die MV Hondius ist ein modernes Polarklasse-Schiff, erst 2019 gebaut. Dass ausgerechnet auf einem solchen Schiff ein seltener Erreger ausbrechen kann, unterstreicht die Grenzen der Hygienekontrolle in isolierten Umgebungen.
Für Unternehmer in der Reisebranche ergeben sich konkrete Handlungsfelder: Transparente Kommunikation gegenüber Kunden, Aktualisierung der Stornierungsbedingungen und eine Überprüfung der medizinischen Notfallpläne an Bord. Der Fall zeigt, wie schnell ein einzelnes Ereignis die Reputation einer ganzen Destination oder Branche beschädigen kann.
FAQ
Was genau ist auf der MV Hondius passiert?
Drei Passagiere starben nach schweren Atemwegserkrankungen an Bord oder auf der Rückreise. Bei einem vierten Patienten wurde das Hantavirus im Labor bestätigt. Zwei Crewmitglieder sind ebenfalls erkrankt. Das Schiff liegt vor Kap Verde fest.
War ein Deutscher unter den Todesopfern?
Ja. Ein deutscher Staatsbürger starb am 2. Mai 2026 an Bord. Das Auswärtige Amt bestätigte die Nationalität. Details zu Alter und Geschlecht wurden nicht mitgeteilt.
Wie wird das Hantavirus übertragen?
Üblicherweise durch Kontakt mit Urin, Kot oder Speichel infizierter Nagetiere. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist bei den meisten Varianten extrem selten, beim Andes-Virus aus Südamerika jedoch möglich.
Besteht Gefahr für die Öffentlichkeit?
Die WHO stuft das Risiko als gering ein. Reisebeschränkungen seien nicht erforderlich. Entscheidend ist die schnelle Evakuierung der Erkrankten und die Identifikation des genauen Virustyps.
Wohin fährt die MV Hondius jetzt?
Da Kap Verde die Einfahrt verweigert, soll das Schiff voraussichtlich zu den Kanarischen Inseln (Las Palmas oder Teneriffa) weiterfahren. Die niederländischen Behörden koordinieren die Evakuierung.
Wie viele Deutsche sind noch an Bord?
Sechs deutsche Passagiere und ein deutsches Crewmitglied befinden sich an Bord. Der Leichnam des verstorbenen deutschen Passagiers ist ebenfalls noch auf dem Schiff.