Der Waldbrand im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern breitet sich weiter aus. Bis zum Morgen des 16. Juli waren mehr als 318 Hektar Waldfläche von den Flammen betroffen. Rund 500 Feuerwehrleute, Rettungskräfte und technische Einsatzkräfte sind an der Bekämpfung des Feuers beteiligt. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu ndr.
Die Lage bleibt wegen starker Rauchentwicklung, ständig wechselnder Windrichtungen und alter Munition im Boden angespannt. Das betroffene Gebiet wurde früher als militärischer Übungsplatz genutzt. Die Behörden rechnen damit, dass der Einsatz noch mehrere Tage dauern wird.
Feuer greift auf die Baumkronen über
Nach Angaben eines NDR-Reporters vor Ort breitet sich das Feuer nicht mehr nur am Waldboden aus, sondern hat inzwischen auch die Kronen einzelner Bäume erreicht. Die Einsatzkräfte hatten versucht, einen Übergang zum Kronenbrand zu verhindern, da sich solche Brände deutlich schneller ausbreiten und schwerer unter Kontrolle bringen lassen.
Wegen des dichten Baumbestands können Funken leicht von einer Krone zur nächsten überspringen. Bereits am Mittwoch gerieten mehrere Baumwipfel in Brand. In der Nacht breitete sich das Kronenfeuer nach bisherigen Erkenntnissen nicht weiter aus, die Gefahr besteht jedoch weiterhin.
Die vertikale Ausbreitung der Flammen erhöht das Risiko, dass das Feuer über die bisher betroffene Zone hinausgreift. Besonders kritisch sind Windböen, die brennende Partikel über größere Entfernungen transportieren können.
Alte Munition explodiert weiterhin im Boden
Seit Montag hält der Waldbrand im Müritz-Nationalpark die Einsatzkräfte in Alarmbereitschaft. Neben Einheiten aus mehreren Landkreisen Mecklenburg-Vorpommerns sind auch Verstärkungen aus Brandenburg und Sachsen eingetroffen.
Die Löscharbeiten werden durch Blindgänger und andere Munitionsreste erschwert, die sich im Boden des früheren militärischen Übungsgeländes befinden. Nach Angaben des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte sind in der Brandzone wiederholt Explosionen zu hören.
Dabei handelt es sich offenbar nicht nur um kleinere Munitionsreste. In dem Gebiet wurden in der Vergangenheit auch Panzergranaten und andere großkalibrige Kampfmittel gefunden. Durch die Hitze des Feuers und die Erwärmung des Bodens können diese detonieren.
Wegen der Explosionsgefahr dürfen Feuerwehrleute bestimmte Bereiche nicht betreten und die Flammen dort nicht direkt bekämpfen. Dadurch sind die Möglichkeiten der Bodeneinheiten erheblich eingeschränkt. Die Einsatzkräfte müssen verstärkt auf Maßnahmen aus sicherer Entfernung setzen.
Einsatzkräfte müssen bis zu 1.000 Meter Abstand halten
Das Betreten besonders gefährlicher Abschnitte des ehemaligen Truppenübungsplatzes ist den Rettungsdiensten untersagt. Nach Angaben der Kreisverwaltung beträgt der erforderliche Sicherheitsabstand in einzelnen Bereichen rund 1.000 Meter.
In dieser Entfernung verlegen die Einsatzkräfte Wasserleitungen, installieren technische Anlagen und bauen Beregnungssysteme auf. Ein unmittelbarer Einsatz am Brandherd ist wegen der Gefahr von Explosionen und umherfliegenden Splittern nicht möglich.
Die Feuerwehr konzentriert sich deshalb darauf, feuchte Schutzstreifen anzulegen. Diese sollen verhindern oder zumindest verlangsamen, dass sich die Flammen in Richtung bewohnter Ortschaften und weiterer Teile des Nationalparks ausbreiten.
Der Landkreis hat bundesweit zusätzliche Kreisregner und weitere Spezialtechnik angefordert.
Hunderte Beregnungsanlagen sollen das Feuer eindämmen
Die Feuerwehr versucht, die Ausbreitung des Brandes mit Kreisregnern zu stoppen. Die Anlagen befeuchten fortlaufend den Boden, das Unterholz und die Bäume entlang der vermuteten Ausbreitungsrichtung des Feuers.
Aus Baden-Württemberg, Niedersachsen und Bayern wurden bereits 67 zusätzliche Beregnungsanlagen in die Region gebracht. Im Laufe des Tages sollen etwa 120 weitere Systeme hinzukommen.
Die Geräte werden in sicherer Entfernung zu den munitionsbelasteten Bereichen aufgestellt. Mit ihrer Hilfe entstehen künstliche Feuchtigkeitskorridore, die das Überspringen der Flammen erschweren sollen.
Auch das Technische Hilfswerk ist an dem Einsatz beteiligt. THW-Kräfte betreiben Verstärkerpumpen und sorgen dafür, dass die Kreisregner kontinuierlich mit Wasser versorgt werden.
Durch den Betrieb der zusätzlichen Pumpen hat sich der Kraftstoffverbrauch nach Angaben der Einsatzleitung etwa vervierfacht. Um die Technik ohne Unterbrechung einsetzen zu können, wurde eine laufende Betankung organisiert.
Eurofighter fliegt nahe an Feuerwehrdrohne vorbei
Ein weiterer Zwischenfall ereignete sich am Mittwoch im Luftraum über dem Nationalpark. Ein in Laage stationierter Eurofighter hatte die Genehmigung erhalten, das Brandgebiet in einer Höhe von etwa 70 Metern zu überfliegen.
Der Flug sollte der Lagebeurteilung aus der Luft dienen. Über dem Gebiet galt jedoch eine von der Kreisverwaltung angeordnete Flugverbotszone, da die Feuerwehr mehrere Drohnen einsetzte.
Trotz dieser Beschränkung flog der Eurofighter unmittelbar unter einer Feuerwehrdrohne hindurch. Der Vorfall sorgte wegen der möglichen Kollisionsgefahr und einer möglichen Beeinträchtigung der Luftaufklärung für Aufmerksamkeit.
Die Bundeswehr entschuldigte sich anschließend für den Zwischenfall. Berichte über Schäden an der Drohne oder am Flugzeug liegen nicht vor.
Wind treibt das Feuer erneut in Richtung Granzin
Einer der größten Risikofaktoren bleibt der wechselnde Wind. Nach Angaben der Kreisverwaltung änderte er in den vergangenen Tagen mehrfach seine Richtung.
Zeitweise wurde die Feuerfront erneut in Richtung der Ortschaft Granzin gedrückt. Der Abstand zwischen dem Brand und dem Dorf betrug zuletzt rund 1,4 Kilometer.
Wegen der drohenden Ausbreitung der Flammen ordneten die Behörden erneut eine Evakuierung an. Rund 100 Menschen mussten ihre Häuser am Dienstagabend verlassen.
Für die Evakuierten bleibt das Gemeindezentrum in Peckatel geöffnet. Dort stehen Schlafplätze zur Verfügung, außerdem werden Essen und Getränke bereitgestellt.
Nach Angaben der Einsatzleitung verlief die Evakuierung ruhig. Panik unter den Einwohnern wurde nicht gemeldet.
Erste Evakuierung bereits am Montag
Granzin war bereits am Montagabend vollständig evakuiert worden, kurz nachdem sich der Brand im Nationalpark rasch ausgebreitet hatte.
Auch für die Ortschaften Krienke und Speck waren Evakuierungen vorbereitet worden. Später ließ der Wind jedoch nach, und die Feuerfront bewegte sich vorübergehend in eine andere Richtung.
Nach einer zwischenzeitlichen Stabilisierung durften die Bewohner zunächst in ihre Häuser zurückkehren. Wegen eines erneuten Windwechsels musste Granzin am Dienstag erneut geräumt werden.
Die Rettungskräfte beobachten die Lage in der Nähe der Ortschaften weiterhin. Ob und wann die Bewohner zurückkehren können, hängt von der Windrichtung, der Rauchentwicklung und der Geschwindigkeit der Brandausbreitung ab.
Bevölkerung vor starker Rauchentwicklung gewarnt
Der Rauch des Waldbrandes hat sich über ein großes Gebiet ausgebreitet. Die Rauchfahne ist aus mehreren Kilometern Entfernung sichtbar.
Die Bewohner der umliegenden Orte wurden aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Bei stärkerem Brandgeruch sollen nach Möglichkeit auch Lüftungsanlagen ausgeschaltet werden, die Außenluft ansaugen.
Besonders vorsichtig sollten Menschen mit Atemwegserkrankungen, ältere Personen und Familien mit kleinen Kindern sein.
Die Behörden veröffentlichen fortlaufend neue Warnhinweise. Die Bevölkerung soll die Mitteilungen der Kreisverwaltung und der Einsatzkräfte aufmerksam verfolgen.
Brand könnte nahe einem Aussichtsturm ausgebrochen sein
Nach bisherigen Erkenntnissen entstand das Feuer möglicherweise in der Nähe eines Aussichtsturms auf dem Käflingsberg. Wegen der trockenen Witterung, des Windes und der leicht entzündlichen Vegetation breitete sich der Brand schnell im Wald aus.
Die genaue Brandursache ist offiziell noch nicht geklärt. Eine umfassende Untersuchung kann voraussichtlich erst beginnen, wenn die Gefahrenzone gesichert und für Fachkräfte zugänglich ist.
Bereits am Montagabend trafen zusätzliche Einheiten im Brandgebiet ein. Unter anderem wurde Spezialtechnik von der Insel Rügen angefordert, die für die Bekämpfung von Waldbränden ausgelegt ist.
Brandfläche könnte um weitere 30 bis 50 Hektar wachsen
Die Einsatzleitung geht davon aus, dass sich der Brand bei ungünstigen Wetterbedingungen weiter ausbreiten kann. Wegen des wechselnden Winds könnten im Laufe des Tages weitere 30 bis 50 Hektar betroffen sein.
Selbst wenn die bestehende Eindämmungslinie gehalten wird, können außerhalb der Hauptbrandzone neue Feuer entstehen. Ursache dafür sind Funkenflug, brennende Äste und glühende Holzpartikel.
Die Feuerwehr überwacht die Brandgrenzen aus der Luft und von sicheren Positionen am Boden. Dabei kommen Drohnen, Flugzeuge und Wärmebildtechnik zum Einsatz.
Priorität haben der Schutz der umliegenden Ortschaften, die Verhinderung einer weiteren Ausbreitung und die Sicherheit der Einsatzkräfte.
Erwarteter Regen bringt bislang keine Entlastung
Die Einsatzleitung hofft auf Niederschläge, die die Intensität des Feuers verringern könnten. Länger anhaltender Regen wurde frühestens für Donnerstag erwartet, galt jedoch für Freitag als wahrscheinlicher.
Kurze Regenschauer hatten bislang keinen spürbaren Einfluss auf die Löscharbeiten. Die Niederschlagsmenge reichte nicht aus, um die trockene Waldstreu ausreichend zu durchfeuchten und die Temperatur in tieferen Bodenschichten zu senken.
Für eine deutliche Verbesserung wäre länger anhaltender Regen ohne starken Wind notwendig. Eine Wetteränderung kann die Lage jedoch auch verschärfen, wenn kräftige Böen das Feuer noch vor Beginn der Niederschläge weiter antreiben.
Die Einsatzkräfte rechnen daher nicht mit einem schnellen Ende der Löscharbeiten und verstärken weiterhin Personal und Technik.
Touristen sollen den Nationalpark meiden
Kreisverwaltung und Polizei rufen Einwohner und Touristen dazu auf, das Gebiet des Müritz-Nationalparks nicht zu betreten.
Die Zufahrt zur Gefahrenzone ist gesperrt. Das gilt nicht nur für Autos, sondern auch für Radfahrer und Fußgänger.
Unbefugte Personen könnten den Verkehr der Einsatzfahrzeuge behindern und die Rettungskräfte zusätzlich belasten. Zudem bestehen weiterhin Gefahren durch explodierende Munition, umstürzende Bäume und plötzliche Richtungswechsel des Feuers.
Die Polizei kontrolliert Zufahrtsstraßen und einzelne Wege. Personen, die sich trotz der Sperrungen in die Gefahrenzone begeben, können von den Behörden entfernt werden.
Abschnitt des Radwegs Berlin–Kopenhagen gesperrt
Wegen des Waldbrands ist ein Abschnitt des beliebten Radfernwegs zwischen Berlin und Kopenhagen, der durch den Müritz-Nationalpark führt, vorübergehend nicht passierbar.
Der Tourismusverband Mecklenburgische Seenplatte teilte mit, dass eine Durchfahrt durch das betroffene Gebiet nicht möglich sei. Radreisende sollten ihre Route frühzeitig anpassen und keinesfalls versuchen, die Sperrungen über Waldwege zu umgehen.
Zwischen Neustrelitz und Waren steht eine alternative Strecke zur Verfügung. Informationen zur Umleitung erhalten Reisende bei den örtlichen Touristinformationen und über die offiziellen Kanäle der Region.
Wann die ursprüngliche Strecke wieder freigegeben wird, ist noch unklar. Die Entscheidung hängt von der weiteren Brandentwicklung und der Sicherheitsüberprüfung des Gebiets ab.
Löscharbeiten dauern voraussichtlich mehrere Tage
Nach Einschätzung der Kreisverwaltung wird der Einsatz im Müritz-Nationalpark noch mehrere Tage andauern. Auch nach der Eindämmung der offenen Flammen müssen Glutnester und unterirdisch schwelende Bereiche kontrolliert werden.
Zusätzliche Risiken bestehen durch Baumwurzeln, torfhaltige Flächen und eine dicke Schicht trockener Waldstreu. Das Feuer kann sich unter der Oberfläche halten und später erneut aufflammen.
Einzelne Bereiche können erst überprüft werden, nachdem Spezialisten sie auf Kampfmittel untersucht haben. Bis dahin können sich die Bodeneinheiten nicht frei im gesamten Brandgebiet bewegen.
Die Zahl der eingesetzten Feuerwehrleute, Rettungskräfte und technischen Helfer wird abhängig von der Wetterlage und der weiteren Ausbreitung angepasst.
Bürgertelefon für Anwohner eingerichtet
Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte hat für betroffene Bewohner und Menschen aus den umliegenden Ortschaften ein Bürgertelefon eingerichtet.
Informationen zu Evakuierungen, Notunterkünften, Straßensperrungen und zur aktuellen Lage sind unter folgenden Nummern erhältlich:
- (0395) 57087-8230;
- (0395) 57087-8070;
- (0395) 57087-8190.
Die Behörden bitten darum, die Notrufnummern nicht mit allgemeinen Fragen zu belasten. Für Auskünfte ohne akute Gefahr soll das Bürgertelefon des Landkreises genutzt werden.
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